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Universität, Krankenhäuser und niedergelassene Ärzte versprechen von Anfang an hohen Praxisanteil

Heute beginnt das Medizinstudium in Bielefeld

Bielefeld

Justin Kock ist einer, auf den sie große Hoffnungen setzen in Ostwestfalen. Der 22-Jährige will Arzt werden und hat sich bewusst für ein Medizinstudium an der neugegründeten Medizinfakultät Bielefeld entschieden. Heute starten dort die ersten Vorlesungen.

Von Florentine Dahme

Bei einem Rundgang durch die Uni konnte Student Justin Kock schonmal eine Reanimationspuppe ausprobieren. Foto: Gentsch/dpa

Der neue Studiengang ist aus Sicht der Landesregierung ein wichtiger Baustein, um die Landarzt-Lücke zu schließen.

Laut Gesundheitsministerium ist mehr als die Hälfte der Hausärzte und Hausärztinnen älter als 55 Jahre. Für 2030 prognostizieren die Kassenärztlichen Vereinigungen einen Bedarf von fast 2000 Vollzeit-Hausärzten in NRW. Ein Problem sieht die Landesregierung dabei vor allem bei der Sicherstellung wohnortnaher Hausarztversorgung.

Es mangelt nicht an Interessenten für das neue Studium: Mehr als 22.600 bewarben sich für die ersten 60 Studienplätze. Ab 2025 sollen in Bielefeld 300 Studienplätze zur Verfügung stehen. Der neu konzipierte Studiengang räumt der Allgemeinmedizin einen hohen Stellenwert ein. Früher Patientenkontakt und Praxisnähe sind im Lehrplan verankert, Alleinstellungsmerkmal ist außerdem der Schwerpunkt „Medizin für Menschen mit chronischen Erkrankungen und Behinderungen“ – mit den von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel gibt es am Standort eine lange Tradition mit diesem Themenfeld.

„Bielefeld war mein Erstwunsch“, sagt der aus Oberhausen stammende Justin Kock, als er wenige Tage vor Studienstart erstmals durch die Fakultätsgebäude schlendert. Es riecht neu, Handwerker legen letzte Hand an. „Ich finde es toll, dass ich hier Teil dieses Neubeginns bin. Da kann man davon ausgehen, dass hier erst recht alle hochmotiviert sind, das Beste zu geben“, sagt er.

Ihm gehe es weniger um den Standort seiner Hochschule, vielmehr um das, was das Konzept des Studiengangs verspreche. „Mich reizt vor allem die frühzeitige Praxisnähe“, sagt er. Seine Vita macht klar: Er ist ein Macher, ging nach der zehnten Klasse in den Rettungsdienst. Zuletzt arbeitete er als Arzthelfer und engagierte sich stark im Impfzentrum, holte parallel per Abendschule das Abitur nach – mit einem Ergebnis, das ihm nun seinen Wunschstudienplatz bescherte.

Justin Kock

„Ich komme direkt aus dem Berufsalltag. Wenn ich jetzt bis zum Physikum ausschließlich Theorie pauken müsste – ich weiß nicht, ob ich das dann durchhalten würde.“ Claudia Hornberg, Dekanin der Medizinischen Fakultät OWL, ist überzeugt: „Für eine langfristige gute ärztliche Versorgung können wir keinen anderen Schritt gehen, als Menschen frühzeitig in die Region zu holen, ihnen eine gute klinische Ausbildung in den Krankenhäusern und im niedergelassenen Bereich bieten und dann zu hoffen, dass sie und bleiben.“ Mache die Medizinische Fakultät OWL einen guten Job, werde es sicher gelingen, einige Absolventen in der Region zu halten. Bewusst habe man sich für einen Modellstudiengang mit Patientenkontakt ab dem ersten Semester entschieden.

Claudia Hornberg, Dekanin der Medizinischen Fakultät OWL

Neben der klinischen Ausbildung an mehreren Kliniken in der Region sollen die neuen Studierenden auch Erfahrungen in den Praxen niedergelassener Haus- und Fachärzte bekommen. Mehr als 60 Praxen haben sich schon gemeldet, um eine praktische Ausbildung zu ermöglichen. Sie sehen darin offenbar auch eine Chance, frühzeitig Kontakt mit dem medizinischen Nachwuchs zu knüpfen.

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