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Neuapostolen geben Standort an der Detmolder Straße in Bielefeld auf

Kirche zu kaufen

Bielefeld (WB). Das Verkaufsschild gleich neben dem Kreuz an der Klinkerfassade macht neugierig. Die Neuapostolische Kirche (NAK) des Landes trennt sich von ihrem Gotteshaus in Stieghorst.

Michael Diekmann

Die Kirche an der Detmolder Straße. Foto: Michael Diekmann

»Die Mitglieder sind zur Gemeinde Sieker an die Taubenstraße gezogen«, erklärt Bielefelds Bezirksältester Martin Gehrke. Jetzt steht das Objekt in verkehrsgünstiger Lage zum Verkauf – für 449.000 Euro.

Ein Beschluss der Landesspitze sieht vor, sich von Objekten zu trennen, die nicht mehr als Kirche gebraucht werden. Es ist die Gegenbewegung zu den 1970er Jahren. Da seien, erklärt Gehrke, von 1969 bis 1987 allein sieben Standorte in Bielefeld entwickelt worden.

Zuletzt für Jugendarbeit genutzt

Das rote Klinkergebäude mit dem zierlichen Türmchen an der Einmündung zur Danziger Straße war in den vergangenen Jahren speziell für die Jugendarbeit genutzt worden. In Eigenleistung hatte man deshalb die Empore zum Altarraum hin durch eine Wand mit Fenstern verschlossen und Seminarräume eingerichtet. Möglicherweise schon am Wochenende wird es in Stieghorst noch einen Jugendgottesdienst geben, berichtet Wolfgang Stark von der Gemeinde in Quelle.

Die Kirche ist noch nicht offiziell profaniert worden. Ein möglicher Verkauf würde aber dafür sorgen, dass das Objekt zeitnah geräumt werde, in dem sogar Jugendgruppen übernachtet hatten und man in der großen Küche gemeinsam Essen zubereitet hatte. Stark spricht denn auch von Wehmut, wenn man so ein Objekt besuche, das ausgedient habe.

Grundstück mit mehr als 1400 Quadratmetern

Zu der Kirche gehört ein Grundstück von mehr als 1400 Quadratmetern, auf dem sogar Autostellplätze vorgehalten werden. Parkplätze, weiß Martin Gehrke, seien auch im Bereich der kirchlichen Arbeit für einen Gottesdienstbesuch zunehmend von Interesse. Gehrke: »Die Zeiten ändern sich. Die Zahl der Mitglieder ist bei uns nur leicht sinkend, Austritte selbst halten sich in Grenzen.« Allerdings verzeichneten auch die Neuapostolen ein geändertes sonntägliches Gottesdienstverhalten. Zudem müsse man die Kosten im Blick haben.

Nicht nur auf der Webseite der kircheneigenen Immobiliengesellschaft sind deshalb mehr als ein halbes Dutzend Kirchen im Angebot. Auch in Bielefeld hat es bereits einige Veränderungen gegeben. Aktuell gibt es noch 12 Gemeinden.

Umbau in Gellershagen

Teilweise entwickele die Kirche die neue Nutzung auch selbst, berichtet Gehrke. So ist beispielsweise die ehemalige Kirche an der Theodor-Heuss-Straße, in der jetzt ein Montessori-Kindergarten eingemietet ist, immer noch in Kircheneigentum. In Gellershagen wird eine ehemalige Kirche gerade zu Wohnraum umgebaut, allerdings durch einen Investor. Andererseits hat die Kirche ebenso viel in den Standort in Asemissen investiert. Die Gemeinde gleich hinter der Stadtgrenze wird von Ubbedisser Familien gern besucht.

Für das Gotteshaus an der Detmolder Straße mit dem begrünten Innenhof und der guten Bausubstanz, wie die Verkäufer betonen, ist der Verkauf seitens der Landeskirche beschlossen. Den Wohnraum gibt man mit 250 Quadratmetern an. Für Martin Gehrke ist es sinnvoll, das erlöste Geld wieder in die Kernarbeit seiner Kirche in Bielefeld zu stecken: »Schließlich sind wir eine Kirche und keine Immobilienfirma.«

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