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Senner Teichgelände wird aus EU-Mitteln umstrukturiert – Die Knoblauchkröte steckt dahinter

Große Pläne mit Kampeters Kolk

Bielefeld (WB). Ein kleiner Teich mit großem Entwicklungspotenzial für die heimische Flora und Fauna ist Kampeters Kolk in Senne. Auf Anregung der Biologischen Station Kreis Paderborn-Senne, die das Gewässer beaufsichtigt, soll sein direktes Umfeld unter Artenschutzaspekten mit Hilfe eines EU-Projektes umstrukturiert werden.

Markus Poch

Kampeters Kolk liegt an der Buschkampstraße im Süden des Stadtbezirkes Senne. Über die nahe Grünbrücke am Lohmannsweg ist er für Pflanzen und Tiere jenseits der A33 in den Rieselfeldern Windel erreichbar. Grafik: Christina Büscher (WB), Google Foto:

Kampeters Kolk liegt unscheinbar auf einem städtischen, zwei Hektar großen Wiesengrundstück an der Buschkampstraße und nur 300 Meter südlich der Autobahn 33. Er speist sich aus Grund- und Oberflächenwasser, weshalb der Pegel im Sommer üblicherweise stark zurück geht. Seine Ausdehnung bei einem maximalen Wasserstand von rund einem Meter beträgt 6000 Quadratmeter.

Trittstein in der Agrarsteppe

Laut Frank Ahnfeldt, Biologe und Gebietsbetreuer von der Bio-Station, kommt dem früheren Heideweiher, dessen Ursprung vielleicht 12.000 Jahre alt ist, bei der Ausbreitung seltener Arten eine große Bedeutung zu. Denn Pflanzen und Tiere aus dem nördlich der Autobahn gelegenen Naturschutzgebiet Rieselfelder Windel könnten über die Grünbrücke, die zwischen beiden Biotopen liegt, nach Süden in Richtung der nächsten Biotope entlang der Bekelheider Straße wandern.

Damit wäre Kampeters Kolk das, was Biologen als »Trittstein in der Agrarsteppe« bezeichnen – ein wertvoller Stützpunkt in einem ansonsten zumeist lebensfeindlichen Terrain. »Denn die Autobahn verhindert einen genetischen Austausch komplett«, betont Ahnfeldt. Doch im Senner Süden gibt es die Grünbrücke, und es gibt diesen Teich als erste Anlaufstelle jenseits der A33.

Unter den Kandidaten, die für eine Wanderung in Frage kommen, nehmen die Biologen die in Senne erfolgreich wieder angesiedelte Knoblauchkröte besonders in den Fokus. Wie berichtet, sind seit 2014 gut 8000 Kaulquappen und Jungtiere dieser in NRW vom Aussterben bedrohten Art in den Rieselfeldern ausgesetzt worden. Ihre Vermehrung vor Ort wurde 2019 erstmals nachgewiesen. Dieser Erfolg basiert auf dem EU-Projekt LIFE (L’Instrument Financier pour l’Environnement) »Atlantische Sandlandschaften«, mit dem die Nachzucht der seltenen Amphibien finanziert wurde.

450 Kubikmeter Schlamm entfernt

Aus demselben Topf sollen nun Gelder in die Umgestaltung des Kolkes fließen. Diese Entwicklung ist durch den extrem trockenen Sommer 2018 beschleunigt worden. Denn erstmals seit Menschengedenken trocknete der Tümpel damals komplett aus. Damit wurde die Bio-Station auf einfache Weise das los, was ihr seit Jahren Sorgen gemacht hatte: die amerikanischen Sonnenbarsche. »Das sind schöne, bunte Fische, die einen unbändigen Hunger haben«, erklärt Frank Ahnfeldt. Sie seinen irgendwann dort ausgesetzt worden, hatten sich zu einem großen Bestand vermehrt und alle Wasserlebewesen drastisch reduziert – auch die Knoblauchkröten.

Die Dürre und das kollektive Ableben der eingeschleppten Raubfische motivierten die Bio-Station im Herbst 2018 zum Ausbaggern des Kolks. 450 Kubikmeter Schlamm wurden entfernt. Jetzt kann der Teich mehr Wasser aufnehmen, ist seit Jahren wieder fischfrei und eignet sich damit für die Knoblauchkröte.

Um die Wasserqualität zu verbessern, sollen die Nährstoffeinträge durch das Laub der Ufergehölze verringert werden. »Um den Kolk herum machen wir Tabula rasa«, kündigt Frank Ahnfeldt an. Die zum Teil mehr als zehn Meter hohen Erlen und Weiden werden abgeholzt und stellenweise durch niedrigere Strauchhecken ersetzt, so dass aus Osten mehr Sonne aufs Gelände fällt. Das soll das Wachstum auch von Pflanzenarten begünstigen, die früher mal am Kolk heimisch waren, darunter Knabenkraut, Wollgras und Fieberklee. Ein oder zwei kleinere Nebengewässer sollen angelegt werden. Ahnfeldt hofft, dass die Baumaßnahme nach den letzten klärenden Gesprächen noch im Winter 2019/2020 beginnen kann.

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