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Kommentar zum tragischen Fall am Klinikum Bielefeld-Mitte, bei dem ein Mann starb

Kein Mensch ist frei von Fehlern

Es ist das passiert, was niemals hätte passieren dürfen. Ein Mann vertraut sich dem Krankenhaus wegen einer medizinischen Kleinigkeit an – und stirbt aufgrund eines tragischen Fehlers. Der Patient sollte in Kürze entlassen werden. Weil im Klinikum Bielefeld-Mitte Medikamente vertauscht wurden, verlor er sein Leben. Der junge Mann, 26 Jahre alt, ist am Donnerstag auf dem Sennefriedhof beigesetzt worden.

André Best

Am Klinikum Bielefeld-Mitte passierte der tragische Fehler, bei dem ein Mensch starb. Solche Fehler dürfen niemals passieren. Dennoch passieren sie. Weil kein Mensch fehlerfrei ist. Foto: Büscher

Der Fall hat für Bestürzung, Fassungslosigkeit und Trauer geführt. Er muss aufgeklärt werden. So schonungslos wie möglich und so gründlich wie nötig. Es ist eine Pflicht, diese Tragödie so aufzuarbeiten, wie es 1.) sein muss und wie es 2.) die Öffentlichkeit auch erwarten darf. Aufklärung ist nötig und wichtig – in erster Linie vom Klinikum-Mitte selbst. Dass die Staatsanwaltschaft im strafrechtlichen Sinne das sehr exakt tun wird, versteht sich von selbst.

Falls Fehler passiert sind – und es ist mindestens ein gravierender Fehler geschehen – müssen diese erkannt und gegebenenfalls durch die Verfeinerung von Abläufen abgestellt werden. Daran darf es keinen Zweifel geben. Das ist das Klinikum sich selbst, seinen Patienten, vor allem aber dem Verstorbenen, seinem Bruder, Freunden und Bekannten, die Mohammad Suleiman kannten und mochten, schuldig.

Dieser Fall zeigt aber auch, dass manche Kritik deutlich über das normale Maß hinaus ging. Trotz der Vorwürfe, die erhoben werden, sollte jeder bedenken, mit welcher Wucht bisweilen ein ganzes Klinikum an den Pranger gestellt wird. Pauschalverurteilungen, die zum Teil jegliches Fachwissen vermissen lassen oder den Fall nur sehr oberflächlich in den Blick nehmen, verbieten sich – vonMenschen wie von manchen Medien.

Wer Einzelheiten kennt und sich in die Geschehnisse hineindenkt, weiß, dass der Fehler eben nicht aufgrund eines Personalmangels entstanden ist. Das mag auf manche Bereiche im Gesundheitswesen – auch im Klinikum – durchaus zutreffen, aber auf die Plastische Chirurgie des Klinikums Bielefeld-Mitte trifft es nicht zu.

Nur fiktiv: Und wenn doch? Was würde das bedeuten? Hieße das etwa, dass dann so ein Fehler leichter zu erklären ist? Oder würde das umgekehrt heißen, dass Fehler nicht passieren, wenn es genug Personal oder keinen Stress gibt? Nein, wer so denkt, macht es sich zu einfach.

Richtig ist: Solche Fehler dürfen niemals passieren. Dennoch passieren sie. Weil kein Mensch fehlerfrei ist. Und zwar auch dann nicht, wenn die Rahmenbedingungen optimal sind. Selbst mit modernster Technik kann das Risiko der falschen Verabreichung von Medikamenten nur minimiert werden. Ganz zu verhindern sind Fehler in diesem sensiblen Bereich, wo es um Menschen geht, nicht. Auf manchen Stationen des Klinikums Bielefeld-Mitte gibt es bereits technische Hilfen bei der Medikamentenvergabe, auf der Plastischen Chirurgie leider noch nicht.

Trotz des fatalen Fehlers: In den Kliniken – insbesondere in Bielefeld – wird grundsätzlich sehr gute Arbeit geleistet. Das sollte in der Diskussion nicht vergessen werden.

Eine Frau hat einen schweren Fehler gemacht. Sie hat Schuld auf sich geladen und wird immer damit leben müssen. Wünschen wir ihr, dass sie einen Weg findet. Nicht nur dem Verstorbenen und seinen Angehörigen sollten unsere Gedanken gelten. Sondern auch ihr.

Hier gehts zum Bericht.

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