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Olympia: Bahnrad-Vierer der Frauen fährt erneut Weltrekord

Gold für die Bielefelderin Mieke Kröger -  Glückwünsche aus der Heimat

Izu

Deutschland hat wieder einen Gold-Vierer. Das Bahnrad-Team mit der Bielefelderin Mieke Kröger triumphiert mit Weltrekord in der 4000-Meter-Mannschaftsverfolgung. 

Von Arndt Wienböker sowie Stefan Tabeling und Tom Bachmann (beide dpa)

Deutschlands Bahnrad-Vierer der Frauen fährt in Japan zu Gold.  Franziska Brauße, Lisa Klein, die Bielefelderin Mieke Kröger und Lisa Brennauer (von links) präsentieren ihre Medaillen. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Lisa Brennauer hängte Franziska Brauße ganz vorsichtig das edle Stück Gold um den Hals und zupfte der jungen Kollegin noch schnell die blonden Haare zurecht. Direkt daneben kämpften Lisa Klein und Mieke Kröger hartnäckig mit den Tränen.

„Das ist Gänsehaut"

Da standen die Golden Girls inmitten des riesigen Ovals auf der Highspeed-Bahn von Izu und wussten gar nicht, wie ihnen geschah. „Das ist Gänsehaut, da oben zu stehen. Es ist der Wahnsinn, das müssen wir erst einmal realisieren“, sagte Brennauer, nachdem der Frauen-Express am Dienstag bei den olympischen Bahnrad-Wettbewerben in Izu mit einer schier unglaublichen Weltrekord-Show zu Gold in der Mannschaftsverfolgung gerauscht war.

Drei Rennen, drei Weltrekorde - der deutsche Frauen-Vierer ließ eine alte Erfolgsgeschichte im deutschen Radsport wieder aufleben. Jahrzehntelang galt der Vierer der Männer als Synonym für deutsche Perfektion, nun herrscht Frauen-Power im Team. „Wir haben einen enormen Willen, einen super Zusammenhalt und richtig gute Laune. Das hat es uns hier einfacher gemacht“, betonte Klein.

Mieke Kröger gibt den Feier-Befehl

Als die Hochgeschwindigkeitsfahrt im Finale gegen Großbritannien bei schier unglaublichen 4:04,242 Minuten stoppte, war im deutschen Lager kein Halten. Dabei hatten die Britinnen über viele Jahre diese Distanz beherrscht. Nun wurden sie fast noch eingeholt vom deutschen Vierer, was einer Demütigung gleichkam. Kröger gab sogleich den Feier-Befehl an die Mannschaft: „Wir werden alles mitnehmen, was geht. Wer weiß, wie oft wir noch Olympiasiegerinnen werden.“

Vergessen wollte das Quartett aber nicht Gudrun Stock, die bei WM-Bronze vor 18 Monaten in Berlin noch anstelle von Kröger gefahren war. „Es vergeht kein Tag, an dem wir nicht an sie denken. Sie fehlt uns“, sagte Brennauer. Stock musste ihren Japan-Trip wegen einer Operation absagen.

Leistungsniveau hat sich extrem entwickelt

Es war der erste deutsche Olympia-Triumph im Bahn-Ausdauerbereich der Frauen seit Petra Rossner 1992 in Barcelona. Damit durften die deutschen Bahnradasse bereits das zweite Mal jubeln, nachdem Emma Hinze und Lea Sophie Friedrich am Vortag Silber im Teamsprint gewonnen hatten. „Es hat sich extrem viel getan im Frauen-Radsport. Anfangs wurde alles ein bisschen stiefmütterlich behandelt und die Frauen wurden vor zehn Jahren noch belächelt. Das Leistungsniveau hat sich aber extrem entwickelt“, erklärte Bundestrainer André Korff, der den Aufbau in den letzten acht Jahren mit vorangetrieben hat.

Gold im Vierer der Frauen, wer hätte das vor den Sommerspielen für möglich gehalten? Als die 4000-Meter-Mannschaftsverfolgung bei der WM 2014 erstmals ins Programm genommen wurde, bummelte das deutsche Team mit einer Zeit von 4:43 Minuten um das Oval. Zum Vergleich: Die Britinnen waren damals 20 Sekunden schneller, was im High-Tech-Bahnradsport Ewigkeiten sind. Schon damals war Mieke Kröger mit dabei. Irgendwann hat es aber Klick gemacht. „Unfassbar, welche Schritte wir gemacht haben. Das muss ich erstmal verdauen“, meinte Kröger mit Blick auf den mühsamen Weg an die Spitze.

Clausen gratuliert

Bielefelds Oberbürgermeister Pit Clausen gratulierte der 28-jährigen Mieke Kröger in einem persönlichen Anschreiben: "Liebe Mieke Kröger, das ist eine Sensation. Die herzlichsten Glückwünsche zur Goldmedaille. Wir haben Ihnen hier in Bielefeld die Daumen gedrückt und sind sehr stolz darauf, dass eine Bielefelderin gemeinsam mit ihrem Team Gold für Deutschland in Tokio geholt hat – und das in Weltrekordzeit! Absolut beeindruckend! Wir alle hier schicken Ihnen die herzlichsten Grüße aus Bielefeld! Ich würde mich sehr freuen, wenn ich Sie nach der Olympiade hier in meinem Amtszimmer im Rathaus empfangen darf, um Ihnen dann direkt gratulieren zu können."

Schon bei der WM vor 18 Monaten hatte es in Berlin zu Bronze gereicht. Und in den Tagen vor Tokio war den Golden Girls klar, dass sogar der Weltrekord möglich ist. Das Oval aus sibirischer Kiefer samt den hohen Temperaturen war geradezu ideal für die Rekordjagd der BDR-Fahrerinnen. „Es ist einfach eine Harmonie, das haben wir ganz gut drauf. Wenn es läuft, ist es wie auf Schienen. Man ist so im Fokus, sieht nur das Vorderrad vor sich, macht sich klein und gibt alles“, beschreibt Klein den Geschwindigkeitsrausch.

Männer ohne Medaille

Bei all der deutschen Frauen-Power in Izu können die Männer nicht mithalten. Für die Teamsprinter Timo Bichler (Kaiserslautern), Stefan Bötticher (Chemnitz) und Maximilian Levy (Cottbus) waren die Medaillenläufe wie schon in Rio außer Reichweite, am Ende blieb beim niederländischen Gold-Coup Platz fünf.

Und auch der Männer-Vierer muss weiter seit der Goldfahrt von Sydney vor 21 Jahren auf eine olympische Medaille warten. Fünf Olympiasiege und 16 Weltmeistertitel hatten deutsche Vierer in der Vergangenheit seit 1962 geholt, das gerät allmählich in Vergessenheit. 3:48,861 Minuten bedeuteten aber immerhin deutscher Rekord, was aber nicht zu den Medaillenläufen reichte. Denn die anderen Nationen eilen voraus. Italien um Superstar Filippo Ganna raste zur neuen Fabelzeit von 3:42,307 Minuten und trifft nun am Mittwoch im Finale auf Dänemark.

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