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Zehntausende besuchen Food-Festivals auf dem Siggi und dem Kesselbrink

Genuss und Experimentierfreude

Bielefeld (WB). Die einen setzen auf Masse in Form von vielen Besuchern. Den anderen ist Masse ein Gräuel. Wieder andere sprechen von einer »Welle, die auch wieder abflachen wird«: Alle reden vom Essen – und das war auch am Pfingstwochenende auf mehreren Bielefelder Plätzen das große Thema.

Burgit Hörttrich

Linus Balandat und Janine Krause mit Fries’n’Ice, nach ihren Angaben oft geordert: »Eis haben wir kaum noch.« Foto: Mike-Dennis Müller

Burger, Pulled Pork, Raclette, Fish’n’Chips, Asiatisch und Co. aus Foodtrucks gibt es auf dem Siegfriedplatz und auf dem Kesselbrink stehen – frei nach dem Motto »Konkurrenz belebt das Geschäft«. Und auf dem Altstädter Kirchplatz wird der »Food Revolution Day« ausgerufen: mit Kistengärten und Schnippel-Disko.

Annabelle Mayntz und Pip Conzens (Art at Work) rufen auf zum »kulinarischen Ungehorsam« – mit Verbraucherzentrale, »Quelle im Wandel« und Transition Town. »Gärtnern statt Kochsendungen«. Dass das auch ohne Garten möglich ist, würden die Kistengärten beweisen: Kohlrabi und Paprika, Tomaten, Erdbeeren – alles wachse in Kisten. Bis Ende Juni werde es 20 Kistengärten an Schulen geben, sagt Annabelle Mayntz: »Während der Sommerferien nehmen Kinder die Kisten mit nach Hause – so wie früher die Topfblumen aus dem Klassenzimmer.«

Nicht beliebt seien Spinat und Brokkoli, aber: »Alles andere wird auch geerntet und gegessen – für manche Kinder eine neue Erfahrung – auch geschmacklich.« Beim Food Revolution Day sei eben nicht die Masse entscheidend, sondern Umweltschutz, kombiniert mit gesunden Mahlzeiten.

Brauer steht selbst hinter der Theke

Auf »massenhaft« Besucher setzt dagegen Florian Steiner als Veranstalter auf dem Siegfriedplatz: Kleine, mindestens aber regionale Brauereien präsentieren dort ihre Produkte, dazu gibt es Mahlzeiten »auf die Hand« aus den rollenden »Imbissbuden«. Steiner geht von 40.000 bis 50.000 Besuchern an den drei Veranstaltungstagen aus. Schwerpunkt sei das Bier. Steiner: »An einigen der neun Bierstände, die zusammen rund 70 Sorten anbieten, steht der Brauer selbst hinter der Theke.«

So gebe es bayerische Biere, Maibock oder – für Experimentierfreudige – Fruchtbiere mit dem Geschmack von Kirsche, Banane, Erdbeere oder Ananas. Damit sich Genießer nicht gleich festlegen müssen, so Steiner, könne der Gast zuerst einen Probierschluck testen. Sascha Kaiser ist mit seiner Bielefelder Röstmanufaktur vertreten. Eine seiner Kaffeespezialitäten passe perfekt zum Craft Beer Festival, sagt er. Er »zapft« »Nitro Cold Brew« – Kaffee, der im Glas so aussieht wie ein dunkles, englisches Ale.

Zum Groß-Restaurant unter freiem Himmel wird auch der Kesselbrink beim Streetfood-Circus. Burger aller Art – vom Maultaschenburger bis zu solchen aus Straußenfleisch – stehen dort (mit der klassischen Currywurst) oben bei Angebot und Nachfrage. Bei Gerichten wie Ferkelbox oder Lümmeltüte ist Neugier gefragt. Die wohl ungewöhnlichste Kombination: »Captain Tasty« aus Dortmund offeriert Eis auf Fries – Pommes aus Süßkartoffeln, gekrönt mit Vanille- oder Karamelleiscreme.

Zum Dessert

Beim Dessert haben Naschkatzen nicht nur die Wahl zwischen Tartes, Churros und Cookies, sondern sie können sich fühlen wie in ihrer Kindheit, als sie Teig direkt aus der Rührschüssel probieren durften: mit »Cookie Dough«, Keksteig in Kugeln und in verschiedenen Geschmacksrichtungen, »erfunden« in New York. Bauchschmerzen sollen nicht die Folge sein, denn der Cookie Dough bestehe nur aus Butter, Zucker, Milch und Mehl und süßen Zutaten. Treibmittel fehlen.

Der Hotel- und Gaststättenverband sieht die Imbissstände auf Tour mit gemischten Gefühlen. Hauptgeschäftsführer Thomas Keitel, meint, wie bei jedem Trend sei auch bei diesem ein Ende absehbar. Natürlich seien solche Veranstaltungen Konkurrenz für die lokale Gastronomie. Auf der anderen Seite: »Die Gäste dort lernen Spezialitäten kennen, die sie dann vor Ort in den Lokalen essen möchten, wenn der Circus längst weiter gezogen ist.« Und das sei doch »nur gut so«.

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