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Bielefelder Unternehmen Plasmid-Factory will Produktion erweitern

Hier wird die Basis für den Corona-Impfstoff hergestellt

Bielefeld

Ein Bielefelder Unternehmen ist maßgeblich an der weltweiten Herstellung der Corona-Impfstoffe beteiligt. Jetzt hat das Land NRW eine Millionen-Förderung in Aussicht gestellt.

Christian Althoff

Blick in ein Labor der Plasmid-Factory, die Dr. Martin Schleef (r.) gegründet hat. Foto: Plasmid-Factory

Bis Mittwoch haben laut Robert-Koch-Institut 1.324.091 Menschen in Deutschland eine Corona-Impfung bekommen – 1,6 Prozent der Bevölkerung. Die Zahlen wären deutlich höher, wenn es mehr Impfstoff gäbe. Nordrhein-Westfalen will deshalb die Ausweitung der Produktion fördern.

Am Freitag stellte NRW-Wirtschaftsminister An­dreas Pinkwart (FDP) dem Bielefelder Unternehmen Plasmid-Factory 4,1 Millionen Euro für den Bau einer weiteren Produktionsstätte in Aussicht. „Wenn alles wie geplant läuft, könnte die Anlage in neun Monaten stehen“, sagt Geschäftsführer Dr. Martin Schleef. Sein Unternehmen produziert sogenannte Plasmide, die der wesentliche Grundstoff für die Herstellung bestimmter Impfstoffe sind.

Vor 20 Jahren hat der Biologe an der Meisenstraße in Bielefeld die Plasmid-Factory gegründet. Heute stellt er mit 27 Chemikern, Biologen, Ingenieuren, technischen Assistenten und weiteren Mitarbeitern nach einem selbst entwickelten Verfahren Plasmide für Kunden in zahlreichen Ländern her. Die Plasmid-Factory GmbH & Co. KG ist nach eigenen Angaben der weltweit führende Auftragsproduzent für Plasmide. Benötigt werden sie zum Beispiel in der Krebsforschung, aber eben auch zur Impfstoff-Herstellung. Minister Pinkwart nannte die Arbeit des Bielefelder Unternehmens „eine Erfolgsgeschichte“.

Die Mengen, die dort hergestellt werden, sind im Vergleich zu dem, was sonst in Industrieunternehmen produziert wird, verschwindend gering. „Früher haben wir im Mikrogrammbereich hergestellt. Inzwischen bestellen unsere Kunden im Gramm-Bereich, und wir brauchen Monate, um so eine Menge liefern zu können“, sagt Martin Schleef.

Plasmide sind ringförmige DNA-Stücke, die in Bakterien eingebracht werden können, aber mit der DNA der Bakterie nicht identisch oder verbunden sind. Sie werden in den Bakterien vervielfältigt und dienen aufbereitet als Ausgangsmaterial zum Beispiel für mRNA-Impfstoffe. Das Bielefelder Unternehmen stellt in einem komplexen Verfahren Plasmide in hoher Reinheit her. Sie werden dann in einer Flüssigkeit gelöst und in Kunststoffflaschen tiefgekühlt. So wird der Rohstoff, ohne den bei der Impfstoff-Herstellung nichts geht, an die Kunden verschickt.

Wie viele Impfdosen sich aus einem Gramm Plasmide herstellen lassen, weiß der Geschäftsführer nicht. „Natürlich würde mich diese Zahl als Biologe auch interessieren, aber die Impfhersteller haben unterschiedliche Herstellungsverfahren und schweigen zu der Zahl. Die ist ihr Betriebsgeheimnis.“

Seit März arbeite sein Unternehmen „mit Vollgas“ für die Impfstoff-Produzenten und habe andere Projekte zurückgestellt, sagt Dr. Schleef. Kundennamen dürfe er nicht nennen, aber fast alle großen Impfstoff-Hersteller bestellten Plasmide in Bielefeld. „Und die Mengen, die bisher geordert wurden, haben wir geliefert.“

Der Bedarf an Plasmiden ist gewaltig, und er wird weiter zunehmen. „Deshalb kommen wir mit der Herstellungskapazität an unsere Grenze“, sagt der Biologe. Eine neue Fabrik müsse her, aber die Fertigstellung eines Baus aus Stahl, Stein oder Beton dauere einfach zu lange, sagt Schleef. „Die Zeit haben wir nicht.“ Auf dem Papier gibt es die neue Produktionsstätte bereits. „Sie besteht aus speziellen Containermodulen, die vorgefertigt geliefert werden, was eine sehr schnelle Realisierung ermöglicht.“ Auch ein Grundstück an der Meisenstraße hat der Biologe schon gefunden. Er ist optimistisch: „Wenn alle an einem Strang ziehen, produzieren wir dort im Herbst noch mehr Plasmide.“

Die neue Produktionsstätte soll nicht nur die aktuelle Nachfrage befriedigen. Experten befürchten, dass es nach Corona weitere Pandemien geben wird.

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