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Verband wählt Beverungen zum Sprecher – Klingenthal Ehrenvorsitzender

Handel: »Weiter so« geht nicht

Bielefeld (WB). Der Handelsverband OWL hat einen neuen Vorsitzenden. Die Delegierten wählten den Paderborner Prof. Johannes Beverungen (53) zum Nachfolger von Ferdinand Klingenthal (66), der zum Ehrenvorsitzenden gekürt wurde. Einig sind sich Beverungen und Klingenthal, dass der Handel mit epochalen Veränderungen zurechtkommen muss.

Bernhard Hertlein

Die Spitze des Einzelhandelsverbandes OWL besichtigt das »Loom« (von rechts): Vorsitzender Prof. Johannes Beverungen, Hauptgeschäftsführer Thomas Kunz, Center-Manager Michael Latz und Ehrenvorsitzender Ferdinand Klingenthal. Foto: Mike-Dennis Müller

Beverungen lehrt – für den Sprecher eines Handelsverbandes ungewöhnlich – in Mannheim an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg. Zugleich ist er Mitinhaber eines Elektronik-Fachmarktes in Paderborn. In seiner gestrigen Eröffnungsrede fand er angesichts des wachsenden Onlinehandels und der Globalisierung klare Worte. »Ein ›Weiter so‹ wird nicht reichen«, sagte er sowohl an die Adresse der Händler als auch der Politik. Gemeinsam müssten Bedingungen geschaffen werden, die den Erhalt lebendiger Innenstädte möglich machten.

Ein funktionierender Handel sei wichtig, um der schleichenden Verschlechterung der Lebensverhältnisse in der City entgegenzuwirken. Konkret forderte Beverungen vor den Delegierten im Bielefelder Rathaus eine rechtssichere Regelung für verkaufsoffene Sonntage. Der Handel brauche die Umsätze. Vier Mal im Jahr reiche aber in OWL im Allgemeinen aus.

Damit die City attraktiv bleibe, müsse sie erreichbar sein, erklärte Beverungen. Dieselfahrverbote, Baustellen und Rückbau von Hauptverkehrsstraßen seien eine Gefahr. Zugleich wandte sich Beverungen allerdings auch dagegen, reflexartig stets mehr Autos und mehr Parkplätze zu fordern. Es brauche einen intelligenten Verkehrsmix sowie Konzepte, die neue Technologien ausnutzen. Als Beispiel nannte er Bildschirmsäulen, die Autofahrer durch die Stadt und zu Parkplätzen lotsen.

Die große Chance für den inhabergeführten Einzelhandel liegt nach Ansicht des neuen Sprechers des OWL-Handels im persönlichen Kontakt zu den Kunden. Die größte Gefahr aber bleibe der Onlinehandel, der in einigen Branchen einen Anteil von 20 bis 25 Prozent erreicht habe. Beverungen: »Das Thema wird uns in den nächsten Jahren begleiten, und es wird oftmals schmerzhaft sein.«

Gastredner des OWL-Handelsverbands war Michael Latz, Chef des Einkaufscenters »Loom« in Bielefeld. Wie zuvor bereits Oberbürgermeister Pit Clausen lobte er die gute Zusammenarbeit mit der Stadt und den anderen Händlern. Angesichts der hohen Investitionssumme von 135 Millionen Euro zeigte sich Latz mit den seit Oktober gezählten acht Millionen Besuchern sehr zufrieden. Die Neubauten der Volksbank und des Modehauses Sinn-Leffers seien ein gutes Zeichen, dass auch andere Investoren die Attraktivität Bielefelds erkannt hätten. Latz zitierte eine Studie der ECE, wonach Kunden für den Lebensmitteleinkauf nicht länger als zehn, für den Friseurbesuch 20 und für den Modeeinkauf schon mal 45 Minuten Anfahrt in Kauf nähmen.

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