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Private Waldbauern in Bielefeld fordern Unterstützung und ein gemeinsames Konzept zur Bekämpfung der Schäden

„Fühlen uns im Stich gelassen“

Bielefeld (WB)

Die Lage im Wald auf Bielefelder Stadtgebiet ist schlecht. Unübersehbar sind an vielen Stellen die immensen Schäden, die die vergangenen Dürresommer und die daraus resultierende Borkenkäferplage angerichtet haben.

Hendrik Uffmann

Andreas Krumme an einer der Flächen im Bereich des Hermannswegs, auf der der allergrößte Teil der Bäume gefällt wurde. Foto: Hendrik Uffmann

Doch während die Stadt zu einer Spendenaktion für die Wiederaufforstung aufrufe und dabei schon 250.000 Euro zusammen gekommen sind, fühlen sich die privaten Waldbesitzer im Strich gelassen. „Solche Aktionen wie der Spendenaufruf müssen abgestimmt werden“, sagt Andreas Krumme, Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft Bielefeld. In der seit 1986 bestehenden Vereinigung sind aktuell etwa 220 private Waldbesitzer organisiert, denen zusammen etwa 2400 Hektar Wald gehören. Insgesamt sind laut Andreas Krumme etwa 3000 Hektar Waldfläche in Bielefeld in privater Hand, „das sind fast zwei Drittel“. Der überwiegende Teil der übrigen Fläche gehöre der Stadt selbst und werde von den Stadtförstern betreut.

Der Großteil der privaten Waldbauern besitze kleine Flächen von meist weniger als 13 Hektar, erklärt Andreas Krumme. Und die aktuellen Schäden brächten viele von ihnen in massive wirtschaftliche Probleme. „Das hat katastrophale Auswirkungen.“

Denn die Schäden im Privatwald seien ebenso immens wie in den städtischen Forsten, nur verfügten die Waldbauern nicht über Mitarbeiter, um darauf zu reagieren. Und Erhard Oehle, beim Landesbetrieb Wald und Holz NRW für die privaten Waldbesitzer in Bielefeld zuständiger Förster, sei „Einzelkämpfer“, betont Krumme.

Was den Vorsitzenden der Forstbetriebsgemeinschaft deshalb besonders wurmt, ist, dass die Stadt eine großangelegte Spendenaktion zur Wiederaufforstung städtischer Waldflächen betreibe, die privaten Waldbauern jedoch keine Unterstützung bekämen. Andreas Krumme: „Fördergelder des Landes gibt es kaum oder sie sind schon vergriffen.“

In Euro, sagt Erhard Oehle, ließen sich die Verluste der Waldbauern bislang noch nicht genau beziffern. Doch die Dimension würden daran klar, dass es schon jetzt auf etwa 200 Hektar privater Waldfläche mit Nadelbäumen, vor allem Fichte, große Schäden gebe. Oehle: „Wenn nun noch auch andere Baumarten wie die Buche hinzukommen, könnten daraus 800 bis 900 Hektar werden.“ Und einen Hektar Wald mit neuen Bäumen zu bepflanzen, koste 12.000 bis 15.000 Euro.

Während die Waldbauern in dieser Situation keine Unterstützung erhielten, würden sie aber dennoch gleichsam dafür sorgen, dass der Wald in Bielefeld als Freizeit- und Erholungsraum zur Verfügung stehe. Doch einige Waldbesitzer hätten nun schon aufgegeben bei der Schadensbekämpfung, weil ihnen dafür das Geld fehle.

Die meisten Bielefelder, die für den Wald spenden, wüssten wahrscheinlich nicht um den Unterschied zwischen privaten und städtischen Forsten, vermutet Erhard Oehle. „Und natürlich ist es gut, wenn die Menschen sich für den Wald einsetzen und Geld spenden“, betont der Förster ausdrücklich.

Was sich er und Andreas Krumme jedoch wünschen, ist ein einheitliche Konzept, mit dem dem Wald insgesamt geholfen wird, egal, ob städtisch oder privat. Erhard Oehle: „Im Rahmen einer Solidargemeinschaft sollten wir den Wald als Ganzes sehen.“

Während die Zusammenarbeit mit dem städtischen Forstamt sehr gut sei, halte er gemeinsame Gespräche auch mit anderem Teilen der Verwaltung für sinnvoll, um eine ganzheitliche Strategie zu entwickeln, so Andreas Krumme. „Zum Beispiel mit dem Umweltamt.“

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