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Dezernent hofft auf einen »Hype« für die Umgestaltung

Jahnplatz wird nicht autofrei

Bielefeld (WB). Die Paprika-Koalition mit SPD, Grünen, Bürgernähe/Piraten hat im Stadtentwicklungsausschuss eingelenkt: Sie verzichtete in ihrem Antrag zur Zukunft des Jahnplatzes auf das Anliegen, einen Platz ohne Autoverkehr zu schaffen. Stattdessen wurde der Antrag der CDU komplett aufgenommen. Der spricht von reduziertem Individualverkehr.

Burgit Hörttrich

Mehr Bäume auf dem Jahnplatz und dem verkehrsfreien Stück des Niederwalls: Auch dieser Vorschlag ist Teil der Vorentwurfsplanung zum Jahnplatz, die gestern vorgestellt wurde. Foto: Bockermann, Kortemeier, Wannenmacher / Google

Die Planungsbüros Bockermann, Kortemeier und Wannenmacher hatten zuvor präsentiert, wie der »neue« Jahnplatz aussehen könnte : mehr Grün, mehr Flächen mit Aufenthaltsqualität, eine Trennung von Fahrradspur, Busspur und Autofahrbahnen, Barrierefreiheit, einheitliche Pflasterung (»Jahnplatz-Teppich«), das heutige Forum als Fahrradparkhaus, die Schließung der Zugänge Niedernstraße und Bahnhofstraße zu Gunsten einer Rampe (Niederwall) und einer Spindel.

Dezernent Gregor Moss machte einen Zeitplan zur Umsetzung auf. Der Verkehrsversuch (Start: 4. August) könne jederzeit »nachjustiert« werden – mit einer Veränderung der Ampelschaltungen oder neuer Beschilderung. Ausgewertet werden müsse, welche neuen Wege sich die Autofahrer suchen würden. Er gehe davon aus, so Moss, dass »die Innenstadt es packt«.

Appell an die Parteien

Er appellierte an die Parteien, im Interesse der Zukunft des Jahnplatzes partnerschaftlich zusammen zu arbeiten, um die Fördermittel in Höhe von 13,3 Millionen Euro für den Jahnplatz auch tatsächlich im Rahmen des engen Zeitplanes einsetzen zu können.

Moss geht davon aus, dass der Förderbescheid Mitte 2019 vorliegt. Er rechne mit einer Bauzeit von 20 bis 24 Monaten und weiteren zwölf Monaten für die Abrechnung: »Der zeitliche Druck ist enorm.« Moss versprach, nach der Sommerpause einen konkreten Zeitplan vorzulegen und die zweite Jahreshälfte »dem Bürgerdialog zum Jahnplatz« zu widmen. Die Stadt habe bereits Kontakt mit dem Eigentümer des Jahnplatz-Forums aufgenommen mit dem Ziel, die Idee Fahrradparkhaus dort zu verwirklichen. Moss: »Wir müssen einen Hype für den Jahnplatz entwickeln.«

Optimiertes Verkehrskonzept

Sowohl die Paprika-Koalition als auch die CDU hatten Anträge eingereicht, in deren Zentrum der Autoverkehr auf dem Jahnplatz stand – 22.000 Pkw pro Tag. Während Jens Julkowski-Keppler (Grüne) für die Koalition zunächst perspektivisch einen autofreien Jahnplatz anstrebte, legte die CDU, so Holger Nolte, ihre Schwerpunkte auf ein optimiertes Verkehrskonzept für die Randbereiche wie August-Bebel-Straße oder Kesselbrink und darauf, den Platz für den Autoverkehr offen zu halten, um »die Erreichbarkeit des Einzelhandels sicher zu stellen«.

Nach einer Sitzungsunterbrechung einigte man sich auf die gemeinsame Formulierung des »reduzierten Autoverkehrs«. Diesem Antrag stimmten alle Ausschussmitglieder zu, nur Barbara Pape (BfB) enthielt sich.

»Klare Radverkehrsführung«

Zuvor hatten die Politiker Zustimmung zu den Vorschlägen der Planungsbüros signalisiert. Hans-Jürgen Franz (SPD): »Ein erster Aufschlag, den Jahnplatz an menschliches Maß anzupassen.« Holger Nolte (CDU) lobte die »klare Radverkehrsführung, um Konfliktbereiche zu vermeiden«. Jens Julkowski-Keppler sieht die Steigerung der Aufenthaltsqualität als Ziel. Barbara Pape (BfB) dagegen meinte, der Autoverkehr würde verdrängt: »Wir brauchen keine zweite Liegewiese wie den Kesselbrink.«

Gleichzeitig erneuert die Industrie- und Handelskammer (IHK) ihre Kritik, sagt, der Verkehrsversuch sei kein Versuch, sondern auf Dauer angelegt. Die Ergebnisse des Versuches, so Harald Grefe, stellvertretender IHK-Hauptgeschäftsführer, spielten keine Rolle für die langfristige Gestaltung. Die Erreichbarkeit der Innenstadt werde von Teilen der Politik unterschätzt. Zudem fehle ein Gesamtkonzept über den Jahnplatz hinaus. Begrüßen würde die IHK dagegen eine städtebauliche Aufwertung des Jahnplatzes.

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