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Nach „Jerusalema Challenge“ im Internet verschickt Musikkonzern Rechnungen

Gute-Laune-Song hat Nachspiel

Bielefeld (WB)

„Mit Musik geht alles besser“ – diesen Titel des deutschen Wirtschaftswunder-Sängers Rudi Schuricke nahmen in den vergangenen Monaten viele Menschen wörtlich und versuchten, mit eben der Musik und ein wenig Tanz die triste Corona-Stimmung etwas aufzuhellen. Dafür bekommen einige von ihnen jetzt eine Rechnung.

Heinz Stelte

Mit dem Team der Radiologie hatte sich das EvKB an der „Jerusalema-Challenge“ im Internet beteiligt, jetzt steht die Klinik in Gesprächen mit dem Musikkonzern Warner Brothers. Foto: EvKB

Feuerwehrmänner und Polizisten, Restaurant-Besucher oder Klinikpersonal tanzten landauf, landab zu eingängiger Musik eines gewissen „Master KG“ aus Südafrika und stellten die selbst produzierten Videos ins Internet. Sie beteiligten sich an der weltweiten „Jerusalema Challenge“, darunter auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Radiologie des Evangelischen Klinikums Bethel (EvKB).

Jetzt werden die Beteiligten der Challenge vom Musikkonzern Warner Brothers zur Kasse gebeten. Dort steht „Master KG“ alias Kgaogelo Moagi unter Vertrag, Komponist des Hits „Jerusalema“.

Das Musiklabel verlangt Lizenzgebühren, denn rein rechtlich muss vor Verwendung eines Musikstücks eine so genannte Sync-Lizenz vom Herausgeber oder dem Songwriter, dem die Komposition gehört, eingeholt werden.

Claudia Schröder, Pressesprecherin des Johanneswerks

Nach Medienberichten soll das NRW-Innenministerium für die Darbietungen diverser Polizeigruppen bereits gezahlt haben. Und auch das EvKB steht nach Auskunft von Pressesprecherin Jutta Seidenberg in Kontakt mit Warner Brothers. „Eine Rechnung haben wir jedoch noch nicht erhalten,“ so Seidenberg. Auch Gäste und Betreiber des Restaurants „Howzit“ an der August-Bebel-Straße hatten im Video zu dem Gute-Laune-Lied getanzt – bislang ohne etwas vom Musikkonzern gehört zu haben, so Mit-Inhaber Max Meis.

Musikkonzern weist Vorwurf der Abzocke zurück

„Wir warten mal ab, ob sich was tut,“ erklärt Dr. Claudia Schröder, Pressesprecherin des Johanneswerks. Die diakonische Einrichtung hatte sich mit dem Simeonstift in Vlotho an der Challenge beteiligt, aber bislang auch noch keinen Kontakt zu Warner Brothers gehabt.

Nun haben die Tanzeinlage der Bielefelder Teams nicht annähernd die virale Aufmerksamkeit erhalten wie beispielsweise der Jerusalem-Tanz der Ärzte und Pfleger der St.-Barbara-Klinik in Hamm mit mehr als sieben Millionen Aufrufen bei Youtube.

Den Vorwurf der skrupellosen Abzocke weist der Musikkonzern Warner Brothers übrigens ausgerechnet mit Hinweis auf die Corona-Pandemie zurück, denn gerade jetzt seien Musiker wie nie zuvor auf Einnahmen für ihre Musik angewiesen.

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