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Bankrott-Ermittlungen eingestellt – Sohn muss aber vor Gericht

Keine Anklage gegen Middelhoff

Bielefeld (WB). Dem früheren Top-Manager Thomas Middelhoff droht nach derzeitigem Stand kein Strafprozess wegen des Vorwurfs des Bankrotts. Wie der Bielefelder Oberstaatsanwalt Ralf Günther am Montag dem WESTFALEN-BLATT bestätigte, ist ein entsprechendes Ermittlungsverfahren gegen den 66-Jährigen Anfang Oktober »mangels hinreichendem Tatverdacht« eingestellt worden.

Thomas Middelhoff (links) bei einer Gerichtsverhandlung im Jahr 2017 mit seinem Anwalt Hartmut Fromm. Strafrechtliche Ermittlungen gegen beide wurden jetzt eingestellt. Foto: imago

Auch gegen Middelhoffs Berliner Anwalt Hartmut Fromm, dem Beihilfe vorgeworfen worden war, wird damit nicht weiter ermittelt, sagt Oberstaatsanwalt Günther. Konkret ging es um den Verdacht, dass vor Middelhoffs Privatinsolvenz im März 2015 Millionenwerte verschoben und so den Gläubigern entzogen worden seien. Vorsätzlicher Bankrott wird mit bis zu fünf Jahren Haft, in besonders schweren Fällen mit bis zu zehn Jahren bestraft.

Die neuerlichen strafrechtlichen Prüfungen waren auf Basis von im Sommer 2018 erhobenen Zivilklagen des Middelhoff-Insolvenzverwalters Dr. Thorsten ­Fuest eingeleitet worden. Er fordert von Fromm und dessen Kanzlei 5,1 Millionen Euro zurück, weil Vermögenswerte mit Hilfe des Anwalts und einem Firmengeflecht vor den Gläubigern in Sicherheit gebracht worden seien.

Strafverfahren könnte auch wieder aufgenommen werden

Für den Tatvorwurf wäre es notwendig gewesen, stichtagsbezogen die Zahlungsunfähigkeit Middelhoffs festzustellen und entsprechende strafrechtlich relevante Vermögensverschiebungen, sagt Günther. Das sei jedoch nicht eindeutig möglich gewesen. Günther betont, er werde aber den Verlauf der Zivilverfahren am Landgericht Bielefeld beobachten. Sollten diese neue Erkenntnisse bringen, könnte das Strafverfahren wieder aufgenommen werden.

Wie Landgerichtssprecher Guiskard Eisenberg erklärt, befinden sich die Zivilklagen noch im schriftlichen Vorverfahren. Zumindest in einem der Fälle, in dem der Insolvenzverwalter rund 55.000 Euro von Fromm, dessen Berliner Kanzlei und auch Middelhoffs ältestem Sohn Jan fordert, will die zuständige 5. Zivilkammer bis Mitte Dezember das weitere Vorgehen klären. Womöglich wird dann ein Termin für die mündliche Verhandlung angesetzt.

Sohn muss vor das Langericht

Dr. Jan Middelhoff muss schon kommenden Montag vor dem Landgericht Düsseldorf erscheinen. Insolvenzverwalter Fuest will dort eine Aussage von ihm über Vermögensgeschäfte seines Vaters erzwingen. Der Sohn soll Auskunft geben über Darlehen in Höhe von drei Millionen US-Dollar, die sein Vater 2012 erhalten habe. Im Gegenzug trat Thomas Middelhoff demnach die Autorenrechte für seine vor zwei Monaten erschienene Autobiografie ab. Der Sohn soll an den Verhandlungen beteiligt gewesen und dafür auch in die USA gereist sein.

Middelhoff hatte am 31. März 2015 Privatinsolvenz angemeldet. Von den mehr als 400 Millionen Euro an Forderungen, die Gläubiger angemeldet haben, hat Fuest bislang 80 Millionen anerkannt.

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