1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Bielefeld
  6. >
  7. ICE-Surfer: Anzeige wegen Ordnungswidrigkeit

  8. >

Waghalsiges Manöver endet für 59-Jährigen glücklich im Löhner Bahnhof

ICE-Surfer: Anzeige wegen Ordnungswidrigkeit

Bielefeld/Löhne (WB). Seinen unfassbaren Leichtsinn an einem Bahnsteig im Bielefelder Hauptbahnhof hat ein Rumäne am Mittwoch wie durch ein Wunder unverletzt überstanden.

Dietmar Kemper

Ein ICE fährt durch den Löhner Bahnhof. Sich an einem ICE festzuhalten, ist nicht nur lebensgefährlich, sondern auch fast unmöglich, weil die Trittstufen vor der Abfahrt jedes Mal eingefahren werden. Foto: Rajkumar Mukherjee

Nachdem sich die Türen des ICE bereits geschlossen hatten, klammerte sich der 59-Jährige wie berichtet von außen an den Schnellzug. »Sein Verhalten war extrem gefährlich, er hat viel Glück gehabt«, sagte der Sprecher der Bundespolizei in Hannover, Martin Ackert. Der Mann sei in Panik geraten, weil er nicht ohne seine Koffer reisen wollte. Das Gepäck hatte er nach eigenen Worten bereits in den ICE gestellt, sich dann aber noch einmal nach draußen begeben.

Zug mit 160 Kilometern pro Stunde unterwegs

Der ICE wollte um 6.40 Uhr weiter über Hannover nach Berlin fahren. »Dass der 59-Jährige noch lebt, hat er wohl Bahnbediensteten zu verdanken, die ihn bei der Ausfahrt aus dem Bahnhof Bielefeld entdeckten und dann umgehend das Zugpersonal verständigten«, berichtete der Sprecher der Bundespolizei. Dem Fahrdienstleiter war demnach der Mann aufgefallen.

Der ICE stoppte 24 Kilometer weiter im Löhner Bahnhof. Dort holten Mitarbeiter der Bahn den ungewöhnlichen Fahrgast ins Innere des Zuges. Der ICE hatte zwischenzeitlich eine Geschwindigkeit von bis zu 160 Kilometer pro Stunde erreicht. Trotz des Tempos und der enormen Fliehkräfte, die auf den Mann einwirkten, stürzte er nicht ab.

In Hannover holten Bundespolizisten den Mann ab und brachten ihn auf die Wache. Er sei nicht betrunken gewesen, sagte Martin Ackert. Eine Verständigung mit dem Mann, der eine Fahrkarte besaß, allein unterwegs war und nach Hannover wollte, sei nicht möglich gewesen, weil er weder Deutsch noch Englisch gesprochen habe.

Kein ähnlicher Fall in NRW bekannt

Nachdem die Polizisten eine Anzeige wegen einer geringfügigen Ordnungswidrigkeit geschrieben hatten, konnte er seine Reise fortsetzen. »Vielleicht war ihm nicht bewusst, dass ICEs hohe Geschwindigkeiten erreichen und nur selten halten«, versuchte sich Martin Ackert an einer Erklärung für das merkwürdige Verhalten.

Ein ICE kann mehr als 200 Kilometer schnell fahren und hält im Schnitt nur alle 70 bis 75 Kilometer. Die Bundespolizeiinspektion Münster konnte sich am Donnerstag nicht an einen ähnlichen Fall in Nordrhein-Westfalen erinnern. Genauso wenig wie der Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis: Dass es jemand schaffen könne, außen zwischen zwei ICE-Waggons mitzufahren, habe er bislang für undenkbar gehalten, sagte er.

Es komme zwar hin und wieder vor, dass jemand versuche, auf einem Puffer, einem Trittbrett oder einer Trittstufe außen mitzufahren, berichtete Meyer-Lovis. Das sei aber fast ausschließlich bei älteren Zügen der Fall.

Ackert erinnerte sich an den Fall eines »Schwarztrittbrettfahrers« aus Holland, der vor ein paar Jahren im Winter auf einem Trittbrett außen an der Lok des Nachtzugs Berlin-Amsterdam saß. Weil eine Zugbegleiterin ihn entdeckte, hielt der Zug nach halbstündiger Fahrt an. Der Niederländer hatte kein Geld für das Ticket gehabt.

Startseite