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Mangelnder Abstand, zu viele Teilnehmer, Attacken von Linksautonomen: Polizei und Ordnungsamt stoppen Kundgebung

Grundrechte-Demo in Bielefeld aufgelöst

Bielefeld (WB/hz). Polizei und Ordnungsamt haben am Samstagnachmittag in der Bielefelder Innenstadt eine Demonstration der neuen Gruppe “Grundrechte in OWL” mit etwa 150 Teilnehmern aufgelöst. Bei der Kundgebung gegen die Coronavirus-Schutzverordnung und die nach Ansicht der Gruppierung teilweise außer Kraft gesetzten 22 Grundrechte des Grundgesetzes seien dreimal so viele Menschen wie zulässig unterwegs gewesen.

Statt der angemeldeten 40 Teilnehmer versammeln sich um die 150 Menschen aus OWL zur Anti-Corona-Demo vor dem Bielefelder Hauptbahnhof. Der Appell von Demoanmelderin Anastasia Powolozki (stehend auf der Steinbank), dass mehr als zwei Drittel der Demonstranten wieder gehen müssen, verhallt ungehört. Foto: Jens Heinze

Zudem hätten die Demoteilnehmer, die ihrer Überzeugung folgend überwiegend ohne Schutzmasken unterwegs waren, die Sicherheitsabstände nicht eingehalten, hieß es von den Ordnungskräften.

Ursprünglich sollte der Demozug vom Hauptbahnhof quer durch die Innenstadt über die Fußgängerzone Bahnhofstraße bis zur Abschlusskundgebung auf den Kesselbrink führen. Angesichts der vielen Menschen auf der Bahnhofstraße, die vor den Geschäften Schlange standen, setzte die Polizei vor Beginn eine Ausweichroute über die Herforder Straße durch.

Situation drohte zu eskalieren

Zeitweise drohte die Situation beim kurzen, letztlich nur wenige hundert Meter langen Aufzug bis vor die alte Post an der Herforder Straße zu eskalieren. Um die 15 Aktivisten der linksautonomen Szene versuchten immer wieder, die Veranstaltung lautstark zu stören. Es kam zu gegenseitigen Wortgefechten zwischen den beiden Lagern.

Noch bevor sich der Zug am Bahnhof in Bewegung gesetzt hatte, passierte die erste Übergriff. Einem Teilnehmer der “Grundrechte”-Demo wurde offenbar von Linksautonomen das Mobiltelefon entrissen und in einen Gully geworfen.

Polizei und Ordnungsamt, die zunächst nur mit drei Doppelstreifen vor Ort waren, hatten die Lage völlig unterschätzt und forderten Verstärkung von mehr als einem halben Dutzend weiterer Streifenwagenbesatzungen an. Wie Polizei-Einsatzleiter Wolfgang Rupprecht sagte, sei bei Anmeldung der Demo von lediglich 40 Teilnehmern, darunter viele Familien mit Kindern, die Rede gewesen.

150 Demonstranten vor Hauptbahnhof

Vor dem Bielefelder Hauptbahnhof versammelten sich aber um die 150, fast ausschließlich erwachsene Demonstranten aus OWL und Umgebung. Die Ansage von Demo-Anmelderin Anastasia Powolozki aus Bad Salzuflen, dass die Zahl der Teilnehmer auf 50 begrenzt sei, verhallte ungehört. Ungerührt hielten die dicht an dicht stehenden Menschen weiter Schilder und Transparente hoch mit Aufschriften wie “Ich will wieder tanzen gehen”, “Sagt doch endlich was ihr denkt” oder “Eure Zahlen kotzen mich an” und zogen im großen Rudel los.

“Ich bin sehr enttäuscht. Ich war vielleicht zu naiv”, sagte Demo-Anmelderin Anastasia Powolozki nach dem vorzeitigen Abbruch der Demo. “Ganz OWL war unterwegs. Wir wollten friedlich spazieren gehen”, erklärte die Salzuflerin das eigentliche Ziel. Angesichts des aggressiven Auftretens der Linksautonomen “wäre es zu gefährlich geworden, wenn wir weiter gemacht hätten”.

Die Gruppe “Grundrechte in OWL” hat sich beim Kurznachrichtendienst “Telegram” (ähnlich wie WhatsApp) zusammen geschlossen. Aktuell sind es um die 500 Mitglieder, Tendenz steigend. “Wir folgen keiner Ideologie, Partei oder Gesinnung. Wir fordern, dass unsere Grundrechte nicht beschnitten und verletzt werden”, sagte Anastasia Powolozki mit Blick auf die Einschränkungen der Coronavirus-Schutzverordnung. Nach Ansicht der linksautonomen Antifa Westfalen ist die Gruppe “Grundrechte in OWL” ein Zusammenschluss von Verschwörungstheoretikern, Antisemiten und Neo-Nazis.

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