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Ulrich Gaesing aus Theesen erhält das Bundesverdienstkreuz am Bande

Hilfe für Menschen und Weltklima

Bielefeld (WB/kw). „Ich bin sehr froh, dass ich der erste in meiner Familie bin, der einen Orden bekommt, weil er sich für den Frieden eingesetzt hat.“

Ausgezeichnet: Oberbürgermeister Pit Clausen (rechts) überreicht Ulrich Gaesing das Bundesverdienstkreuz. Foto: Kerstin Sewöster

Die Freude ist ehrlich und ihm deutlich anzusehen, als Ulrich Gaesing am Freitag das Verdienstkreuz am Band des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland von Oberbürgermeister Pit Clausen überreicht bekam – „die höchste Anerkennung, die unser Staat für Verdienste um das öffentliche Gemeinwohl ausspricht“, wie Clausen betonte. Gaesings Freude über die Auszeichnung ist groß: „Ich bin sehr glücklich, dass ich in einem Staat lebe, der so etwas honoriert.“

Ulrich Gaesing hat sich in vielerlei Hinsicht verdient gemacht – für Bielefeld, aber auch vor allem für die Partnerstadt Esteli in Nicaragua. Zweimal war er dort. Beim ersten Besuch Anfang der 80er Jahre geriet er in einen Schusswechsel. „Noch nie in meinem Leben haben mich wenige Stunden so sehr verändert“, erinnerte sich Gaesing.

„Sie waren die Lokomotive“

Die Angst verblasste, es blieb eine enge Verbindung zu den nicaraguanischen Freunden. Beruflich war der Vermessungsingenieur bei der Stadtverwaltung im Amt für Geoinformation und Kataster beschäftigt. Ehrenamtlich organisierte er seit 1993 das jährlich stattfindende „Internationale Halltenturnier um den Wanderpokal des Oberbürgermeisters“. „Sie waren die Lokomotive“ lobte Pit Clausen und hob hervor, dass dabei allein für Esteli 100.000 Euro zusammen kamen.

Gaesing genügte das nicht. Vor fünf Jahren brach er ein zweites Mal nach Nicaragua auf, hatte diesmal Vermessungsgeräte im Gepäck. Seinen gesamten Jahresurlaub brachte er auf, um in Esteli Kaffee-Anbauflächen zum Zweck der Bio-Zertifizierung zu vermessen. Die Reisekosten bestritt er selbst, gewohnt hat er mit den Kleinbauern in den Bretterhütten. Ohne seine Unterstützung hätten sich die Bauern die Zertifizierung nicht leisten können.

Kaffeeverkauf im Hausflur

Seine Vermessungsgeräte hat er der Universität Esteli überlassen. Seine Eindrücke aus den beiden Reisen hat Ulrich Gaesing in einem Buch niedergeschrieben. „Ihre Hilfe beeindruckt mich maßlos, weil sie so nachhaltig wirkt, und so unbürokratisch war“, lobte der Oberbürgermeister während der Verleihung im Alten Rathaus.

Für Gaesing war die Aktion indes mehr als eine rein humane Hilfe, sondern auch ein Beitrag zum Klimaschutz. „Der Wert des Bodens mit Bäumen muss mehr wert sein, als der eines Bodens mit abgeholzten Bäumen“, sagte der dreifache Familienvater, der in Theesen bezeichnenderweise an der Estelistraße wohnt. Kaffee ist als Schattenpflanze daher für ihn die ideale Kulturpflanze. Für den Genuss von Bio-Kaffee aus Esteli setzt er sich weiter ein: In der Vorweihnachtszeit hat er den Bio-Kaffee in seinem Hausflur verkauft.

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