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In Bremen dürfen Friseure noch zu Kunden ins Haus kommen – kein Thema in Ostwestfalen-Lippe

Keine Dauerwelle daheim

Die Haare sprießen trotz Corona, doch Friseursalons sind dicht. Die Menschen müssen selbst zu Schere und Rasierer greifen. In Bremen sah es für einen kurzen Moment so aus, als könnte es anders sein.

Friedemann Kohler

Einer Kundin mit Maske werden in einem Friseursalon die Haare frisiert. Das ist derzeit verboten. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

Nun will Bremen eine Lücke in der Corona-Verordnung zum Hausbesuch von Friseuren schließen. Derzeit seien mobile Friseurbesuche erlaubt, sagte ein Sprecher des Gesundheitsressorts am Mittwoch. „Das soll jetzt geändert werden.“

Im kleinsten Bundesland hatte zuvor eine Auskunft des Ordnungsamtes für Überraschung gesorgt: Friseursalons seien zwar geschlossen, Friseurinnen und Friseure dürften ihre Kunden aber zuhause bedienen.

Die Bremer Handwerkskammer teilte mit, man sei seit Erlass der Verordnung am 16. Dezember „davon ausgegangen, dass sämtliche Dienstleistungen im Bereich der nichtmedizinischen Körperpflege untersagt sind“. Die Kammer warnte die Friseure auch, Aufträge für Hausbesuche anzunehmen. „Bedenken Sie das gesundheitliche Risiko, wenn Sie sich in das private Umfeld des Kunden begeben!“ Es sei auch unsicher, wie lange diese Ausnahmeregelung bestehen werde. Ziel sei eine Wiederöffnung der Salons.

Die Bremer Verordnung verfügte bislang an einer Stelle die Schließung aller Betriebe der nichtmedizinischen Körperpflege. Es geht um „Friseure, Kosmetikstudios, Massagepraxen, Tattoostudios und Nagelstudios“. An anderer Stelle werden allgemein Handwerks- und Dienstleistungen für zulässig erklärt, selbst wenn der Mindestabstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden kann. Voraussetzung seien geeignete Hygienemaßnahmen.

In anderen Ländern wie Niedersachsen oder Bayern ist mobiles Arbeiten für Friseure untersagt – auch in NRW. In der bayerischen Verordnung etwa sind nicht die Betriebe geschlossen, sondern die betreffenden Dienstleistungen als solche verboten, unabhängig vom Ort des Geschehens. Das gilt auch für OWL.

Bremen habe „zu keinem Zeitpunkt Betätigungsverbote für ganze Berufsgruppen verhängt“, sagte Sprecher Lukas Fuhrmann vom Gesundheitsressort. Als die Verordnung erlassen wurde, habe es das Phänomen mobiler Friseure aber noch nicht gegeben. Inzwischen sehe der Senat die Notwendigkeit zu handeln.

In Ostwestfalen-Lippe reagierte die Handwerkskammer sachlich-nüchtern. Die Kammer verweist auf die Regelung in der Corona-Schutzverordnung NRW unter Paragraph 12. „Dort ist eindeutig geregelt, dass Dienstleistungen und Handwerksleistungen untersagt sind, bei denen ein Mindestabstand von 1,5 Metern zum Kunden nicht eingehalten werden kann“, heißt es. Der Ort der Leistungserbringung sei dabei unerheblich. Da gerade diese Handwerksbranchen 2020 überzeugende Hygienekonzepte zum Schutz von Kundschaft und Personal eingeführt und umgesetzt hätten, plädiert die Kammer für die Erarbeitung einer realistischen Öffnungsperspektive für Friseursalons und Kosmetik-studios aus. Peter Eul, Präsident der Handwerkskammer OWL, forderte: „Unsere Mitgliedsbetriebe brauchen Perspektiven.“ Zudem sei ein „unbürokratischer Zugang zu den Hilfsleistungen“ wichtig.

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