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Reichweitenverlängerer knacken Autos mit Keyless-Go-System

Für Diebe eine leichte Beute

Bielefeld (WB). Viele Autobesitzer müssen heute den Schlüssel nur noch bei sich tragen, aber keine Taste mehr drücken. Nähern sie sich dem Auto, erkennt dieses per Funk den Schlüssel. Die sogenannten Keyless-Go-Systeme moderner Autos sind für die Fahrer bequem, aber gleichzeitig eine Einladung für Diebe.

Dietmar Kemper

Ein Startknopf setzt das Auto in Gang. Foto: imago

Ende Februar in Bielefeld: Ein 31-jähriger Mann sucht vergeblich sein Auto. Unbekannte Täter haben seinen Audi A8 vor seinem Haus gestohlen und sind mit dem Fahrzeug im Wert von etwa 50.000 Euro verschwunden. Ein paar Tage zuvor war es zwei Besitzern hochwertiger BMW-Limousinen ähnlich ergangen. Die Diebe hatten die Fahrzeuge nicht etwa aufgebrochen, sondern das Keyless-Go-System ausgetrickst.

Funkwellen können von Unbefugten ausgelesen werden

Das sei ganz einfach, sagt der Sprecher des ADAC in Ostwestfalen-Lippe, Ralf Collatz: »Keyless-Go ist ein schlüsselloser Zugang zum Fahrzeug über Funkwellen. Das Problem ist: Die Funkwellen können von Unbefugten mit einem Reichweitenverlängerer ausgelesen werden.« Autodiebe, oft aus Osteuropa, machen sich das System zunutze, dass Autos nicht mehr aufgeschlossen und mit dem Schlüssel gestartet werden müssen. Heute wird dazu ein Startknopf gedrückt.

Ein Beispiel zeigt, wie Diebe ans Ziel gelangen. Ein Mann stellt beispielsweise seine Limousine abends vor seinem Haus ab. Das Schlafzimmer liegt dem Fahrzeug am nächsten, und dort verwahrt der Mann seinen elektronischen Schlüssel in seiner Hose auf, die er über einen Stuhl hängt. Ein Autodieb nähert sich mit einem Reichweitenverlängerer dem Haus und hat Erfolg. Collatz: »Der Reichweitenverlängerer knackt das Signal des Schlüssels des Fahrzeugs und verlängert es bis zu dem Auto weiter, wo oft ein zweiter Täter mit einem zweiten Gerät wartet.« Das Auto lasse sich dann öffnen und wegfahren. So ein Reichweitenverlängerer koste nur etwa 100 Euro, die Bauteile gebe es in jedem Elektronikladen.

Sicherheitslücke beschäftigt ADAC seit fünf Jahren

Die Sicherheitslücke beschäftigt den ADAC seit fünf Jahren. »Es gab nicht ein einziges Auto mit Keyless-Go, das sich nicht öffnen ließ«, fasst Collatz die Tests zusammen und schlussfolgert: »Die Automobilindustrie tut nichts dagegen.« Sie biete Keyless-Go zum Aufpreis an und wenn damit ausgestattete Autos geklaut würden, verkaufe sie halt neue Fahrzeuge. Autos und Motorräder mit Keyless-Go seien »deutlich leichter zu stehlen als Fahrzeuge mit normalem Funkschlüssel«, beklagte der ADAC nach einer Untersuchung an mehr als 100 Modellen.

Keyless-Go-Systeme gibt es mittlerweile schon in Kleinwagen, aber hochwertige Limousinen lohnen sich für Diebe am meisten. Der ADAC geht davon aus, dass die gestohlenen Autos sofort ins Ausland gefahren und dort mit neuen Schlüsseln ausgerüstet werden. Damit es erst gar nicht so weit kommt, empfiehlt die Bielefelder Polizei den Besitzern von Autos mit Keyless-Go-System, den Schlüssel möglichst zentral in Wohnung oder Haus aufzubewahren, also mit größtmöglichem Abstand zu Außenwänden, Fenstern und zur Haustür. Hilfreich seien zusätzlich funkwellenabgeschirmte Etuis oder Boxen. »Die Schlüssel sollten Sie direkt nach dem Verschließen Ihres Pkw in den geschützten Behältern deponieren«, rät die Polizei.

Der ADAC ist skeptisch. »Einen 100-prozentigen Schutz gibt es nicht«, glaubt Collatz. Den Schlüssel in Alufolie einzuwickeln, sei auch keine Lösung, weil die nicht immer zuverlässig abschirme. Die Hersteller seien in der Pflicht und müssten die Möglichkeit vorsehen, das System zu deaktivieren.

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