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Bielefelder Garten- und Zoofachgeschäft Riemeier feiert ein besonderes Jubiläum

Seit 175 Jahren am Jahnplatz

Bielefeld

Die Kundin vor dem Regal sucht Samen für neuseeländischen Spinat. „Die sind gerade aus, kommen nächste Woche aber wieder. Ich reserviere ein Tütchen für Sie“, sagt Nicole Beckmann. Unterdessen inspiziert ihr Vater Jürgen Beckmann das Blatt einer Pflanze, die ein anderer Kunde in Alufolie eingewickelt mitgebracht hat – und greift in das Sortiment hinter sich, wo die Mittel gegen Schädlinge stehen. Was ein vielfältiges Angebot und eine gute Beratung für das Fachgeschäft für Garten, Zoo und Deko bedeutet, das zeigt diese kleine Szene aus dem Alltag bei Riemeier. In diesem Jahr feiert das Unternehmen sein 175-jähriges Bestehen.

Von Hendrik Uffmann

Jürgen und Frauke Beckmann führen das traditionsreiche Fachgeschäft zusammen mit ihrer Tochter Nicole Beckmann. Foto: Bernhard Pierel

„Und seit unserer Gründung sind wir immer hier am Jahnplatz“, sagt Nicole Beckmann nicht ohne Stolz. Die 43-Jährige führt als Prokuristin das Geschäft zusammen mit ihren Eltern Frauke (68) und Jürgen Beckmann (70).

Doch trotz aller Tradition gehört auch Veränderung immer dazu, betont sie. So ist in Corona-Zeiten das Interesse an Samen für essbare Pflanzen deutlich gestiegen. „Wir haben deshalb auch Samen zum Bespiel für Auberginen und Artischocken, die man auf dem Balkon ziehen kann.“ Lebensmittel selbst anzubauen, diesen Trend hat Riemeier aufgenommen.

Und kehrt damit gleichzeitig zu seinen Wurzeln zurück. Denn gegründet wurde das Unternehmen 1847 von Julius Frieber, Gärtnermeister des Alten Friedhofs am Jahnplatz. Er hatte damit begonnen, Sämereien in Tüten zu füllen und zu verkaufen.

Eine große Auswahl an Samen für Blumen und essbare Pflanzen gehört bis heute zum Sortiment. Foto: Bernhard Pierel

Friedrich Riemeier, der 1887 sein Kolonialwarengeschäft am Altstädter Kirchplatz gegründet hatte, kauft 1905 von der Familie Frieber den Samenhandel und das 1898 errichtete vierstöckige Geschäftshaus am Jahnplatz 3. Von 1928 an wandelt Riemeier seine Kolonialwarenabteilung Schritt für Schritt zur Drogerie um.

Ende der 1970er Jahre kommt dann der Bereich Garten und Kräuter hinzu. Und letzteres liegt derzeit ebenso wieder im Trend, sagt Nicole Beckmann. „Deshalb haben wir unsere Abteilung mit Heilkräutern vergrößert.“ 1988 eröffnet Riemeier den Zoobereich.

Der Bereich für Heilkräuter wurde in den letzten Jahren vergrößert, zeigt Frauke Beckmann. Foto: Bernhard Pierel

1995 schließt Friedrich Riemeier einen Gesellschaftervertrag mit Jürgen Beckmann, der 1967 als Auszubildender angefangen hatte und heute Inhaber ist, und wird selbst Kommanditist. Im Laufe der Jahre modernisiert Beckmann das Geschäft, vergrößert die Zooabteilung, nimmt den Bereich Boutique mit Deko-Artikeln hinzu.

Auf zwei Etagen und 550 Quadratmetern Verkaufsfläche gibt es damit heute für die Kunden eine große Auswahl: Saatgut für Blumen und essbare Pflanzen, Wildvogelfutter, Nistkästen und Futterstationen, Heilkräuter, handgeschmiedete Gartengeräte, und Pflanzenstärkungsmittel.

Die Gartengeräte sind handgeschmiedet, das Holz stammt aus heimischen Wäldern. Foto: Bernhard Pierel

Im Untergeschoss ist der Zoo-Bereich. Hier gibt es Futter und Spielzeug für Hund und Katze, lebende Tiere wie verschiedene Hamster- und Vogelarten.

Im Jubiläumsjahr stehen weitere Veränderungen auf den Plan, erklärt Nicole Beckmann. Unter anderem wird der Bereich Aquaristik neu ausgerichtet. „Interessanter werden zum Beispiel Fische, die kein beheiztes Wasser benötigen. Dadurch spielen die Energiekosten bei dem Hobby angesichts der steigenden Strompreise keine so große Rolle mehr.“

Die seit fast zwei Jahren laufenden Bauarbeiten am Jahnplatz sind auch für Riemeier eine Herausforderung. Dabei setzt das Fachgeschäft auch ein Zeichen für den Standort. Neben ander Jubiläumsaktionen hilft das Unternehmen bei der Begrünung der neuen Haltestellen-Dächer und stellt dort Wildbienenkästen auf.

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