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Kliniken erwarten nur einzelne Corona-Patienten – Unternehmen streichen China-Reisen

Keine Panik, aber vorbereitet

Bielefeld  (WB). Reisen nach China sind bei Schüco derzeit stark eingeschränkt. „Nur, wenn es unbedingt nötig ist“, sagt Pressesprecher Thomas Lauritzen. Außerdem müssen die Reisen von Unternehmenschef Andreas Engelhardt selbst genehmigt werden: Der Bielefelder Hersteller von Türen und Fenstern will kein Risiko eingehen.

Sabine Schulze

In China werden Reisende mittlerweile routinemäßig auf Symptome einer Infektion mit dem Coronavirus getestet. Foto: dpa

Noch gibt es in Europa nur vereinzelte Fälle von Infektionen mit dem Coronavirus . Dennoch reagieren Unternehmen mit Kontakten nach China und bereiten sich auch die hiesigen Krankenhäuser darauf vor, mit der Infektionskrankheit konfrontiert zu werden.

Grund zur Panik sieht Dr. Wolfgang Schmidt-Barzynski, Ärztlicher Direktor des Klinikums Bielefeld, ausdrücklich nicht: „Zum jetzigen Zeitpunkt würde ich die Influenza-Gefahr als größer einschätzen. Aber: Man weiß es nicht, wir können die Entwicklung nicht absehen.“

Im Klinikum ist man jedenfalls vorbereitet darauf, etwaige Verdachtsfälle zu isolieren. Auch alle Abläufe sind durchgesprochen, bis hin zur Frage, ob die Proben, die auf Antikörper getestet werden sollen, per Post oder per Kurier zur Berliner Charité gebracht werden sollen. Dort nämlich haben Forscher einen Schnelltest entwickelt. „Wir haben uns im Falle eines Falles für den Kurierdienst entschieden, damit wir schneller Bescheid wissen“, sagt Schmidt-Barzynski. Darüber hinaus betrachtet man am Klinikum die Vorbereitungen auf Coronapatienten auch als eine „Probe“ für andere etwaige Großereignisse, bei denen die Mitarbeiter schnell und sensibel reagieren müssen.

Dynamisches Geschehen

Ausgesetzt ist aber die Hospitanz chinesischer Ärzte, die im März erwartet wurden. Die Mediziner aus Fernost, die derzeit im Klinikum sind, sind alle bereits lange genug hier: Sie können den Erreger nicht mitgebracht haben.

Auch am Evangelischen Klinikum Bethel (EvKB) sieht man keine unmittelbare Gefährdung. „Und dennoch muss man sich letztlich darauf vorbereiten“, sagt Dr. Christiane Scherer. Die Leitende Oberärztin ist Mikrobiologin und zuständige Hygienikerin.

Unglücklich sei, erklärt sie, dass just auch die Grippewelle beginnt und es erste Erkrankungsfälle gibt. „Die Symptome sind sehr ähnlich. Um zu unterscheiden, ob es Grippe oder eine Infektion mit dem Coronavirus ist, müssen wir genau nachfragen, ob ein Patient aus einem Risikogebiet kommt oder Kontakt mit jemandem hatte, für den dies gilt.“ Denn derjenige könnte infiziert, (noch) frei von Symptomen und dennoch ansteckend sein. „Verdachtsfälle müssen identifiziert werden.“ Klarheit bringt dann der Antikörper-Test.

Für die Mikrobiologin ist interessant, wie dynamisch sich das Geschehen entwickelt hat. „Mitte Januar wurde erstmals die Infektion von Mensch zu Mensch bestätigt, jetzt kann man bereits die Infektionsketten erkennen.“ Aber das Virus ist auch bereits sequenziert – man kennt mithin den genetischen Bauplan –, es gibt einen Schnelltest und erste Analysen.

Auch die sind für Scherer aufschlussreich. Denn grundsätzlich haben Coronaviren – zu denen auch der Sars-Erreger gehört – ein breites „Tierreservoir“. – „Die Stämme der verschiedenen tierischen Erreger können sich untereinander austauschen und neue Hybride mit neuen Eigenschaften bilden“, erklärt die Ärztin. Beim Coronavirus werde spekuliert, dass sich ein Fledermaus- mit einem Schlangenvirus „mixte“ und die Schlangen der Überträger für den Menschen gewesen seien. „Das wiederum hängt mit den Ernährungsgewohnheiten der Chinesen zusammen.“

Strikte Hygiene

Auch am EvKB rechnet man nicht mit einem Massenanfall von Infizierten, hat aber Ablaufroutinen, die sich auch nach den Empfehlungen des Robert-Koch-Institutes richten. Die Patienten würden also isoliert und das Personal mit größeren Gesichtsmasken ausgestattet. Ansonsten gilt: strikte Hygiene. „Das Virus ist gut zugänglich für alkoholische Desinfektionsmittel, wir nehmen ein virusabtötendes hinzu.“ Eine erregerspezifische Therapie gibt es nicht, die Behandlung wäre symptomatisch, kann aber bis zur Beatmungspflicht und intensivmedizinischer Überwachung führen.

Der Rat von Schmidt-Barzynski: Gründlich die Hände waschen, sich nicht gegenseitig anhusten und vielleicht größere Menschenansammlungen vermeiden. Und selbstredend: nicht unbedingt nach China reisen.

Das gilt auch für die Mitarbeiter von DMG Mori: „Als internationaler Technologiekonzern sind wir auch in China aktiv“, sagt Pressesprecher Stephan Knüttel. Aber die Gesundheit habe oberste Priorität: Von Dienstreisen solle daher abgesehen werden. „Stattdessen halten wir dazu an, alternative Kommunikationsmöglichkeiten wie Video- und Telefonkonferenzen zu nutzen.“ Krankheits- oder Verdachtsfälle in der Belegschaft gebe es nicht.

Ferien verlängert

Schüco hat 180 Mitarbeiter in ganz China, sie wurden dazu aufgefordert, die Ferien zum chinesischen Neujahrsfest bis zum 2. Februar zu verlängern. Und die Mitarbeiter in Hubei (mit Wuhan im Zentrum), so Lauritzen, sind aufgefordert, bis auf Weiteres Zuhause zu arbeiten. „Außerdem haben wir Atemmasken besorgt und werden sie nach China schicken. Dort werden sie knapp, wir haben genug.“ In Shanghai wurden die Neujahrsferien offiziell bis 9. Februar verlängert. Das gilt dann auch für die Schüco-Mitarbeiter.

Seidensticker, Hersteller von Blusen und Hemden, bezieht lediglich Vorprodukte aus China, eigene Mitarbeiter sind dort nicht beschäftigt. Die Aktivitäten der Unternehmensgruppe der Gruppe im asiatischen Raum würden von Hongkong aus gesteuert. „Selbstverständlich kümmern wir uns um die Sicherheit und Gesundheit der Mitarbeiter in Hongkong.“ Seidensticker habe Vorbereitungen getroffen und werde den offiziellen Anweisungen etwa des RKI folgen.

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