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Gemeinde sucht Gespräch mit Politik – Sozialwohnungen neben Gotteshaus möglich

Hicret-Moschee: neue Bauvoranfrage

Bielefeld (WB). Die muslimische Hicret-Gemeinde hat erneut eine Bauvoranfrage bei der Stadt Bielefeld eingereicht, um den Bau einer Moschee auf dem Gelände der früheren Gärtnerei Gilsdorf am Südring/Ecke Windelsbleicher Straße vorzubereiten. »Die Bauvoranfrage ist überarbeitet«, erklärten Muzaffer Arslan vom Vorstand und Gemeindesprecher Selvet Kocabey dem WESTFALEN-BLATT. Sie sei mit dem Bauamt abgestimmt.

Peter Bollig

Seit 30 Jahren ist das frühere Gasthaus an der Windelsbleicher Straße der Sitz der muslimischen Hicret-Gemeinde. Foto: Peter Bollig

Eine erste Bauvoranfrage hatte das Bauamt zurückgewiesen, weil sie unvollständig formuliert gewesen sein soll. Zuvor hatte sich bereits die Brackweder Bezirkspolitik eingeschaltet, per Dringlichkeitsbeschluss eine Veränderungssperre für die Fläche verhängt, um eine ganz andere Planung abzusichern: Die Bezirksvertretung möchte, dass die Stadt das Gilsdorf-Gelände kauft und dort sozialen Wohnungsbau verwirklicht. Die Veränderungssperre sollte die Moschee, die nach bisherigem Baurecht dort wohl zulässig wäre, verhindern, damit keine Fakten geschaffen würden, die einen sozialen Wohnungsbau vereiteln würden.

Sozialbau auch auf dem jetzigen Gemeinde-Gelände

Die Hicret-Gemeinde will diesen Wünschen jetzt entgegenkommen. Moschee und Sozialwohnungen seien dort kein Widerspruch, auf den rund 8000 Quadratmetern Fläche sei beides möglich. Und: Nach dem Bau der Moschee stünden die bisherigen Gemeinde-Räume an der Win­delsbleicher Straße zur Verfügung. Dort könnten auf 1700 Quadratmetern ebenfalls Sozialwohnungen gebaut werden.

Mit diesem Angebot möchte die Hicret-Gemeinde auf die Bezirksvertretung zugehen, nachdem sich der Ton zuletzt verschärft hatte : Selvet Kocabey hatte Brackweder Politikern »Rechtspopulismus« vorgeworfen. Die CDU wies dies zurück, sprach von einer »selbst ernannten Opferrolle«, in die sich die Gemeinde begebe.

Die Stellungnahme habe lediglich die Gefühlslage der Hicret-Gemeinde widergespiegelt, sagen Kocabey und Arslan, »wir wollten niemanden persönlich angreifen«. Die wiederholte Ablehnung von Bauplanungen, so wie an der Olper Straße und am Gleisdreieck, sei in der Gemeinde schwer zu verstehen. »Wir erfahren viel Ablehnung und Skepsis«, sagt Muzaffer Arslan. Seit gut drei Jahren seien sie auf der Suche nach einem neuen Standort, weil das alte Gebäude marode und zu klein sei für die ehrenamtliche Arbeit mit Jugendlichen und anderen Gruppen. »Die Situation ist belastend«, sagt Arslan – sowohl in finanzieller Hinsicht, weil Architekten und Anwalt bezahlt werden müssten, als auch mit Blick auf die Stimmung in der Gemeinde.

Haus an der Olper Straße steht zum Verkauf

Er und Selvet Kocabey räumen ein, dass die Kommunikation mit der Bezirksvertretung »nicht immer einwandfrei« verlaufen sei. Man hoffe, die Pläne bald vorstellen zu können, von der Bezirksvertretung zu Gesprächen eingeladen zu werden, um auf dem Gilsdorf-Gelände eine Mosche hinzubekommen, die akzeptiert würde. Muzaffer Arslan betont, dass sich die Hicret-Gemeinde nicht erst neu ansiedeln, sondern nur umziehen wolle: »Wir sind ja schon hier«, und zwar seit 1983 – zunächst in Räumen an der Hauptstraße und seit 30 Jahren an der Windelsbleicher Straße. Etwa 200 Mitglieder zählt die Hicret-Gemeinde derzeit, von denen die meisten deutsche Staatsangehörige seien.

Die frühere Bethel-Werkstatt an der Olper Straße, die der Moschee-Verband EMUG für die Hicret-Gemeinde gekauft hatte, um eine Moschee zu verwirklichen, soll jetzt verkauft werden. Auch dieses Projekt war nicht genehmigt worden.

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