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Nach Attacken auf Schafe appellieren Naturschützer an die Vernunft der Hundehalter

»Hunde an die Leine!«

Bielefeld (WB). Nach zweimaligen Hundeattacken auf Bielefelder Schafherden in der vergangenen Woche appellieren Vertreter der Stadt Bielefeld und der Schäferei Bethel an Hundehalter, die Leinenpflicht zu befolgen.

Uta Jostwerner

Ranger Aaron Gellern (von links) mit Hündin Mira, Schäfer Andreas Eisenbarth und Forstwirt Jörg Ermshausen erklären, weshalb Hunde in Naturschutzgebieten wie dem Behrendsgrund an die Leine gehören. Foto: Uta Jostwerner

Der erste Vorfall ereignete sich am Flugplatz Windelsbleiche. Dort war ein Husky bei der morgendlichen Gassirunde über den Elektrozaun gesprungen und hatte eines der dort weidenden Coburger Fuchsschafe skalpiert. Bereits am darauffolgenden Tag drang ein Cane Corso im Naturschutzgebiet Behrendsgrund ins Gehege der dort weidenden Schafe ein und verbiss sich im Kopf des Tieres.

Cane Corso sei eine Hunderasse, für die Auflagen gelten. Die Hundehalterin riet mir dringend, nicht dazwischen zu gehen«, berichtet Schäfer Andreas Eisenbarth. Erst dem herbeigerufenen Hundehalter gelang es, den Cane Corso aus dem Schafsgehege zu entfernen. Beide Schafe waren bei dem Angriff schwer verletzt worden und mussten per Gnadenschuss von ihren Qualen erlöst werden. »Der Rest der Herde hat den ganzen Tag in einer Ecke gestanden und gezittert«, berichtet der Schäfer.

Bethel beweidet seit fast 25 Jahren verschiedene Flächen

»In der Nähe von Schafherden sollten nicht nur Kampfhunde, sondern alle Hunde an der Leine geführt werden. Denn selbst wenn die Hunde die Schafe nur scheuchen, kann großer Schaden entstehen. Ein ausbrechendes Schaf kann auf die Straße laufen. Direkt hinter dem Behrendsgrund verläuft die Autobahn«, verdeutlicht Förster Jörg Ermshausen, Leiter der Forstverwaltung der von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel.

Die Stiftungen Bethel beweiden seit fast 25 Jahren verschiedene Flächen auf Bielefelder Stadtgebiet. Sie befinden sich am Ubbedisser Berg, im Behrendsgrund, auf dem Flugplatz Windelsbleiche, am Südkamp und im Markengrund und umfassen insgesamt 180 Hektar.

»Die Beweidung dient dem Naturschutz und der Landschaftspflege. Auf den Sandmagerböden gedeihen Arten, die vom Aussterben bedroht sind. Dort wächst Heide, dort leben Wildbienen, Feldgrillen und Zauneidchsen«, erklärt Dietmar Althaus vom Umweltamt der Stadt. Ohne die Schafe würden die Flächen in kürzester Zeit von Büschen überwuchert und die ursprüngliche Vegetation verdrängt werden.

»Coburger sind eine alte Landschaftsrasse.«

670 Coburger Fuchsschafe übernehmen während der Vegetationszeit von Frühling bis Herbst quasi das Mähen. »Coburger sind eine alte Landschaftsrasse, die schon mal vom Aussterben bedroht war. Sie sind sehr genügsam und die einzige Rasse, die mit den Magerböden zurechtkommt. Andere Schafe würden hier verhungern«, sagt Schäfer Andreas Eisenbarth.

Der Behrendsgrund ist somit Naturschutzgebiet. Eigens aufgestellte Schilder weisen darauf hin. Der Trampelpfad, der an der Beweidungsfläche entlang führt, dürfte eigentlich gar nicht betreten oder befahren werden. Doch daran halten sich viele nicht. Althaus: »In Bielefeld gibt es 12.000 angemeldete Hunde. Die Dunkelziffer ist wahrscheinlich größer. Entsprechend stark frequentiert sind die Naturflächen.«

Aaron Gellern spricht von »Besucherdruck«. Er ist der erste Ranger im Regionalforstamt OWL, der zur Hälfte von der Stadt Bielefeld und zur Hälfte von den 300 Privatwaldbesitzern in Bielefeld bezahlt wird. Seine Aufgabe besteht darin, im Teutoburger Wald für Ordnung zu sorgen und für Verständnis zu werben. Ausgestattet mit den Rechten eines Polizeibeamten, kann er Ordnungs- und Verwarngelder erheben, etwa für Autofahren auf Waldwegen oder Grillen im Wald.

Gellern ist zuständig für 6000 Hektar Bielefelder Wald. Das entspricht einer Fläche von 6000 Fußballfeldern. »Die Mehrzahl der Hunde ist nicht angeleint«, weiß er von seinen Inspektionsrunden. »Ich spreche die Leute dann an und sorge in erster Linie für Aufklärung«, erklärt der Ranger.

Das tut auch Schäfer Andreas Eisenbart. »Die meisten Leute sind freundlich und reagieren mit Verständnis. Doch insgesamt wird der Ton rauer. Manche Menschen sind unbelehrbar«, sagt Eisenbart.

Ob die aktuellen Hundeattacken für die Hundehalter rechtliche Konsequenzen haben werden, steht noch nicht fest. Althaus: »Wir werden Gespräche mit beiden führen und dann entscheiden.« In jedem Fall aber werden sie bei der Schäferei Bethel den entstandenen Schaden ersetzen müssen: pro Schaf 150 Euro.

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