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45-Jähriger will sich hinter Gittern Mobiltelefon organisieren

Häftling versucht JVA-Aufseher zu bestechen

Bielefeld (WB/hz). Weil er sich hinter Gittern in der Justizvollzugsanstalt Brackwede ein illegales Mobiltelefon organisieren wollte, hat ein 45-jähriger Gefangener einen Haftnachschlag kassiert. Amtsrichterin Judith Walter verurteilte den Serienkriminellen wegen Bestechung.

Die JVA Brackwede. Foto: Jens Heinze

Der Mann hatte sich ausgerechnet an einen Justizvollzugsbeamten gewandt und dem Aufseher Geld für das Beschaffen eines Handys geboten.

Der Vollzugsbeamte (36) meldete umgehend die Tat, die sich vor einem Jahr am 26. September 2016 ereignet hatte. In seiner Zeugenaussage vor der Amtsrichterin schilderte der 36-Jährige das Geschehen folgendermaßen. Der Gefangene, ein abgelehnter Asylbewerber aus Georgien, habe sich auf russisch an ihn gewandt und um sein in der JVA-Kleiderkammer eingelagertes Mobiltelefons gebeten.

Auf die Antwort des Aufsehers, dass dafür der Herausgabebeschluss eines Richters notwendig sei, habe der Gefangene verlangt, dass der JVA-Bedienstete stattdessen ein Handy in den geschlossenen Vollzug schmuggeln solle. Der Aufseher würde später dafür bezahlt. »Ich habe das Gespräch sofort abgebrochen und ihm gesagt, dass das bei uns nicht läuft«, schilderte der Vollzugsbeamte seine Reaktion auf den Bestechungsversuch des 45-Jährigen.

Zeitweise 41 Ermittlungsverfahren

Von dieser Schilderung wollte der Angeklagte, ein verurteiltes Mitglied der georgischen Diebesmafia, nichts wissen. Der 45-Jährige wies den Vorwurf, dem JVA-Vollzugsbeamten ein Bestechungsangebot unterbreitet zu haben, vor Gericht strikt zurück. Der Aufseher habe ihn »nicht ganz genau verstanden«. Zudem könne er keinen schriftlichen Antrag auf Herausgabe seines Handys stellen, weil er Analphabet sei.

Das nahmen dem Mann weder Richterin Walter noch die Staatsanwaltschaft ab. Der 45-Jährige, der vor zwei Jahren nach Deutschland geflohen sein will, »um mein Leben zu retten«, ist Justiz und Polizei in Baden-Württemberg, Niedersachsen und NRW als Seriendieb bekannt. Nach WESTFALEN-BLATT-Informationen liefen zeitweise 41 Ermittlungsverfahren gegen den Georgier.

Um seine kriminellen Beutezüge zu verschleiern und immer wieder aufs Neue Asyl zu beantragen, legte sich der Mann verschiedene Alias-Identitäten zu. Wenn seine aktuellen Angaben zutreffen, ist der Angeklagte fünffacher Vater und in Georgien und Deutschland mit zwei Frauen verheiratet.

Angeklagter kündigte Berufung an

Nach zahlreichen Geldstrafen – die erste datiert aus November 2015 – schickte ein Schöffengericht in Herford den 45-Jährigen schließlich für zwei Jahre hinter Gittern. Das Urteil erging am 15. November vergangenen Jahres wegen schweren Bandendiebstahls und gewerbsmäßigen Diebstahls. Tatort war unter anderem Bielefeld, wo der Georgier Parfum und Zigaretten stahl.

In ihrem Urteil wegen Bestechung bezog Amtsrichterin Judith Walter die zweijährige Haftstrafe aus Herford mit ein. Die Richterin entsprach dem Antrag der Staatsanwaltschaft und erkannte auf eine Gesamtfreiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren. Der Angeklagte kündigte an, dagegen Berufung vor dem Landgericht einzulegen.

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