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Feuerwerk-Vertreiber distanziert sich von Kritik der Umwelthilfe

„Ganze Branche gerät in Verruf“

Bielefeld (WB). Wild Lion, Black Caiman, Golden Scorpion oder Poisonous Panther – exotisch klingende Namen aus der Tierwelt machen neugierig auf den Inhalt der bunten Pappschachteln im Schuhkartonformat. Doch deren Aufschrift hat, vielleicht mit Ausnahme des Exploding Eagle, nicht viel mit dem Inhalt zu tun. Es sind Batterie-Feuerwerke: „Einmal anzünden und bis zu zwei Minuten lang Spaß haben“, verspricht Christopher Kamp.

Markus Poch

Verantwortungsvollen Umgang mit Pyrotechnik propagiert Christoph Kamp (39) von der Sennestädter Firma Dragon Fireworks. Kurz vor Silvester haben er und seine Kollegen die einzige Gelegenheit, ihre Produkte an den Endverbraucher abzusetzen. Foto: Markus Poch

Gegen „Panikmache“

Der 39-Jährige ist stellvertretender Geschäftsführer der Sennestädter Firma Dragon Fireworks, die professionelle Feuerwerke, Laser- und Wassershows vertreibt. Eines seiner leistungsstärksten Produkte ist die Raketenbatterie Space Craft mit 498 Schuss, einer Effekthöhe von bis zu 35 Metern und 146 Sekunden Brenndauer. Dass solche und ähnliche Artikel zu Zeiten der Greta-Thunberg-Bewegung und der Feinstaub-Diskussion kritischer als zuvor beäugt werden, liegt auf der Hand. Dennoch wehrt sich Christoph Kamp gegen die „Panikmache“ von Einrichtungen wie der Deutschen Umwelthilfe.

Der 1975 gegründete Verein, der sich dem Umwelt- und Verbraucherschutz verschrieben hat, fordert ein generelles Böllerverbot für alle deutschen Städte mit einer im Jahresdurchschnitt (zu) hohen Partikelkonzentration in der Luft. Genannt werden 98 Orte, darunter auch Bielefeld. „Alle Effekte erfordern Energie. Und jede Verbrennung setzt Feinstaub frei. Deshalb kann es kein grünes Feuerwerk geben“, erklärt Christoph Kamp. „Aber das Feuerwerk an sich so zu verteufeln, wie das gerade geschieht, wird der Sache nicht gerecht. Denn Feinstaub ist nicht gleich Feinstaub.“

Schiffe und Lkw gefährlicher

Nach Angaben des promovierten Chemikers ist Feuerwerk-Feinstaub ein anderer als der aus Dieselfahrzeugen oder Schiffsmotoren, nämlich feuchtigkeitsliebend (hygroskopisch). „Dadurch sinkt er schnell zu Boden und überschreitet die Grenzwerte in der Silvesternacht maximal ein bis zwei Stunden lang“, betont Kamp. Container- und Kreuzfahrtschiffe oder ausländische Lkw-Flotten hätten aufs Jahr gerechnet wesentlich mehr Schadstoffausstoß. Davon, dass man durch das Böllern „die Luft vergifte“, wie es die Umwelthilfe behaupte, könne deshalb nicht die Rede sein.

Durch solche Äußerungen gerate eine ganze Branche in Verruf. Außerdem hätten legale Hersteller den Schadstoffgehalt in Feuerwerkskörpern reduziert und über eine „Perfektionierung in der Produktion“ bewirkt, dass Raketen und Böller komplett abbrennen, „so dass Schadstoffe sich nicht mehr im Regen oder anderswo lösen können“. Großen Schaden in der Branche richten laut Kamp illegale Böller und Raketen vor allem aus Polen und Tschechien an, die übers Internet nach Deutschland kämen. “Die sind viel stärker als bei uns erlaubt und brennen oft gefährlich unkontrolliert ab.“

Christoph Kamp und seine sechs Kollegen verzeichnen einen Rückgang bei ihren Feuerwerk-Aufträgen um zehn Prozent, dagegen einen Zuwachs bei den Lasershows um 30 Prozent. Unter anderem von der Umwelthilfe werden diese als „grüne Alternative“ zum Feuerwerk propagiert. „Das ist Unsinn“, sagt Kamp. „Um Laserstrahlen sichtbar zu machen, brauche ich Partikel in der Luft. Dazu werden bei Lasershows große Mengen glykolhaltiger Flüssigkeiten zu Nebel verdampft.“ Dabei entstünde nichts anderes als Feinstaub. Von “grüner Alternative“ dürfe man da nicht sprechen.

Sonntag Schau mit Verkauf

Trotz aller Kritik an seinem Handwerk ist der Pyrotechniker sicher, dass es immer Feuerwerk geben wird – „egal, was Leute wie Greta Thunberg sagen“. Wie gefährlich illegales Feuerwerk sein kann, wollen Kamp und seine Leute an diesem Sonntag von 15 Uhr an bei einem öffentlichen Schautag auf ihrem Gelände an der Gildemeisterstraße 90 demonstrieren. Sämtliche Einnahmen aus ihrem Kinderfeuerwerk der Kategorie 1 (Heuler, Knallerbsen, bunte Fontänen) sollen als Spende ans Betheler Kinderhospiz gehen.

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