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Dornberger würdigen mit Findling und Inschrift das Lebenswerk des Liedermachers

Hannes Wader in Stein gehauen

Bielefeld

„Ich bin überwältigt, ganz toll“: Mit dem kurzen Satz hat Hannes Wader (78) auf eine besondere Ehrung reagiert. Ehemalige Weggefährten des aus Hoberge-Uerentrup stammenden Liedermachers würdigten am Freitag mit dem Enthüllen eines schweren Findlings mit der Inschrift „Hannes Wader Aue“ das bisherige Lebenswerk des Künstlers.

Volker Zeiger

Der in Hoberge-Uerentrup aufgewachsene Hannes Wader erfährt eine besondere Anerkennung durch diesen Findling Foto: Thomas F. Starke

Der Stein, der am Anfang des Wanderwegs namens Apfelbaumallee in der Nähe des Poetenweges einzementiert wurde, gilt als Alternative zur ursprünglichen Absicht, eine Straße oder einen Weg im Ortsteil nach Wader zu benennen, wie Jochen Adler in einer Ansprache vor dem Künstler und gut 40 Zuschauern sagte. Adler gilt - zusammen Jochen Landwehrmann - als treibende Kraft der Ehrung und ließ das Geschehen von der Idee bis zur Verwirklichung Revue passieren.

Wader selbst wies darauf hin, dass er die Ehrung als einen besonderen Höhepunkt in seinem Leben erachte und der Stein wie ein Denkmal auf ihn wirke. „Die Inschrift klingt richtig gut“, sagte er weiter und versprach seinen Zuhörern, es sei ihm eine Ehre, wenn er hier eine Sitzbank aufstellen dürfe. Er schlug zudem vor, dies im kommenden Jahr im Mai zu tun und dann „nachzufeiern“. Das dürfe er gerne, versprach Paul John, noch Bezirksbürgermeister von Dornberg. Er bot für ein kleines Wader-Konzert auch gleich die Deppendorfer Wassermühle als Örtlichkeit an.

Selbstverständlich ließ es sich Liedermacher Hannes Wader nicht nehmen, seine Gitarre auszupacken und zu singen: „Gut wieder hier zu sein“, hieß es, und die umstehenden Dornberger sangen kräftig mit. Schließlich bot Wader „eines der traurig-schönen Lieder“, das noch nie öffentlich gesungen worden sei: „Im schönen Wiesengrunde steht mein Heimathaus, da zog ich manche Stunde ins Tal hinaus.“

Wader ging den Weg, an dem nun der Findling liegt, in seiner Kindheit wirklich: vom elterlichen Wohnhaus am Poetenweg über die Apfelbaumallee hin zur Schule in Hoberge. Genau daran hatten sich Jochen Adler und Jochen Landwehrmann erinnert, als sie auf die Idee gekommen waren, ihren früheren Musikerkollegen auf besondere Art zu würdigen. In der damaligen Jazzszene spielten sie in der Band „Hot Lords Jazzmen“. Wader unterstützte etliche Male mit der Klarinette, erzählte Jochen Adler, der vor vier Jahren die Idee mit der Straßenbenennung nach Hannes Wader den örtlichen Politikern unterbreitet hatte. Fürsprecher war neben anderen Wilhelm Kleinesdar (CDU), der sich dafür in seiner Fraktion in der Bezirksvertretung Dornberg leichten Ärger einhandelte, weil Wader von 1977 bis 1991 der Deutschen Kommunistischen Partei angehörte.

Dennoch setzen sich in Dornberg die Befürworter zur Wegebenennung zugunsten Waders durch. Der Antrag an die Verwaltung wurde gestellt. Allerdings vergingen bis zur Realisierung Jahre, weil die Stadt Bielefeld die Benennung von Straßen und Wegen nach lebenden Personen strikt ablehnt – das WESTFALEN-BLATT berichtete – und die Politiker Alternativen suchten.

Die Lösung kam mit der Idee für einen Findling mit dem Hinweis auf die Hannes Wader Aue. „Das passt alles ausgezeichnet zu Deiner Musik, zu Deinen Texten und zu dieser idyllischen Gegend“, betonte Jochen Adler vor Hannes Wader. Und um den Akt der Enthüllung des Findlings abzurunden, durfte der Liedermacher am Ende der Zeremonie noch einen Apfelbaum pflanzen – gleich am Eingang zur Allee.

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