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Bielefelder Naturschutzbeirat lehnt Baupläne der Firma Gehring-Bunte an der Gütersloher Straße erneut ab

Klare Mehrheit gegen Gewerbegebiet

Bielefeld

Zum dritten Mal seit 2014 hat sich der Bielefelder Naturschutzbeirat in seiner jüngsten Sitzung gegen ein neues Gewerbegebiet zwischen der Gütersloher Straße und dem Tüterbach in Ummeln ausgesprochen. Mit 10:1 Stimmen, bei drei Enthaltungen, lehnte das Gremium damit erneut die Pläne des Getränkeherstellers Gehring-Bunte („Christinen Brunnen“) ab, zu beiden Seiten des Pivitsweges auf insgesamt zehn Hektar zu expandieren.

Markus Poch

Diese Baumreihe ist in Gefahr: Kommt das Gewerbegebiet, muss die Allee an der Gütersloher Straße ausgedünnt werden. Foto: BUND

Von einem „guten Ergebnis für den Naturschutz“ spricht Adalbert Niemeyer-Lüllwitz, Altersvorsitzender des Beirates und Mitglied im BUND Bielefeld. Ob die Natur in Ummeln aber tatsächlich vom Votum der Naturschützer profitiert, hängt letztlich von der Entscheidung des Rates ab.

Der Naturschutzbeirat untermauert seine erneute Empfehlung an die Politik mit einer Reihe gewichtiger Argumente. Das WESTFALEN-BLATT nennt hier die stärksten fünf:

1. Mit dem vorgelegten Bebauungsplan sei einer der massivsten Eingriffe in Landschafts- und Grundwasserschutz des Bielefelder Südens der vergangenen Jahrzehnte geplant. In Anbetracht der Klimakrise und auch zum Schutz der Wasserversorgung sei ein solcher Eingriff in den Landschafts- und Trinkwasserschutz unverantwortbar.

2.Nach der aktuellen Planung sei die Fläche, die bereits der Firma Gehring-Bunte gehört, als Bereich für den „Grundwasser- und Gewässerschutz“ ausgewiesen sowie als „Landschaftsraum mit hoher Naturschutzfunktion“ eingestuft worden.

3.Bisher bilde das landwirtschaftlich genutzte Areal einen ökologischen Puffer am Ummelner Ortsrand. Einschließlich der Ausgleichsmaßnahmen verlören die Bielefelder Landwirte bei Umsetzung der Planung mehr als 15 Hektar wertvoller Wirtschaftsflächen. Außerdem würde eine der letzten Biotop-Verbundachsen im Bielefelder Süden verloren gehen.

4.Das geplante Gewerbegebiet beschleunige das Aussterben der Kiebitze in Bielefeld, denn einer der letzten Brutplätze der Stadt ginge unausgleichbar verloren. Der Bestand dieser bodenbrütenden Rote-Liste-Art sei in Bielefeld zwischen 2004 und 2019 um 70 Prozent zurückgegangen und heute bei nur noch 19 Brutpaaren.

5. Ein Eingriff in ein derart sensibles Gebiet müsse alternativlos sein. Doch es gebe zur gewünschte Expansion geeignete Alternativflächen, die aus Sicht des Natur-, Landschafts- und Wasserschutzes in der Vergangenheit bereits als vertretbar bewertet wurden.

„Man kann nur bis zuletzt gegen etwas ankämpfen – mehr kann man nicht machen“, sagt Claudia Quirini-Jürgens. Die 55-jährige Biologin ist gerade zur neuen Vorsitzenden des Naturschutzbeirates gewählt worden. Sie arbeitet in der Biologischen Station Gütersloh/Bielefeld, ist seit 1996 auch Vorsitzende des Naturwissenschaftlichen Vereins und hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass sie dabei helfen kann, das Bauprojekt auf dem Ummelner Acker doch noch zu stoppen oder zumindest in seinen Ausmaßen einzugrenzen; zumal in Folge der aktuellen Planung auch 16 geschützte Allee-Bäume gefällt werden müssten, die entlang der Gütersloher Straße stehen.

Zu Quirini-Jürgens‘ Stellvertreter für die kommenden fünf Jahre wählte das Gremium den Landwirt Johannes Wißbrock.

■ Große Bedenken meldet der Naturschutzbeirat zudem gegen den Regionalplan OWL 2020 der Bezirksregierung Detmold an: „Wir folgen zwar den aktuellen Änderungsvorschlägen der Stadt Bielefeld, lehnen den Plan aber insgesamt trotzdem ab“, sagte Adalbert Niemeyer-Lüllwitz dem WESTFALEN-BLATT. Die vorgestellten Maßnahmen griffen generell zu stark in Natur und Landschaft ein.

Der Regionalplan OWL enthält Potenzialflächen für die zukünftigen Wohn-, Gewerbe- und Industriegebiete der Kommunen und gilt deshalb auch als Steuerelement für den Umwelt- und Naturschutz.

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