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Montag öffnen die Bielefelder Haarpfleger wieder – Online-Kalender „Bad Hair Date“ soll weniger etablierten Salons helfen

Friseurtermin dringend gesucht

Bielefeld (WB)

Verfilzte Corona-Matte adieu: Am Montag dürfen die Friseursalons wieder öffnen. Während einige bereits über Monate ausgebucht sind, drohen die Frisierstühle in anderen Salons Staub anzusetzen.

Nadine Niehenker

Termine sind nach Wochen des Lockdowns begehrt: Am Montag dürfen die Friseure ihren Service wieder anbieten. Foto: Felix Hörhager/dpa

„Der erneute und lange Lockdown hat nicht nur die Liquiditätsreserven vieler Friseursalons, sondern auch der Kosmetikstudios völlig überfordert. Nicht wenige stehen deshalb kurz vor der Geschäftsaufgabe oder am Abgrund zur Insolvenz“, sagt Wolfgang Borgert, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer OWL.

Hinzu kommt das Ungleichgewicht bei der Terminvergabe in den Bielefelder Friseur-Betrieben. Dr. Sandra Schwark, Geschäftsführerin der „antei GmbH“, steht vor einem Problem, als sie einen Friseurtermin in ihrem Stammsalon Viva la Hair vereinbaren möchte. Denn auch der Salon von Kathrin Knosalla ist bereits über Wochen hinweg ausgebucht, und sie weiß nicht, an wen sie ihre langjährige Stammkundin vermitteln soll. Eine Lösung muss her, denkt sich Sandra Schwark.

Also entwickelte sie gemeinsam mit ihren Geschäftspartnern Jürgen Peters und Björn Herzig kurzerhand den Online-Terminkalender „Bad Hair Date“. „Die App ist primär für kleinere Salons, die vielleicht noch keine Stammkundschaft haben“, sagt Dr. Schwark, die mit ihren Partnern normalerweise Software als Dienstleistung für andere Unternehmen entwickelt. Doch auch etablierte Friseursalons könnten von der kostenlosen Plattform (www.badhair.date) profitieren: „Zum Beispiel um Lücken zu füllen, wenn Kunden abspringen“, erklärt die 34-Jährige.

Die Plattform sei außerdem leicht zu bedienen, sagen Björn Herzig und Jürgen Peters. Friseurbetriebe und potenzielle Kunden können sich registrieren. Die Betriebe tragen dann ihre freien Terminkapazitäten ein und die Kunden können ihre Suche zum Beispiel nach Postleitzahl filtern. „Wir alle leiden unter Corona. Das ist unser kleiner solidarischer Beitrag für ein gesellschaftliches Problem“, sagt Sandra Schwark.

An Hygienevorschriften nicht viel verändert

Friseurmeister Hans Wieghorst hat mit der Terminvergabe ebenfalls alle händevoll zu tun: „Wir sind die ersten drei März-Wochen so ziemlich ausgebucht, und die vierte Woche füllt sich immer mehr.“ Bis auf ein paar Kleinigkeiten habe sich an den Hygienevorschriften nicht viel verändert. „Kaffee dürfen wir grundsätzlich schon ausschenken, wir müssen allerdings Handschuhe tragen und eine Spülmaschine vorweisen können, die das Geschirr auf mindestens 60 Grad waschen kann.“ Lange Wartezeiten würden sich aufgrund der begrenzten Personenanzahl im Salon nicht ergeben.

Neben seinem Onlineshop hat Wieghorst die Zeit im Lockdown genutzt, um seinen Salon an der Ritterstraße auf Vordermann zu bringen. „Wir haben gestrichen, einige Werkzeuge ausgetauscht und genügend Hygieneartikel besorgt, damit wir jetzt durchstarten können.“ Die Soforthilfe im letzten Lockdown sei zwar innerhalb weniger Tage auf dem Konto eingegangen, „aber jetzt ist der Laden seit dem 15. Dezember geschlossen, und ich habe noch keinerlei Hilfe bekommen. Auch das Kurzarbeitergeld von Januar habe ich noch nicht. Die Überbrückungshilfe konnte erst vor einigen Tagen beantragt werden“, beklagt Wieghorst.

„Eine gewagte, aber ambitionierte Idee“

Er kann sich in die bedrohliche Lage anderer, weiniger etablierter Betriebe hineinversetzen: „Das ist schon eine harte Nummer, wenn man über keinerlei finanzielle Reserven oder eine Bonität bei der Bank verfügt. Dann kann man schnell die Finger heben.“

Die App „Bad Hair Date“ betrachtet Hans Wieghorst eher kritisch: „Eine gewagte, aber ambitionierte Idee. Vielen Kunden ist es einfach nicht egal, wer ihnen die Haare schneidet. Natürlich kann die Plattform auch funktionieren. Ich bin gespannt, wie sie angenommen wird.“

Terminkapazitäten längst ausgeschöpft

Kathrin Knosalla ist da anderer Meinung: „Ich denke, dass viele jetzt nicht wochenlang auf einen Friseur-Termin warten wollen, sondern froh sind, wenn sie irgendwo einen bekommen. Darum kann ich mir auch vorstellen, dass der Online-Terminkalender den einen oder anderen kleineren Betrieb retten kann.“ In ihrem eigenen Salon darf unter den aktuellen Hygienebestimmungen nur eine Friseurin arbeiten. Entsprechend sind ihre Terminkapazitäten längst ausgeschöpft. „Ich bin die ersten vier Wochen komplett ausgebucht. Ich bin gespannt, wie die Kunden das mitmachen. Es ändert sich ja alles auch ständig wieder.“

Um die Verluste des Lockdowns auszugleichen, will Kathrin Knosalla ihren Salon künftig auch montags öffnen und die regulären Öffnungszeiten erweitern: „Samstags werden wir erst einmal bis 20 Uhr in Schichten arbeiten.“

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