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Drei Bielefelder machen beim Wettbewerb „Germany’s Power People“ mit

Gesucht: Miss und Mister Handwerk

Bielelfeld (WB). Gesucht werden die attraktivste und engagierteste Handwerkerin und ihr männliches Gegenstück: Miss und Mister Handwerk. Im Wettbewerb für die Titel des Jahres 2021 sind auch die Bielefelder Kira Stork, Carolin Finger und Sascha Kloss.

Uta Jostwerner und Sabine Schulze

Kira Stork im Einsatz mit Stoßbesen und Leine. Die 23-Jährige ist Schornsteinfegerin und möchte die Wahl zur Miss Handwerk gewinnen. Mit im Rennen sind zwei weitere Kandidaten aus Bielefeld. Foto: Bernhard Pierel

Zum elften Mal ruft das Deutsche Handwerksblatt unter dem Motto „Germany’s Power People“ zum Wettbewerb auf. Aus allen Bewerbern, für die online die Stimme abgegeben werden kann, werden aus den Top 30 der weiblichen und männlichen Handwerker jeweils sechs Frauen und Männer ausgewählt – egal ob Azubi, Geselle oder Meister, ob Bäcker, Maler, Installateur oder Orthopädietechniker. Sie erhalten ein Fotoshooting. Die Bilder kommen in einen Kalender. Die endgültige Entscheidung über Miss und Mister Handwerk fällt nach einem weiteren Online-Voting. Ferner anhand eines Videos, dem Spruch der Jury und des Publikums der internationalen Handwerksmesse München.

Carolin Finger arbeitet in einem typischen Männerberuf

Im Keller eine neue Heizung einbauen und den Kunden aufs Dach steigen, um Solarkollektoren anzuschließen oder einen Schornstein zu verrohren. Für Carolin Finger kein Problem. Die gelernte Anlagenmechanikerin für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik schätzt die Vielseitigkeit in ihrem Beruf, in dem sie als Frau immer noch eine große Ausnahme darstellt. „Einige Leute gucken nicht schlecht, wenn ich bei ihnen vor der Haustür stehe und nicht der erwartete Mechaniker“, sagt die 25-Jährige.

Carolin Finger schätzt die Vielseitigkeit in ihrem Beruf. Foto: Bernhard Pierel

Die Bielefelderin, Tochter eines Anlagenbauers, ist allerdings mit der Materie von klein auf an vertraut. Es gilt als ausgemachte Sache, dass sie den elterlichen Betrieb einmal übernehmen wird. „Ich habe meinen Vater schon in meinen Schulferien immer bei der Arbeit begleitet. Seit 2013 arbeite ich im Betrieb mit. Hier habe ich auch meine Ausbildung gemacht“, erzählt Carolin Finger und fügt an: „Der Beruf macht mir Mega viel Spaß.“

Die künftige Chefin von H.-D. Finger pendelt zwischen Büro und Baustelle. „Natürlich kümmere ich mich auch um Kundenkontakte und andere Büroarbeiten. Ich kann aber auch eine Heizung einbauen oder eine Badezimmereinrichtung installieren“, sagt Carolin Finger. Ihr Beruf ist in jeder Beziehung anspruchsvoll, sowohl was die praktische als auch die theoretische Seite anbelangt. „Wir waren am Anfang in meiner Berufsschule 24 Schüler. Zwölf haben bis zum Ende durchgehalten. Davon haben vier die Prüfung bestanden“, berichtet die Gesellin. Kürzlich habe sie ihren ehemaligen Berufsschullehrer wieder getroffen. „Der hat mir berichtet, dass sich die Situation weiter verschärft hat“, bedauert die Anlagenmechanikerin. Wie überall im Handwerk mangelt es an geeigneten Nachwuchskräften.

Mit ihrer spontanen Anmeldung bei Germany’s Power People möchte Carolin Finger unter anderem auch für ihren Beruf werben. „Es wäre schon schön, wenn jemand aus unserem Gewerk unter die ersten Sechs kommen würde“, sagt sie und hofft nun darauf, dass möglichst viele Freunde und Bekannte für sie stimmen. Abgestimmt wird im Internet auf dem Portal von Germany’s Power People. Das ist wie Punkte sammeln. Das Voting läuft noch bis zum 4. August. „Die Teilnahme am Fotoshooting würde mir schon Spaß machen“, gesteht die Handwerksgesellin, die in ihrer Freizeit gerne ihren großen Garten in Schuss hält und Joggen geht. „Mit dem Kochen habe ich es nicht so. Zum Glück hat mein Freund ein gutes Händchen dafür“, sagt sie.

Sascha Kloss möchte das Gesicht des Dachdeckerhandwerks sein

Es ist schon ein verdammt cooles Bild: Sascha Kloss sitzt rittlings auf einem spitz zulaufenden Dachfirst. In der Hand hält er die Steuerungseinheit einer Drohne, mit der er sich selbst auf dem Dach sitzend fotografiert. Es ist eines von zahlreichen Fotos, mit denen der Dachdeckermeister beim Social-Media-Kanal Instagram vertreten ist. Ziel und Zweck der Übung: „Ich möchte junge Menschen auf den Beruf des Dachdeckers aufmerksam machen.“

Sascha Kloss liebt auch nach 31 Jahren noch immer seinen Beruf. Foto: Bernhard Pierel

Erfolgreich nutzt der 47-jährige Bielefelder – „Ich bin ein Sieker Jung“ – dazu seit einigen Jahren die sozialen Medien. „Man muss die Menschen dort abholen, wo sie sind. Und ich bin noch jung genug, um ihre Sprache zu sprechen“, sagt Kloss, der den Beruf des Dachdeckers seit 31 Jahren, 24 davon als Meister und Ausbilder, ausübt und noch immer mit Leidenschaft dabei ist.

Selbstverständlich ist das heutzutage nicht mehr. Der Branche mangelt es an geeignetem Nachwuchs. „Früher bewarben sich in unserer Firma pro Jahr 15 bis 20 Kandidaten. Sie legten sich ins Zeug, um uns zu überzeugen und einen Ausbildungsplatz zu ergattern. Heute ist es umgekehrt: Da müssen wir uns so attraktiv wie möglich darstellen“, erzählt der Bielefelder, der auf Instagram mit Fotos, Videos und Geschichten aus dem Berufsalltag für das Dachdeckerhandwerk wirbt.

„Das Arbeiten in der Höhe hat was mit Freiheit zu tun. Es gibt gute Verdienstmöglichkeiten und der Job ist krisensicher“, weiß Sascha Kloss, der als angestellter Meister bei Philipp Haustechnik für eine gute Arbeitsatmosphäre in seiner Abteilung sorgt. „Ich habe zum Beispiel eine Laufgruppe gegründet. Und manchmal gehen wir gemeinsam nach Feierabend noch ein Bier trinken“, erzählt Kloss, der viele Jahre als Fitnesstrainer gearbeitet hat und weiß, wie man Leute motiviert. Seine persönliche Präsenz auf Instagram nutzt Sascha Kloss dann auch gezielt zur Nachwuchsfindung. „Ich möchte das Gesicht des Dachdeckerhandwerks sein. Mein Motto lautet ‘Gib deinem Job ein Gesicht’.“

Vor diesem Hintergrund ist seine Bewerbung bei Germany’ Power People nicht weiter verwunderlich. „Für mich ist das eine weitere Plattform, um auf den Dachdeckerberuf aufmerksam zu machen. Gewinnen steht für mich nicht an vorderster Stelle“, betont Kloss, der im Ranking von 30 sichtbaren Kandidaten derzeit immerhin auf Platz 13 steht und von sich sagt: „Ich brenne auch nach 31 Jahren noch immer für meinen Beruf.“

Kira Stork ist mit 23 Jahren Schornsteinfegerin

Kira Stork ist eine der jungen Handwerkerinnen, die ihren Hut in den Ring werfen. Die 23-jährige ist seit Februar „fertige“ Schornsteinfegerin, ihr Chef ist Schornsteinfegermeister Christian Schlingmann aus Jöllenbeck, bevollmächtigter Bezirksschornsteinfeger in Versmold, wo daher auch Kira Stork arbeitet. Mit ihrem freundlichen Lächeln und den langen blonden Haaren zur schwarzen Montur fällt sie auf. Überzeugen will die gebürtige Herforderin aber nicht nur durch ihr Aussehen: „Wenn man an diesem Wettbewerb teilnimmt, sollte man seinen Beruf mögen, ehrgeizig sein und sich weiterbilden wollen“, sagt sie. Ein Anliegen der 23-Jährigen ist denn auch, andere junge Menschen und vor allem Frauen für ihren Beruf zu begeistern. Mitbringen müsse man, zählt sie auf, Motivation, Freundlichkeit im Umgang mit Kunden und natürlich Trittsicherheit und Schwindelfreiheit. Schließlich steigt der Schornsteinfeger anderen aufs Dach.

Das hat Kira Stork schon als Kind gerne gemacht – natürlich heimlich und ohne Wissen der Eltern. „Ich fand die Aussicht von oben immer toll.“ Deshalb wollte sie zunächst Dachdeckerin werden. Nach einem Praktikum bei einem Schornsteinfeger stand dann aber fest: „Das ist mein Beruf.“ Und so begann sie nach dem Abitur ihre Ausbildung.

Ein wenig beeinflusst sei sie sicher durch ihren Vater, meint die 23-Jährige: Der, von Beruf Brauer, ist handwerklich sehr geschickt und hat seinen Töchtern einiges mit auf den Weg gegeben. Da ist es kein Wunder, dass sich auch die jüngere Schwester von Kira Stork für einen Beruf im Handwerk entschieden hat: Sie macht eine Elektriker-Ausbildung.

Aufgabe der Schornsteinfeger sei, erklärt die junge Gesellin, die Brand- und Betriebssicherheit von Heizungsanlagen und Kaminen zu gewährleisten. „Gefegt“ wird eigentlich nur acht Wochen im späten Sommer und weitere acht Wochen im Herbst und Winter, erklärt Kira Stork. Dann trägt sie auch ihre schwarze, feste Montur, in der es im Sommer – zumal auf Dachböden – ziemlich warm werden kann, die aber vor Ruß und Verbrennungen schützt. Dass die Menschen sie in der Montur dann gerne einmal anfassen, weil das ja Glück bringen soll, ist sie gewöhnt. Und wer weiß: Vielleicht bringt das ja auch ihr selbst Glück.

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