Alt- und Neubau des Gefängnisses in Bielefeld-Brackwede sollen miteinander verbunden werden

JVA Brackwede bereitet Öffnung der Haftmauer vor

Bielefeld (WB)

Das gibt es nur ganz selten: Auf einer Breite von bis zu 50 Metern öffnet die Justizvollzugsanstalt (JVA) Bielefeld-Brackwede in den kommenden Tagen seine 5,50 Meter hohe Haftmauer. Um einen „Tag der offenen Tür“ geht es dabei jedoch ausdrücklich nicht. Es geht um die Anbindung der seit drei Jahren im Bau befindlichen Gefängnis-Erweiterung.

Markus Poch

Aus mobilen Betonelementen (Bild, vorne und hinten), die ein Lastenkran anliefert, bauen Handwerker einen Korridor auf dem JVA-Gelände, der es später erlaubt, die alte Gefängnis-Außenmauer (rechts) zu öffnen, ohne dass Fluchtgefahr besteht. Foto: Markus Poch

Noch im Mai soll an der Umlostraße 100 ein neuer, wesentlicher Bauabschnitt beginnen: die Verschmelzung von Alt- und Neubau über einen zweistöckigen, rund 15 Meter breiten Verbindungsgang zwischen den Hafthäusern. Dazu muss – bei laufendem Betrieb im geschlossenen Vollzug – die massive Außenmauer geöffnet werden.

„Normalerweise treibt solch ein Anlass dem Anstaltsleiter die Schweißperlen auf die Stirn“, sagt JVA-Chef Uwe Nelle-Cornelsen. „Aber ich bin zuversichtlich. Wir haben hier umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen getroffen, um Entweichungen auszuschließen.“

Anstaltsleiter Uwe Nelle-Cornelsen Foto: Markus Poch

Zwei temporäre Haftmauern aus mobilen Betonelementen sollen die Abschirmung der Gefangenen garantieren, solange die eigentliche Außenmauer für Handwerker und Baufahrzeuge offen steht. Jedes der 5,50 Meter hohen, 2,50 Meter breiten Elemente wiegt elf Tonnen und stammt aus der JVA Bochum. Mit den mobilen Mauerstücken hat die JVA einen etwa 50 Meter breiten Korridor zwischen Hafthaus 1 und der alten Außenmauer frei sperren lassen, der künftig von außen erreichbar ist, sobald Elemente aus der alten Mauer entfernt wurden.

Jenseits dieser alten Mauer mit den für Brackwede typischen Überwachungskanzeln grenzt bereits die neue Gefängnismauer das 15.000 Quadratmeter große Erweiterungsareal ein. Bis auf den Durchlass für Baumaschinen ist sie so gut wie fertig, ebenso wie die vier Treppenhäuser des neuen Hafthauses 8. Derzeit ragen sie wie fehlplatzierte Betonsäulen in den Himmel, denn außer ihnen und dem Fundament ist vom dreigeschossigen, zweiflügeligen Haus 8, wo einmal 130 männliche Gefangene einquartiert werden sollen, noch nichts zu sehen. Das hat einen Grund.

Extra stark gesichert: Das Dach des baustellennahen Hafthauses 1 soll Gefangene nicht zur Entweichung verleiten. Foto: Markus Poch

„Die Zellen werden in Modulbauweise auswärts in Telgte hergestellt“, erklärt Uwe Nelle-Cornelsen. „Jedes Modul besteht aus zwei Hafträumen inklusive fest montierten, schlecht zerstörbaren Möbeln und Sanitärbereich sowie dem zwischen den Räumen liegenden Flur.“ Sobald die Auslieferung der Module beginne, sei das Hafthaus in kurzer Zeit komplett. Das neue Gebäude soll zusätzlich den Abteilungen Sozialtherapie und Krankenpflege mehr Raum bieten.

Gute Baufortschritte mache auch die neue Sicherheitszentrale, sagt der Anstaltsleiter. Ihr Rohbau ist fertig. Sie musste erweitert werden, weil „ein erhebliches Maß an Überwachungsmonitoren“ hinzu kommt. Künftig sind sechs Bedienstete rund um die Uhr allein mit der Detektion beschäftigt.

Diese Grafik veranschaulicht den anstehenden Bauabschnitt in der JVA: Zur Anbindung des neuen Hafthauses 8 (blau) muss die alte Gefängnismauer mittig geöffnet werden. Foto: Patrick Sönel

Im April 2022 sollen Alt- und Neubau komplett verschmolzen, die Erweiterung mit allen Schikanen betriebsbereit sein. Obwohl der Termin der Fertigstellung schon mehrfach verschoben werden musste – ursprünglich hieß es im November 2020, ist Uwe Nelle-Cornelsen dieses Mal optimistisch. Außerdem brauche die mit bislang 640 Haftplätzen fast immer voll- oder sogar überlegte JVA dringend diesen Extra-Spielraum.

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