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Wewelsburg bleibt Zugpferd – neuer Verbandschef – mit Video

Jugendherbergen wollen mehr sein als »Bett und Brötchen«

Bielefeld/Detmold (WB). Das Deutsche Jugendherbergswerk (DJH) arbeitet weiter am eigenen Image – künftig unter neuer Führung: Julian Schmitz (34) tritt die Nachfolge des bisherigen Hauptgeschäftsführers Bernd Dohn (63) an.

Jan Gruhn

Die Hauptgeschäftsführer Julian Schmitz (34, links) und Bernd Dohn (63) in der Bielefelder Jugendherberge. Foto: Jan Gruhn

Der Blick von der Galerie in der dritten Etage der Jugendherberge Bielefeld zeigt exemplarisch: Die einst etwas muffig wirkenden Unterkünfte haben sich verändert. Wer aus seinem Gästezimmer tritt, kann seinen Blick schweifen lassen – vom lichtdurchfluteten Eingangsbereich bis hin zum Wasserspiel inklusive Goldfischen am Ende der Halle.

Die DJH-Häuser sind in den vergangenen Jahren komfortabler geworden, sollen den Gästen mehr bieten als nur »Bett und Brötchen«, wie es Julian Schmitz nennt. Das mache sie auch für Familien immer interessanter.

Schmitz’ Vorgänger Dohn verabschiedet sich nach 25 Dienstjahren in den Ruhestand. Im Gegensatz zu dem studierten Erziehungswissenschaftler, der vor seiner Karriere im DJH-Hauptverband für Jugendämter und soziale Träger arbeitete, kommt mit Schmitz ein Tourismus-Fachmann: Der gebürtige Bonner hat Tourismus- und Freizeitwirtschaft in Innsbruck studiert, zuletzt leitete er sechs Jahre lang die »Ferienland im Schwarzwald GmbH«. Seit Januar wird er von Dohn eingearbeitet, Anfang April soll er das Steuer des Hauptverbandes mit Sitz in Detmold alleine übernehmen.

Schmitz will die Verjüngungskur des Verbandes fortsetzen, wie er am Mittwoch bei der Vorstellung der Jahresbilanz in der Jugendherberge Bielefeld erklärt. »Die Klischees gehören zwar auch zu uns«, sagt Schmitz. Allerdings hätten die 14 Landesverbände im vergangenen Jahr mehr als 70 Millionen Euro investiert, um den Gästekomfort zu erhöhen.

9,7 Millionen Übernachtungen

Der DJH verzeichnete bundesweit im abgelaufenen Jahr 9,7 Millionen Übernachtungen. Das sind 2,5 Prozent weniger als 2017. Das liege vor allem daran, dass es 13 Unterkünfte weniger im Netz des DJH gebe als noch ein Jahr zuvor. Laut dem scheidenden Verbandschef Bernd Dohn sei ein Teil wegen laufender Sanierungsarbeiten weggefallen, andere Jugendherbergen hätten mangels Wirtschaftlichkeit gänzlich schließen müssen.

Auch die 29 Herbergen im Landesverband Westfalen-Lippe mussten mit 625.080 ein leichtes Minus (0,2 Prozent) im Vergleich zum Vorjahr hinnehmen. Mit Blick auf die durch Bauarbeiten fehlenden Betten seien die Zahlen trotzdem zufriedenstellend, wie es vom Geschäftsführer des Landesverbandes, Wolfgang Büttner, heißt. 5,6 Millionen wurden in die westfälisch-lippischen Jugendherbergen investiert, das größte Bauprojekt war die Modernisierung des Standortes in Nottuln für sechs Millionen Euro.

Wewelsburg bleibt Zugpferd

Auch in OWL wird nach Angaben des DJH weiter nachgebessert: In der Jugendherberge Wewelsburg (Kreis Paderborn) würden zum Beispiel derzeit Gästezimmer modernisiert. Die Dreiecksburg blieb 2018 das Zugpferd der Region mit 29.000 Übernachtungen (minus 0,8 Prozent). Zulegen konnte die Unterkunft in Bad Driburg, dort wurde knapp 11.500 Mal übernachtet (plus 17 Prozent).

Paderborn hingegen musste mit knapp 16.000 Übernachtungen Einbußen hinnehmen (2017: 18.000). Dohn und Schmitz begründeten dies mit den laufenden Umbauarbeiten. Kernzielgruppe in Westfalen-Lippe bleiben den Angaben zufolge Schulklassen, die ein Drittel der Gäste ausmachen. Ein Fünftel entfalle auf Familien.

Bundesweit gibt es 453 DJH-Jugendherbergen mit 70.000 Betten. Wer dort übernachten möchte, muss DJH-Mitglied sein. Das trifft laut Hauptverband derzeit auf 2,5 Millionen Menschen zu.

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