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Der Mensch leidet unter dem Coronavirus, der Teich im Bielefelder Bürgerpark unter Laichkraut

Im Baggerboot gegen Wucherpflanzen

Bielefeld (WB). Der künstliche Teich im Bürgerpark ist einzigartig in Bielefeld – nicht nur wegen seiner exponierten Lage an der Oetkerhalle, sondern auch wegen seines überaus starken Wasserpflanzenwuchses. Allerdings macht dieses Phänomen dem städtischen Umweltbetrieb (UWB) eher Sorgen als Freude.

Markus Poch

Sieben bis acht Tonnen Wasserpflanzen und Algen holt „Gewässerrestaurator“ Klaus-Stephan Schunke mit seinem Boot pro Hektar aus einem Teich. Da kommt selbst bei den nur 3800 Quadratmetern des Teichs im Bürgerpark einiges zusammen. Foto: Bernhard Pierel

Seit Mittwoch ist dort ein gechartertes Baggerboot mit Schneidegerät im Einsatz, um das wild wuchernde Krause Laichkraut (Potamogeton crispus) größtenteils zu beseitigen. Mit dieser Maßnahme soll die sonstige Flora und Fauna des Teiches bis zur nächsten Mahd im Frühjahr 2021 entlastet werden.

„Das Krause Laichkraut ist prinzipiell gut für den Teich, weil es ihn mit Sauerstoff anreichert und dadurch die Wasserqualität verbessert“, erklärt Stefan Meyer von der UWB-Grünunterhaltung. „Das Problem ist die Menge: Wenn es in einem stehenden Gewässer ohne Zulauf zu viel davon gibt, können abgestorbene Pflanzenpartikel einen Faulschlamm bilden, der die gesamte Ökologie gefährdet“, ergänzt Meyer. Und genau das soll die jährliche Mahd verhindern.

Auf dem Bug lassen sich Werkzeuge aller Art montieren

Dazu hat der UWB den auf solche Fälle spezialisierten Borgholzhausener Unternehmer Klaus-Stephan Schunke engagiert: Der 63-Jährige, der sich selbst Gewässerrestaurator nennt, betreibt unter anderem ein knapp drei Tonnen schweres Baggerboot. Auf dessen Bug lassen sich Werkzeuge aller Art montieren, zum Beispiel Sägen, Schaufeln, Pumpen oder eben die im Bürgerpark benötigten Schneidegeräte.

Diese funktionieren wie motorisierte Heckenscheren oder die aus der Landwirtschaft bekannten Finger- oder Balkenmäher, können horizontal und vertikal schneiden. Das bedeutet: Schunke lenkt sein Boot in Bahnen über den 3800 Quadratmeter großen, bis zu zwei Meter tiefen Teich, während die Klingen die langen Schnüre des Laichkrautes dicht über dem Boden abschneiden und in der Länge halbieren. Bei maximal fünf bis sechs km/h dreht das 85 PS starke Baggerboot gemächlich seine Runden.

Im zweiten Durchgang fischt Schunke mit einem 4,80 Meter breiten Rechen die nun überwiegend an der Oberfläche treibenden Pflanzenteile aus dem Wasser und platziert sie in etlichen kleineren Haufen direkt am Ufer. Größere Mengen an Fadenalgen sind ebenfalls dabei. „So haben abgefischte Wasserlebewesen die Chance, zurück in ihr Element zu kriechen“, erklärt Stefan Meyer. Eine Libellenlarve, einige Schnecken und Blutegel zeigen direkt, wie das gedacht ist.

Gewässer hat sein ökologisches Gleichgewicht noch nicht gefunden

Ein Teichfrosch, einige seiner Kaulquappen und ein paar kleine Fische haben Glück gehabt: Sie konnten sowohl den Klingen als auch dem Rechen entkommen und sich rechtzeitig im schützenden Schilf verstecken.

Klaus-Stephan Schunke, der sonst nach eigenen Angaben europaweit für Angelvereine, in Wasserschlössern, Naturbädern und Kurparkteichen unterwegs ist, holt pro Hektar üblicherweise sieben bis acht Tonnen organischen Materials aus dem jeweiligen Gewässer. In diesem Fall transportiert es der UWB mit Lastwagen ab und lagert es auf einem seiner Grünschnitt-Sammelplätze zwischen, ehe es ein weiteres Unternehmen übernimmt und final kompostiert.

Bis zu seiner Rundumerneuerung vor drei Jahren sei die jährliche Sanierungsmaßnahme im Teich am Bürgerpark nicht erforderlich gewesen, beteuert Stefan Meyer. Warum das seitdem gemacht werden muss, könne daran liegen, dass das Gewässer sein ökologisches Gleichgewicht noch nicht gefunden hat.

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