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Gegendemonstranten entwenden in Bielefeld Mikrofon und stoßen Absperrung um

Gereizte Stimmung bei Grundrechte-Demo

Bielefeld (WB/hz). Die Stimmung bei den wöchentlichen Demonstrationen der Grundrechte-Aktivisten auf dem Bielefelder Kesselbrink wird zunehmend gereizter. Bei der Kundgebung am Samstag kam es zu Auseinandersetzungen mit Gegendemonstranten, die eine Absperrung umwarfen und das Mikrofon entwendeten.

Über das Flatterband hinweg wurde zwischen den Grundrechte-Aktivisten (rechts) und Gegendemonstranten teilweise heftig diskutiert. Foto: Jens Heinze

Kurzzeitig herrschten am Samstagnachmittag auf dem großen Platz zwischen dem Polizei-Hochhaus auf der einen und der Volksbank-Zentrale auf der anderen Seite tumultartige Szenen. Demoanmelderin Anastasia Powolozki von der Grundrechte-Aktivisten-Bewegung „Recht und Freiheit (Ruf) 2020“ hatte das Mikrofon auf dem Kesselbrink für jeden, der eine Rede halten wollte, geöffnet. Auch Menschen, die anderer Meinung waren als die „Ruf 2020“-Unterstützer, durften sprechen.

Das machten sich prompt Gegendemonstranten zu nutze, die den wiederholten Aufzug der Grundrechte-Aktivisten in der Bielefelder Innenstadt mit plakativen Aufforderungen wie „Abstand halten zu Verschwörungsmythen und rechter Hetze“ und Rufen wie „Aufhören, aufhören“ begleiteten. Zunächst wurde zur Ablenkung der Teilnehmer der „RuF 2020“-Kundgebung eine rot-weiße Warnbake der Absperrung des markierten Demobereichs umgestoßen. Diesen kurzen Moment der Unruhe nutzten weitere Gegendemonstranten, um sich das von Demoanmelderin Powolozki geführte Mikrofon zu schnappen und zu flüchten.

Nach kurzer Hektik kehrte dann wieder Ruhe ein. Die Grundrechte-Aktivisten holten sich ihr entwendetes Mikrofon zurück, Polizisten nahmen die Personalien des Täters auf. Wie Polizei-Einsatzleiter Andreas Schramm auf Nachfrage bestätigte, habe der Vorfall voraussichtlich keine strafrechtlichen Konsequenzen. Demoanmelderin Anastasia Powolozki habe ausdrücklich davon abgesehen, Strafanzeige zu erstatten.

Das Interesse an den Kundgebungen der Grundrechte-Aktivisten lässt immer mehr nach. 150 Menschen wurden am Samstag auf dem Kesselbrink erwartet. Es kamen aber in der Spitze nur bis zu 50 Teilnehmer zur Demo, dann reduzierte sich die Zahl schnell wieder.

Kenner der rechten Szene in OWL berichteten, dass ein Anhänger der rechtspopulistischen AfD bei der „RuF 2020“-Veranstaltung auf dem Kesselbrink als Ordner fungiert haben soll. Zudem sollen ein Sympathisant der in Haft sitzenden Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck und Anhänger der Reichsbürger-Bewegung an der Grundrechte-Demo teilgenommen haben.

Ein zweiter für den Samstag in der Bielefelder Innenstadt angekündigter Aufzug von Gegnern der Coronavirus-Schutzverordnung fand nicht statt. Am geplanten Veranstaltungsort im Rochdale Park vor der Ravensberger Spinnerei seien keine Demonstranten zu sehen gewesen, bestätigte die Polizei Feststellungen des WESTFALEN-BLATTES.

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