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Comedian reißt 2000 Bielefelder in der Stadthalle mit

Kaya Yanar rastet aus

Bielefeld (WB). Flughäfen, Warteschlangen, Hotlines, Falschparker – all das sind Dinge, die nicht gerade besonders weit oben auf der Beliebtheitsliste des deutsch-türkischen Comedians Kaya Yanar stehen. Am Sonntagabend zeigt er 2000 Bielefeldern in der Stadthalle, was ihn alles zur Weißglut treiben kann.

Vivian Winzler

Zeigt Bielefeld, wie man richtig ausrastet: Comedian Kaya Yanar. Foto: Mike-Dennis Müller

»Ausrasten für Anfänger« nennt sich sein sechstes Bühnenprogramm, das von den kleinen und großen Problemen des Alltags berichtet. Egal ob die Freundin mal wieder Stunden im Bad braucht oder der Kumpel viel zu langsam redet: bei Yanar darf man sich endlich einmal richtig auskotzen. Und das am besten mit einem Lachen im Gesicht.

»Neben dem Klatschen ist die schönste Bestätigung für mich euer Lachen«, erklärt der 45-Jährige seinem Publikum. Seit 20 Jahren ist er im Geschäft. Vielleicht ist das Alter ja auch ein Grund zum auszurasten? Seine Freundin glaube zumindest, dass es daran liege. »Ich werde langsam so ein grummeliger alter Rentner«, stellt er fest. Sein persönlicher Endgegner: die riesigen Popcorntüten im Kino, die ihm jeden Film vermiesen. »Was kommt als nächstes? Popcorn in Hafereimern zum Umhängen?!«

Publikum bestimmt mit

Während sich Yanar in Rage redet, lässt sich das Publikum von dieser ungefilterten Aufregung blendend unterhalten. In der zweiten Hälfte des Abends dürfen die Bielefelder das Programm sogar mitbestimmen: Yanar ruft die Besucher auf, auf seiner Facebook-Seite zu kommentieren worüber sie sich am liebsten aufregen. Dabei ergibt sich schnell ein Muster: Die Bielefelder scheinen wirklich ein Problem mit Parkhäusern und Autofahrern generell zu haben. »Das Schöne ist: Wir regen uns alle über ›andere Autofahrer‹ auf. Nur sind wir ja alle ›andere Autofahrer‹«, stellt er ernüchtert fest.

Neben russischen Navigationssystemen und schwedischen Möbelhäusern gibt es aber auch tiefergehende Thematiken, über die sich Yanar aufregen kann. Politik, Sexismus, die Justiz – Yanar hat kein Problem damit, die Dinge beim Namen zu nennen.

»Migration kann ich keinem empfehlen«, meint er im Hinblick auf seinen Vater, der aus der Türkei nach Deutschland gezogen ist. Yanar wuchs mit einer »Fantasiesprache« auf, wie er sie liebevoll nennt. Eine Mischung aus sehr schlechtem Deutsch und etwas Türkisch führten in seiner Kindheit zu großen Irritationen.

Alter Egos werden vermisst

Yanar selbst ist gebürtiger Frankfurter und hatte seinen Durchbruch 2001 mit der Sat1-Show »Was guckst du?!«. Seine beiden Alter Egos aus der Show, Türsteher Hakan und Inder Ranjid, vermisst man in »Ausrasten für Anfänger«. Aber Yanar ist älter geworden – weniger albern, mit mehr Message. Und dennoch unsagbar unterhaltsam. »In mir steckt ein dicker alter Mann, der raus will«, erzählt er, als sich liebevoll den Bauch tätschelt. »Wir sollten doch alle in Ruhe alt werden dürfen!« Das ist eine Sache, über die man sich also nicht aufregen sollte. Generell ist die Botschaft des Comedians: ausrasten ja, aber bitte in gesunden Maßen.

»Ich sage immer: ›Ausrasten für Anfänger‹ ist besser als ›Amoklaufen für Profis‹!« Mit dieser Botschaft schickt er sein Publikum nach einer Zugabe und tosendem Applaus nach Hause – mit der Bitte, sich am Steuer nicht zu sehr aufzuregen, selbstverständlich.

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