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59-jähriger soll verwirrten Eindruck machen

Ist Mordverdächtiger psychisch krank?

Bielefeld (WB). Zweieinhalb Wochen nach dem Mord an der 34-jährigen Christina F. in ihrer Wohnung an der Bremer Straße werden weitere Details über ihren in Untersuchungshaft sitzenden Nachbarn Ulf T. (59) bekannt. So könnte es sein, dass der tatverdächtige Mann schuldunfähig ist und nicht mit Haft dafür bestraft werden kann, dass er die Supermarkt-Verkäuferin zwei Tage vor Weihnachten erwürgt haben soll.

Jens Heinze

Kripoermittler von der Spurensicherung untersuchten Tage lang den Tatort an der Bremer Straße. Der „Mordbulli“ der Polizei parkte auch nach Weihnachten vorm Haus. Foto: Christian Müller

Stattdessen könnte der Bielefelder dauerhaft in eine geschlossene Psychiatrie eingewiesen werden. Ulf T. soll seit langem psychisch krank sein. „Er macht einen etwas verwirrten Eindruck und soll früher auch schon psychiatrisch behandelt worden sein“, sagte der ermittelnde Staatsanwalt Christoph Mackel. Aus Ermittlerkreisen heißt es, dass der 59-Jährige seit langem unter psychotischen Schüben leiden soll. Die Behandlung habe er abgebrochen und vor Jahren seine Medikamente abgesetzt.

Gutachter wird hinzugezogen

Staatsanwalt Mackel wollte sich im jetzigen Stadium der Ermittlungen weder zur Frage der Schuldunfähigkeit noch zu einer Anklage wegen Mordes gegen den Bielefelder äußern. Er kündigte an, dass Ulf T. von einem Gutachter auf eine mögliche psychiatrische Erkrankung untersucht werde. Von den Erkenntnissen dieses Experten wird es maßgeblich abhängen, ob der 59-Jährige vor einem Schwurgericht angeklagt und möglicherweise zu einer hohen Haftstrafe verurteilt wird. Stuft der Gutachter den Mann dagegen als krank mit stark verminderter oder sogar aufgehobener Schuldfähigkeit ein, kommt es zu einem Sicherungsverfahren mit möglicher Unterbringung in einer Psychiatrie.

Die Tat ereignete sich, wie berichtet, in der Nacht zum 23. Dezember in einem 52-Parteien-Wohnblock am Rand der nördlichen Innenstadt. An diesem Abend soll es zweimal zum Streit zwischen der 34-Jährigen und ihrem direkten Nachbarn Ulf T. gekommen sein. Zum ersten Mal sollen der 59-Jährige und die Verkäuferin um kurz vor 21 Uhr anein­ander geraten sein. Der Mann soll sich über das seiner Meinung nach zu laute Gebell des kleinen Hundes der Frau und zu laute Musik aus ihrer Wohnung aufgeregt haben. Für zusätzlichen Zündstoff soll die blinkende Weihnachtsbeleuchtung der Verkäuferin gesorgt haben. Die Lichter aus ihrem Erkerfenster sollen direkt ins angrenzende Fenster von Ulf T. geleuchtet haben.

Nachbarn riefen die Polizei

Gegen 23.30 Uhr soll es zum zweiten Aufeinandertreffen der Nachbarn in der Wohnung der Bielefelder Griechin gekommen sein. Dabei soll Ulf T. Christina F. erwürgt haben. Im Haus soll ein dumpfer Knall gehört worden sein, ein weiterer Nachbar will den 59-Jährigen an der Tür des Opfers gesehen haben. Offenbar kam der Angriff für die Verkäuferin überraschend.  An der Leiche der Frau seien „keine großartigen Abwehrverletzungen“ gefunden worden, sagte Staatsanwalt Mackel.

Der Mord wurde entdeckt, weil der Hund der Griechin in der Nacht andauernd bellte und Nachbarn die Polizei riefen. Ulf T. wird schwer belastet. Eine Videoaufzeichnung aus dem großen Wohnblock zeigt, dass der Deutsche in der Tatnacht mehrfach Müll raus brachte. Möglicherweise wollte er Spuren verwischen, Polizisten ließen den Abfallcontainer zur Untersuchung abtransportieren.

Bei seiner Festnahme am 1. Weihnachtsfeiertag soll der 59-Jährige den Wohnungsschlüssel der Nachbarin und einen Ohrring der Frau bei sich gehabt haben. Der Beschuldigte schweige zu den Vorwürfen, sagte der Staatsanwalt. Verteidiger Torsten Giesecke wollte sich vorerst nicht äußern. „Ich werde alles in Ruhe mit meinem Mandanten besprechen“, sagte er.

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