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Bielefelder Ortshistoriker Hans Schumacher präsentiert erstmals Medaille des Sternflugs von 1936

„Ich sehe uns als Olympia-Ort“

Bielefeld (WB). 150 Flieger starteten zum ersten Olympia-Sternflug während der Spiele 1936. Ein sportliches Großereignis in Berlin, das auch Bielefeld-Senne berührte. Mehr als die Hälfte der Piloten machten Station auf dem Flugplatz Windelsbleiche.„Die Welt hat ein bisschen auf Senne geguckt. Ich sehe uns als Olympia-Ort“, meint Ortshistoriker Hans Schumacher.

Kerstin Sewöster

Viele Jahre hat Hans Schumacher darauf gewartet, eine Medaille zu bekommen, die an die Olympiade 1936 erinnert. Senne war für vier Flieger Startort und Ziel für Zwischenstopps beim ersten Olympia-Sternflug, der zugleich auch der letzte war. Foto: Bernhard Pierel

Der 83-Jährige ist besonders stolz, dass er jetzt ein wichtiges Dokument dieser Zeit erwerben konnte: Eine von 150 Medaillen, die damals an die Teilnehmer herausgegeben wurden. Erstmals kann sie jetzt im Museum Osthusschule in Augenschein genommen werden, wo Schumacher eine kleine Ausstellung zum 90. Geburtstags des Flugplatzes zusammengestellt hat.

„Ich war sehr lange hinter dieser Medaille her“

„Ich war sehr lange hinter dieser Medaille her, sie ist selten, schwierig zu bekommen und teuer“, blickt Schumacher auf die vergangenen Jahre zurück. Als Sammler nimmt er regelmäßig als Fernbieter an Auktionen in ganz Deutschland teil und ging immer leer aus – bis er im vergangenen Jahr für 600 Euro das Bronzestück aus der Sammlung eines Leipzigers erwerben konnte.

Die Medaille mit einem Durchmesser von gut sechs Zentimetern zeigt auf der einen Seite einen fliegenden Reichsadler, auf der anderen Seite das Logo de XI. Olympiade: die Berliner Olympia-Glocke mit der Aufschrift „Ich rufe die Jugend der Welt“. Der internationale Sternflug führte die Teilnehmer nach Berlin, wo die Meisterschaften ausgetragen wurden. Ihre Startflugplätze konnten sie selbst wählen, wobei es darauf ankam, schon beim zweitägigen Hinflug eine hohe Punktzahl zu erzielen. Dazu trugen die Zahl der angeflogenen Flugplätze, aber auch die zurückgelegten Kilometer bei. Bielefeld gehörte zu den 80 besonders hoch bewerteten Flugplätzen, wie Schumacher weiß.

Zum Ende der Olympiade Touristikflug von Berlin nach Bielefeld

Der Startschuss fiel am 28. August 1936 um 12 Uhr. Im Abstand von zwei Minuten starteten vier Teilnehmer in Senne. In den folgenden Stunden legten 13 Piloten, darunter auch eine Pilotin, einen Zwischenstopp in Senne ein, nur zwei nutzten das Fliegerheim zur Übernachtung. Am nächsten Tag flogen 66 Sternflugteilnehmer die Gemeinde am Teuto an.

Das war aber noch nicht alles. Weil die ausländischen Teilnehmer des Sternflug auch die touristischen Reize Deutschland kennenlernen sollten, wurden zum Ende der Olympiade fünf so genannte Touristikflüge angeboten, einer davon führte von Berlin nach Bielefeld. Die Flieger wurden vom damaligen Oberbürgermeister Budde im Rittersaal empfangen und schauten sich Hermannsdenkmal und Donoper Teiche an.

Erinnerung an die Geschichte zum 90. Geburtstag des Flugplatzes

Dokumentiert hat die Geschehnisse Hans Schumacher in seinem Buch „Flugplatz Bielefeld 1930 – 2010“, das er zum 80. Geburtstag des Flugplatzes veröffentlichte. Die Auflage von 300 Stück war ruckzuck vergriffen. Jetzt, zum 90. Jahrestag des Flugplatzes, erinnert er einmal mehr an die Geschichte. In einer Vitrine im Eingangsbereich des Museums Osthusschule hat er verschiedene Exponate zusammengetragen wie weitere Medaillen von anderen Ereignissen wie dem Rheinland-Westfalen, ein kleines Holzmodell des Hochleistungs-Segelflugzeugs Weihe 50. Fehlen darf natürlich auch nicht die Erinnerung an die Zeppelin-Landung zur Flugplatz-Eröffnung am 31. August 1930. Es gibt noch eine original Eintrittskarte auf das Flugplatzgelände, Fotos und sogar die überdimensionierte Fahne, die die Besatzung und die 36 Passagiere signiert aus dem Zeppelin geworfen haben.

Verblasst, aber noch deutlich zu lesen sind darauf die Unterschriften, darunter von bekannten Unternehmern wie Gustav Windel, Paul Schwarze und zum Beispiel Wilhelm Eilers. Die Fahrt mit dem Zeppelin war nicht billig. „Eine Frau Elisabeth Kuhlmann hat dafür 240 Mark bezahlt“, weiß Hans Schumacher.

Das Museum Osthusschule ist wieder geöffnet und kann immer dienstags in der Zeit von 15 bis 19 Uhr besucht werden.

www.museum-osthusschule.de

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