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Am Haller Weg ist die Wahlbeteiligung meist am höchsten

Hier wohnen die fleißigsten Wähler

Bielefeld (WB). Gute Gegend – hohe Wahlbeteiligung, Problemviertel – niedrige Wahlbeteiligung. Das gilt als Binsenweisheit. Und leider: Es bestätigt sich auch, wenn man auf die Wahlergebnisse in einzelnen Bielefelder Stimmbezirken schaut.

Michael Schläger

Am 13. September ist Kommunalwahl. Entschieden wird, wer Oberbürgermeister werden soll (gelber Stimmzettel), wie sich der Rat zusammensetzt (grün) und wer das Sagen in den Stadtbezirken hat (rot). Bielefelder mit Migrationshintergrund wählen den Integrationsrat (grau). Foto: Thomas F. Starke

Am 13. September ist Kommunalwahl . Da interessiert es die Parteien und Wählergemeinschaften natürlich, wo sie die besten Chancen haben und wo die meisten Menschen zu den Wahlurnen gehen.

Oft ganz vorn

Wo leben sie nun, Bielefelds fleißigste Wähler? Sie sind oberhalb des Haller Weges zu Hause, im Stimmbezirk 13.1, zwischen Heinrich-Kraak-Straße und Kneippweg. Bei der Europawahl im Mai 2019 gingen dort 59,59 Prozent der 1131 Wahlberechtigten zur Stimmabgabe. Das hört sich erst einmal nicht viel an. Aber so viele waren es sonst in keinem anderen Wahllokal.

Platz 1 in Sachen Wahlbeteiligung belegten die Wahlberechtigten in dem Gadderbaumer Quartier auch bei der Bundestagswahl im September 2017. Nur bei der Kommunalwahl vor sechs Jahren mussten sie sich mit Rang zwei zufrieden geben. Da waren die Wählerinen und Wähler im Stimmbezirk 19.7 rund um die Spandauer Allee im Stadtbezirk Dornberg fleißiger.

Ortswechsel. Baumheide im Nordosten von Bielefeld gilt als Problemviertel. 70er-Jahre-Mehrfamilienhaus-Architektur. Eine Bevölkerung mit hohen Migrantenanteilen. Dort liegt auch der Stimmbezirk, der bei der Europawahl im vergangenen Jahr und auch bei vorausgegangenen Wahlgängen am wenigsten aufgesucht wurde. Amtliche Bezeichnung: 24.3. Es handelt sich um das Viertel nördlich der Donauschwabenstraße und ist durchschnitten von der Stadtbahnlinie 2.

Bei der Europawahl gaben dort nur 25,9 Prozent der Wählerinnen und Wähler ihre Stimme ab. Minus-Rekord in Bielefeld. Bei der Kommunalwahl 2014 waren es sogar nur 15,3 Prozent. Auch auf den Gesamtwahlbezirk bezogen, der einem Ratswahlkreis entspricht und in fünf Stimmbezirke eingeteilt ist, war dort die Wahlbeteiligung am geringsten.

Europawahl als Stimmungsbild

Die Europawahl 2019 war das letzte gesamtstädtische Stimmungsbild. Damals wurden die Grünen mit 28,15 Prozent stärkste politische Kraft. Doch ob das Resultat auch auf die Kommunalwahl übertragen werden kann, ist fraglich. Allerdings lässt das Ergebnis vom Mai 2019 dennoch Rückschlüsse auf die Hochburgen der einzelnen Parteien zu.

Auch da gibt es Unterschiede zwischen den Viel- und den Wenigwählern. Im Stimmbezirk 24.3 erzielte die AfD mit 21,43 Prozent ihr mit Abstand bestes Ergebnis bei der Europawahl. Ist das Quartier im nördlichen Baumheide deshalb eine Hochburg der Rechtspopulisten? In absoluten Zahlen hatte die AfD dort nur 48 Stimmen. Wahlberechtigt sind in dem Sprengel aber 892 Männer und Frauen. Gemessen an dieser absoluten Zahl liegt der AfD-Anteil bei 5,38 Prozent. Es lohnt sich also genau hinzuschauen.

Im Vielwähler-Stimmbezirk 13.1 deklassierten die Grünen bei der Europawahl mit 39,8 Prozent CDU (18,93 Prozent) und SPD (15,35 Prozent). Dass die Grünen fast schon absolute Mehrheit können, zeigten sie in einem anderen Gadderbaumer Stimmbezirk. Im Wahllokal 13.7 (Friedrich-von-Bodelschwingh-Schulen) machten 49,5 Prozent der Wahlberechtigten ihr Kreuzchen bei den Grünen.

Die Hochburgen

Müssen SPD und CDU nun in Sack und Asche gehen? Der Langfrist-Trend zeigt, dass die Sozialdemokraten traditionell in den Innenstadtbezirken stark sind. Eine Ausnahme bildet der Wahlbezirk 8 (Siegfriedplatz). Den holten die Grünen auch bei der Kommunalwahl 2014 schon direkt. Genauso wie das Mandat im Stadtbezirk Gadderbaum.

Die CDU kann in Außenbezirken punkten, vor allem in Milse, Altenhagen, in der Senne, aber auch in Sieker. Die Linke ist dagegen ebenfalls in den Innenstadtbezirken stark, schaffte 2014 im Wahlbezirk 7 (Nordpark) mit 14,5 Prozent ihr bisher bestes Ergebnis. Dort wiederum schloss die FDP mit 1,5 Prozent am schlechtesten ab. Ihre Hochburg ist traditionell Dornberg.

Die BfB erlebte 2014 ein Hoch – mit konstanten Ergebnissen in fast allen Wahlbezirken und einer Bestmarke von 11,66 Prozent in Heepen. Bürgernähe und Piraten überzeugten – auf geringem Niveau – am meisten in der Innenstadt. Einen Überraschungserfolg erzielte die Satirepartei „Die Partei“ 2019 bei der Europawahl, kam auf 3,52 Prozent. Bei der Kommunalwahl ohne Prozentklausel wären das wohl drei Mandate, sollte sie an dieses Ergebnis anknüpfen.

Am 13. September können die 255.566 Wahlberechtigte zwischen 13 Parteien und Wählergemeinschaften sowie zwischen zwölf OB-Bewerbern wählen. Hoffentlich gehen sie auch zur Wahl. Bei der Kommunalwahl 2014 machten nur 51 Prozent vom ihrem Wahlrecht Gebrauch.

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