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Aufmarsch führt dieses Mal um den Kern der Innenstadt herum zum Landgericht

Jahnplatz ist für Rechtsextreme tabu

Bielefeld  (WB). Der 10. November vergangenen Jahres ist vielen Bielefeldern noch in sehr schlechter Erinnerung. Weil um die 400 Rechtsextreme für die im hiesigen Gefängnis einsitzende Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck (90) quer durch die Innenstadt zogen, war das öffentliche Leben zwischen Hauptbahnhof und Landgericht lahm gelegt.

Jens Heinze

Am 9. November führt der Demonstrationszug der Partei »Die Rechte« um den Jahnplatz herum zum Landgericht am Niederwall.

Bielefeld erlebte vor elf Monaten einen der größten Polizeieinsätze seiner Geschichte. Das massive Aufgebot von hunderten Polizisten mit Wasserwerfern stieß auf viel Kritik.

Ein Szenario wie im November 2018 mit einer über Stunden hinweg komplett geteilten und blockierten Innenstadt soll es dieses Jahr zumindest in dem Ausmaß nicht geben. Wenn Rechtsextremisten ausgerechnet am 9. November , dem Gedenktag an die Reichspogromnacht 1938 mit brennenden jüdischen Geschäften und Synagogen, erneut für die Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck durch Bielefeld ziehen, ist der zentrale Jahnplatz tabu.

Dieser Dreh- und Angelpunkt für Verkehrsteilnehmer aller Art, der zudem die Fußgängerzonen verbindet, bleibt im Gegensatz zum Vorjahr frei. Nach WESTFALEN-BLATT-Informationen hat die Polizei mit den Extremisten von der Partei »Die Rechte« eine Marschroute vom Hinterausgang des Hauptbahnhofes im Neuen Bahnhofsviertel über die Mindener-, Elsa-Brandstörm-, Alfred-Bozi-Straße, den Adenauerplatz und die Kreuzstraße bis zum Landgericht am Niederwall ausgehandelt.

Gedenkstätten außerhalb der Route

Die Gedenkstätten an die Judenverfolgung zu Zeiten des NS-Regimes vorm Hauptbahnhof (Mahnmal für die in Konzentrationslager Deportierten) und an der Turnerstraße (zur Reichspogromnacht niedergebrannte Synagoge) liegen außerhalb der Aufmarschroute der Rechtsextremen.

Michael Gugat vom Bielefelder Bündnis gegen Rechts kündigte für den 9. November lautstarken Protest gegen den Aufzug der Kleinstpartei »Die Rechte« zu Ehren der Holocaust-Leugnerin Haverbeck an.

Die Details, an welchen Orten Gegenveranstaltungen stattfinden sollen, würden in Kürze geklärt. »Egal was wir machen, es wird keine leise Demo«, sagte Gugat. Und schob eine klare Aufforderung hinterher: »Keiner will, dass die Polizei die Innenstadt wieder so abriegelt wie im vergangenen Jahr.«

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