1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Bielefeld
  6. >
  7. Inklusion: Eltern fordern Lehrerfortbildung in Ferien

  8. >

Verbände lehnen dies ab – Schulen müssen künftig Konzept vorlegen

Inklusion: Eltern fordern Lehrerfortbildung in Ferien

Bielefeld (WB). Damit die Inklusion an heimischen Schulen besser funktioniert, fordern Elterninitiativen verpflichtende Fortbildungen für Lehrer – in den Ferien.

Bernd Bexte

Symbolbild. Foto: dpa

»Das Land tut zu wenig, steuert die Qualifizierung nicht«, begründet Bernd Kochanek, Landesvorsitzender des Elternverbandes »Gemeinsam leben, Gemeinsam lernen« die Forderung. Der Verband ist ein NRW-weiter Zusammenschluss von 80 lokalen Elterninitiativen zum Thema Inklusion – auch aus Bielefeld, Paderborn, Gütersloh und Detmold – sowie Lehrern, Schulen und Aufsichtsbeamten.

Bislang, so Kochanek, werde die Fortbildung in Sachen Inklusion den Schulen überlassen. So seien die Mängel bei der Umsetzung aber nicht zu beheben. Für eine effektive Fortbildung komme man an Ferienzeiten nicht herum. Im NRW-Schulgesetz heißt es: »Lehrerinnen und Lehrer sind verpflichtet, sich selbst fortzubilden und an dienstlichen Fortbildungsmaßnahmen auch in der unterrichtsfreien Zeit teilzunehmen« – also in den Ferien.

Lehrergewerkschaft hält nichts von Fortbildungspflicht

Das Ministerium überlässt dies aber den Schulen. Sie »entscheiden eigenständig je nach Bedarf vor Ort«, erklärt ein Sprecher. Im Zuge der Neuausrichtung der Inklusion würde künftig von Inklusionsschulen allerdings »ein schulinternes Fortbildungskonzept zum gemeinsamen Lernen« verlangt. Das Ministerium verweist zudem auf das Fortbildungsprogramm »Schulen auf dem Weg zur Inklusion«, an dem von August 2016 bis Ende Januar landesweit 31.740 Lehrer teilgenommen hätten. Bei einer Befragung hätten es drei Viertel der Teilnehmer als »sehr gut« oder »gut« bezeichnet.

Die Lehrergewerkschaft VBE (Verband Bildung und Erziehung) hält nichts von einer Fortbildungspflicht in den Ferien. »Unzureichende Rahmenbedingungen und der Lehrkräftemangel erschweren unsere Arbeit. Fortbildungen müssen in der Dienstzeit erfolgen«, erklärt Anne Deimel, stellvertretende Landesvorsitzende. Der Verband erinnert an eine repräsentative Forsa-Umfrage zur Inklusion, die der VBE im vergangenen Jahr in Auftrag gegeben hatte.

VBE fordert eine Doppelbesetzung aus Lehrkraft und Sonderpädagoge

Jeder dritte Lehrer hatte vor Übernahme einer inklusiven Lerngruppe keine Fortbildung, nur jeder vierte hatte Erfahrung im gemeinsamen Unterricht. Der VBE fordert eine Doppelbesetzung aus Lehrkraft und Sonderpädagoge in Inklusionsklassen, angemessene Aus- und Weiterbildung sowie kleinere Klassen. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hält Fortbildung in den Ferien für »kontraproduktiv«.

Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) will nächsten Mittwoch im Fachbeirat inklusive schulische Bildung Eckpunkte für ein neues Inklusionskonzept vorstellen. In NRW besuchen bereits 42 Prozent der Schüler mit Förderbedarf eine Regelschule.

Startseite
ANZEIGE