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Bielefelder Lastenfahrrad Bisela und Kultur in der alten Post – Stadtteilmanagement in Sennestadt trägt erste Früchte

Identifikation mit dem Bezirk ist groß

Bielefeld

Sie verstehen sich als Schnittstelle zwischen Bürgern, Einzelhändlern, Hauseigentümern und Stadtverwaltung. Seit August sind die beiden City- und Stadtteilmanager Stefanie Strunk und Alexander Bethke im Einsatz, haben regelmäßige Sprechstunden im Stadtteilbüro am Reichowplatz. Mitte nächsten Jahres ziehen sie um in den Pavillon am Sennestadtring, der gerade saniert wird. Stefanie Strunk und Anne Kraft, Projektleiterin des beauftragten Planungsbüros Stadt + Handel, ziehen zum Jahresende eine erste Bilanz und wagen vorsichtige Prognosen für das Jahr 2021. Denn eines ist klar: Corona wirkt sich auch auf die Stadtentwicklung aus.

Kerstin Sewöster

Das Zentrum Sennestadts mit dem Sennestadthaus und dem Teich. Foto: Thomas F. Starke

Die Arbeit der Citymanager ist vorerst auf zwei Jahre beschränkt und Teil des Stadtentwicklungsprogramms INSEK, an dem Sennestadt bereits in der zweiten Runde teilnehmen kann. Um Impulse für die Stadtentwicklung zu setzen, wurden Vorgespräche geführt, Expertenteams aufgestellt, die im Sennestadt-Dialog (eine Weiterführung der Stadtteilkonferenz) ausloten sollen, welche Bedürfnisse der Stadtbezirk und seine Menschen haben. Ihre Arbeit beschränkt sich jedoch nicht auf die Planer-Ebene. Unerlässlich für die Arbeit der City- und Stadtteilmanager ist, dass sie und ihre Arbeit bekannt werden. „Normalerweise starten wir mit einem Leuchtturmprojekt, einem Straßensommer oder Spielfest zum Beispiel“, sagt Stefanie Strunk. „Die Menschen müssen wissen, dass ihre Stimme zählt“, betont sie. Das ist in Pandemiezeiten allerdings nicht möglich. Strunk und Bethke nutzten deshalb den gut frequentierten Wochenmarkt, um sich den Sennestädtern vorzustellen.

„Wir wollen an etablierte Strukturen anknüpfen“, sagt Projektleiterin Kraft. Nachdem es in der ersten INSEK-Phase besonders um die soziale Entwicklung im Bezirk gegangen sei, stünden in der zweiten Phase Stadtumbau und -erneuerung im Fokus. Die Frage sei, so Kraft, wie man mit der baulichen Struktur umgehe. Dabei werde auch über Umnutzung nachgedacht. Was geschieht mit leerstehenden Ladenlokalen? Wie können Quartiere belebt werden? Und wo ist Raum für Kultur? Das sind Fragen, denen die City- und Stadtteilmanager nachgehen. „Und dafür brauchen wir Partner“, betont Anne Kraft.

Mit der Sennestadt GmbH ist ein möglicher Partner in Aussicht. Geschäftsführer Bernhard Neugebauer hat den Citymanagern die alte Post als Zwischenlösung für Veranstaltungen angeboten – „um zur Belebung des Zentrums im Sinne der INSEK-Ziele beizutragen, bis das Areal überplant und das Gebäude abgerissen ist, damit etwas Neues entstehen kann“. Neugebauer: „Nun sind wir gespannt, ob hier etwas geht. Vielleicht geht im Stadtumbau hier bald die Post ab, mit Ateliers, Übungsräumen für Musiker oder was auch immer drinnen und Graffiti-Kunst von außen.“ Zur Verfügung stünden knapp 1000 Quadratmeter; das Erdgeschoss der alten Post ist an die Deutsche Post AG vermietet.

Kultur ist nur ein Feld für die City-und Stadtteilmanager. „Das Arbeitsverhalten von vielen wird sich verändern“, sagt Anne Kraft. Sie könne sich auch vorstellen, dass sich in leeren Ladenlokalen flexible Geschäfts- und Arbeitsmodelle (Coworking Space) etablieren könnten. Kraft: „Wir können Impulse setzen, Ideen platzieren, aber wir müssen gucken: Was kommt aus dem Quartier für ein Bedarf.“ Und die City-und Stadtteilmanager suchen dafür den Partner. Wenn sich zum Beispiel Bürger einen guten Metzger im Quartier wünschten, könnten die City- und Stadtteilmanager Kontakte zu lokalen Erzeugern oder Hersteller von regionalen Produkten herstellen – „konkrete Partner suchen für die konkrete Umsetzung“.

Anne Kraft geht davon aus, dass Einzelhandel und Konsumverhalten vor großen Veränderungen stehen. Und Corona wirke verstärkend, wie ein Brennglas. „Wenn ein Geschäft aufgegeben wird, ist es oft schwierig, eine wirtschaftlich tragbare, alternative Nachnutzung zu finden. Auch das sieht sie als Aufgabe der City- und Stadtteilmanager: bei der energetischen Sanierung und bei baurechtlichen Fragen sowie Investitionen beraten und so die Flächen wieder in Wert setzen. „Das wird anstrengend“, meint die Projektleiterin mit Blick auf die Veränderungen, aber „sie bergen auch eine Chance, denn die Identifikation der Sennestädter mit ihrem Bezirk ist gegeben“.

Das Thema Mobilität steht ebenfalls auf der Agenda. „Wir werden das Lastenfahrrad Bisela nach Sennestadt holen“, sagt Stefanie Strunk. Wenn zeitlich alles klappt, steht von Februar an das Lastenfahrrad in der Garage des Sennestadthauses. Hinter dem Projekt steht der Verein Transition Town. Wer sich auf der Internetseite registriert, kann künftig gegen eine Spende das Transportmittel in Sennestadt nutzen.

Die City- und Stadtteilmanager beraten und unterstützen auch Hauseigentümer. Im Rahmen des „Fassadenprogramms“ bieten sie die Besichtigung des Gebäudes an, helfen bei der Antragstellung auf Fördergelder. „Das geht aber nur ab Phase null“, betont Kraft. „Die Maßnahme darf noch nicht begonnen sein und der Hausbesitzer muss in Vorleistung gehen, bekommt im Anschluss das Geld erstattet.“

Bürger, die sich beraten lassen wollen, Anregungen für das Leben in ihrem Bezirk oder Fragen haben, können sich im Stadtteilbüro melden oder anrufen. Außerhalb der festen Sprechzeiten können Termine vereinbart werden. Stefanie Strunk (Telefon 0177-6874074) ist dienstags von 14 bis 18 Uhr und donnerstags von 10 bis 14 Uhr im Stadtteilbüro am Reichowplatz zu erreichen, Alexander Bethke (Telefon 0178-1434382) ist montags vor Ort, E-Mail: sennestadt@stadt-handel.de und Website: stadtentwicklung-sennestadt.de.

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