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WESTFALEN-BLATT-Kommentar zu den geplanten Fahrradparkhäusern

Kein Übermaß in der Stadtplanung

Bielefeld (WB). In Bielefeld sollen gleich drei Fahrradparkhäuser mit mehr als 3000 Plätzen entstehen. Lieber mit Augenmaß planen, meint WESTFALEN-BLATT-Redakteur Michael Schläger in seinem Kommentar und verweist auf Planungsfehler der Vergangenheit.

Symbolfoto Foto: dpa

Übermaß ist der Bielefelder Stadtplanung noch nie bekommen. Nur einmal hat es am Ende etwas Gutes gehabt. Gäbe es den wuchtigen Ostwestfalendamm heute nicht, würde die Stadt am Verkehr ersticken. Selbst die Grünen führen inzwischen den seinerzeit hoch umstrittenen OWD ins Feld, wenn es um die Entlastung der Innenstadt vom Autoverkehr geht. Jetzt wird wieder im Übermaß gedacht. Diesmal beim Thema Radverkehr.

Im Rad und seinen Verwandten, dem E-Bike und dem E-Scooter, suchen die Stadtplaner auch in Bielefeld ihr Heil. Dabei droht wieder eine Schieflage. 1720 Abstellplätze im Fahrradparkhaus unterm Jahnplatz, noch einmal doppelt so viele am Hauptbahnhof, immer mehr Radwege, möglichst auch Schnellverbindungen in die Nachbarstädte. Das ist das Credo.

Fahrrad nicht zu einer Art goldenem Kalb der Verkehrspolitik machen

Was die Fahrradgläubigkeit der 2010er Jahre ist, war auch in Bielefeld die Autohörigkeit in den Nachkriegsjahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts. Nur mit Mühe konnten seinerzeit utopische Projekte wie irgendwelche Mega-Kreuzungen an der gottseidank erhalten gebliebenen Ravensberger Spinnerei verhindert werden. Planungseskapaden gab es in den Sechzigern und Siebzigern, als Trabantenstädte am Stadtrand das Wohnungsproblem lösen sollten.

Heute sind Baumheide oder der Oberlohmannshof, Bielefelds zweifelhafte Beispiele für den damaligen Trend, Problemquartiere. Ähnlich verhält es sich mit Einkaufspassagen, dem 80er-Jahre-Phänomen. Welche funktioniert eigentlich noch wirklich? Nicht mal das Loom kann Aufzehrungserscheinungen der Shopping-Tempel übertünchen.

Es bekommt einer Stadt immer besser, wenn sie mit bestimmten Entwicklungen nicht überfordert wird. Das Fahrrad hat eine goldene Zukunft und ist eine echte Alternative im Stadtverkehr. Aber man sollte es auch nicht zu einer Art goldenem Kalb der Verkehrspolitik machen.

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