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Gemeinsames Gesamtkonzept statt »Schnellschuss« gefordert – »Konflikte werden nicht gelöst«

Kaufleute wollen Jahnplatz-Stopp

Bielefeld  (WB). Die Kaufmannschaft Altstadt fordert, die Planungen für die Umgestaltung des Jahnplatzes zu stoppen. Stattdessen sollen alle Beteiligten zusammenkommen, um ein schlüssiges Gesamtkonzept zu entwickeln – in aller Ruhe.

Hans-Heinrich Sellmann

Vorarbeiten auf dem Jahnplatz. Foto: Bernhard Pierel/Archiv

Im nächsten Jahr beginnen die umfangreichen Arbeiten. Und damit die Fördergelder für das 18-Millionen-Euro-Projekt nicht verfallen, muss 2022 alles fertig sein. »Grundsätzlich finden wir es großartig, dass der Jahnplatz aufgefrischt wird«, sagt Vorsitzender Henner Zimmat. Den Umbau aber in der Kürze der Zeit umsetzen zu wollen, sehe die Kaufmannschaft kritisch.

»Die Konflikte werden nicht gelöst«

Auch weil die Akteure rund um den Platz in die Planungen nicht mit einbezogen worden seien, »haben wir jetzt eine Lösung, die nur den Ist-Zustand manifestiert. Es gibt lediglich einige Schönheitspflaster«, sagt Olaf Klötzer, der insbesondere auf die Verkehrsführung verweist. »Die Konflikte werden nicht gelöst, sondern noch verschärft.« Fußgänger müssten weiterhin den Radfahrstreifen überqueren, und nicht nur wenn die Zahl der an- und abfahrenden Busse auch noch ansteige, müsse der Individualverkehr durch Ampeln gedrosselt werden. »Dann kann man nachher sagen, dass es nicht funktioniert, und man sperrt die Autos komplett aus.«

Obwohl auch den Kaufleuten bewusst ist, dass »wir eine Mobilitätswende brauchen«, und, wie Henner Zimmat sagt, die Abbindung des Niederwalls den anliegenden Händlern nicht geschadet hat, macht Olaf Klötzer deutlich: »Für uns und unsere Kunden bleibt das Auto ein ganz, ganz wichtiges Fortbewegungsmittel.«

Zimmat verweist diesbezüglich insbesondere auf auswärtige Gäste: »Wir leben von den Kunden aus dem Umland, aus Herford, Detmold oder Halle.« Es gebe kein Parkleitsystem, das die Ortsunkundigen verständlich zu verfügbaren Stellplätzen lenkt. Zimmat selbst sperre sich nicht einmal gegen einen verkehrsberuhigten Jahnplatz . Dafür müssten die Zuwege allerdings so angelegt sein, dass es am Ende wirklich eine Verbesserung für Händler und Kunden sei.

Kostensteigerung befürchtet

Der Verweis auf andere Städte sei untauglich, betont Olaf Klötzer: »Kopenhagen ist eine Touristenstadt, und in Basel ist in der Innenstadt nichts mehr.« Und wenn zurzeit häufig aus Bielefeld nach Utrecht geblickt werde, müsse auch erwähnt werden, wann dort der Planungsprozess begonnen habe: »In den 90er Jahren.« Selbst die Altstadtsanierung, für die alle an einen Tisch gekommen waren, habe in der Vorbereitung drei Jahre gedauert.

Dass der Jahnplatz nach der Sanierung schöner sein werde als jetzt, stellt Jonas Vorbohle (Dean & David) gar nicht in Abrede: »Er wird aber nicht so gut, wie er mit einer vernünftigen Planung hätte werden können.« Außerdem befürchtet er, dass es am Ende teurer wird – »wie auf jeder Baustelle, auf der er es schnell gehen muss«.

Aus Sicht der Altstadt-Kaufleute bräuchten sich Politik und Verwaltung nicht an die Fördergelder zu klammern. Vorbohle: »Die Verkehrswende bleibt eines der ganz großen Themen. Da werden immer wieder Töpfe aufgemacht werden.« Sie warnen eindringlich vor einem Schnellschuss. »Wir sollten den Mut haben, etwas Vernünftiges zu planen«, sagt Olaf Klötzer. Und zwar von außen nach innen – mit dem Jahnplatz als krönendem Abschluss.

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