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Gesundheitsamt kann nicht einspringen – 600 Unterschriften überreicht

Keine freien Termine bei Bielefelds Kinderärzten

Bielefeld (WB). In Bielefeld sind Kinderärzte Mangelware. Friederike Stoye, Leiterin des Evangelischen Familienzentrums „Haus Pusteblume“, weiß das zur Genüge: „Ich führe oft dutzende Telefongespräche, um einen Termin zu vereinbaren – und muss dann Familien doch nach Schloß Holte-Stukenbrock oder Herford schicken.“

Burgit Hörttrich

In Bielefeld gibt es zu wenige Kinderärzte. Familien müssen für Vorsorgeuntersuchungen in angrenzende Kreise ausweichen. Foto: dpa

Deshalb sammelte sie gemeinsam mit den Stadtteilkoordinatoren Erkan Kara und Leif Pollex (AWO) 600 Unterschriften, die sie Oberbürgermeister Pit Clausen übergaben. Die Forderung: Die Stadt soll als kurzfristige Lösung eine kinderärztliche Sprechstunde im Gesundheitsamt einrichten.

Hoffnung konnte Clausen nicht machen, denn die Stadt suche selbst seit Monaten einen Kinderarzt für das Gesundheitsamt (zweieinhalb Stellen, zuständig für die Einschulungsuntersuchung von jährlich rund 3000 Kindern). Bislang vergeblich. Clausen weiß auch, dass die zuständige Kassenärztliche Vereinigung (KV) die Zahl der Niederlassungsgenehmigungen für Kinderärzte in Bielefeld erhöht habe. „Aber es gibt bislang keinen Kinderarzt, der sich in Bielefeld niederlassen möchte.“

„Wertvolle Zeit geht verloren, die Lage ist brenzlig.“

Friederike Stoye sagt, dass die Zahl der Kinder zunehme, die keinen Termin für eine Vorsorge-Untersuchung gefunden hätten. Würden Kinder aber nicht regelmäßig an den Vorsorgeuntersuchungen teilnehmen, könnten Entwicklungsverzögerungen nicht entdeckt werden. Förderung bliebe aus. Stoye: „Wertvolle Zeit geht verloren, die Lage ist brenzlig.“ Leif Pollex ergänzt, dass die notärztliche Versorgung wie die Impfberatung in Bielefeld größtenteils gelinge. Probleme bereiteten eben die Vorsorgeuntersuchungen. Als zumutbar gelte ein Arztbesuch in einer Praxis, die im Radius von 20 Kilometern um den Wohnort liegen würde. Oft, so Erkan Kara, sei es dennoch nicht möglich, einen freien Kinderarzt-Termin zu bekommen.

Der Oberbürgermeister geht davon aus, dass die Kassenärztliche Vereinigung, obwohl diese in Westfalen-Lippe 50 neue Stellen für niedergelassene Kinderärzte geschaffen habe, immer noch von einer „veralteten Datenlage“ ausgehe: „Bielefeld hat 340.000 Einwohner, deutlich mehr als noch vor zwei Jahren.“

„Das Gesundheitsamt ersetzt keinen Kinderarzt.“

Schnelle Abhilfe werde es nicht geben, auch wenn der Rat den Auftrag erteilt habe, die medizinische Versorgung in Sennestadt sowie in Jöllenbeck/Theesen zu verbessern. Clausen: „Das Gesundheitsamt ersetzt keinen Kinderarzt.“ Der OB verspricht jedoch, dass sich die Gesundheitskonferenz der Stadt mit dem Kinderärzte-Mangel beschäftigen werde. „Aber wir können nicht zaubern.“

Friederike Stoye betont, dass sich die Situation zuspitze. Ihr täten die betroffenen Kinder leid: „Allein im ‚Haus Pusteblume’ waren sechs Familien betroffen.“

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