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16 Beschuldigte: Ermittlungen zu umstrittenen Chats werden ausgeweitet

Kinderporno-Verdacht bei der Polizei

Münster/Bielefeld

Auf den Handys einiger nordrhein-westfälischer Polizisten ist sogenannte Kinder- und Jugendpornografie entdeckt worden. Mit einem entsprechenden Bericht der Staatsanwaltschaft Münster will sich am Donnerstag der Innenausschuss des Landtags befassen. Konkret soll es sich nach Informationen dieser Zeitung um zwei kinder- und drei jugendpornografische Dateien handeln.

Von Christian Althoff

Polizisten aus unter anderem Münster, Dortmund und Steinfurt sollen einige Dateien verschickt haben, die von Ermittlern als Jugendpornographie eingestuft werden. Foto: dpa

Die Staatsanwaltschaft ermittelt bereits seit Monaten wegen mutmaßlich rassistischer, fremdenfeindlicher und rechtsextremer Chats gegen acht frühere Polizisten des Spezial-Einsatz-Kommandos (SEK) Münster. Sie sollen in einer dienstlichen Chatgruppe namens „3er Gruppe“ unter anderem Hitlerbilder verschickt und Muslime verunglimpft haben. Alle acht sind suspendiert, gegen sie laufen Disziplinarverfahren.

Kripo Bielefeld ermittelt

Aus Gründen der Neutralität führt nicht die Kripo Münster die Ermittlungen durch, sondern – im Auftrag der Staatsanwaltschaft – die Kripo Bielefeld. Bei der Auswertung der Handys der acht Beschuldigten stießen die Ermittler nun auch auf sogenannte Kinderpornos. Die Darstellungen sollen von drei Beamten aus dem Kreis der acht beschuldigten Polizisten in den Gruppenchat eingestellt worden sein. Dadurch sollen die verbotenen Bilder auch in den Besitz acht weiterer Polizisten gelangt sein, so dass jetzt gegen 16 Polizisten ermittelt wird.

Die neu hinzugekommenen Beschuldigten arbeiten als Polizisten bei den Polizeipräsidien Münster und Dortmund, der Kreispolizeibehörde Steinfurt und im Landesamt für Aus- und Fortbildung der Polizei (LAFP). Ihnen wird der Besitz sogenannter Kinder- und Jugendpornografie vorgeworfen. Disziplinarverfahren gegen die Acht konnten nach Angaben des Innenministeriums aus rechtlichen Gründen noch nicht eingeleitet werden.

Die verbotenen Dateien wurden nach Angaben der Staatsanwaltschaft zwischen November 2017 und Mai 2018 verschickt. Die Behörde sprach von „vereinzelten“ Darstellungen und nannte keine Zahl. Nach offiziell unbestätigten Informationen soll ein Polizist drei Dateien und die anderen beiden Beamten je eine in den Chat gepostet haben.

Die Darstellungen sollen nicht von den Polizisten angefertigt worden sein, sondern aus dem Internet stammen. Hinweise darauf, dass sich Polizisten Kindern oder Jugendlichen in sexueller Weise genähert hätten, haben die Ermittler nicht. Laut Staatsanwaltschaft wurden die Polizisten mit dem Vorwurf konfrontiert und können jetzt Stellung nehmen.

Disziplinarstrafen drohen

Seit 2021 gelten Beschaffung, Besitz und Verbreitung sogenannter Kinderpornographie als Verbrechen, die mit bis zu zehn Jahren Haft bestraft werden können. Bei der Begehung der jetzt bekanntgewordenen mutmaßlichen Taten galt das verschärfte Recht allerdings noch nicht. Unabhängig vom Strafrecht drohen den Polizisten Disziplinarstrafen – im Fall der ersten acht Beschuldigten bis zur Entlassung aus dem Dienst.

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