Erstaunliche Zahlen vom Amtsgericht Bielefeld

Kleiner Gründerboom im Coronajahr 2020

Bielefeld (WB)

Abgesehen von Supermärkten, Tankstellen und einigen wenigen anderen Geschäften ist im Verlauf der Coronavirus-Pandemie alles andere immer wieder geschlossen worden. Das wirtschaftliche Leben lag und liegt in vielen Bereichen brach. Umso erstaunlicher sind die Zahlen des Bielefelder Amtsgerichtes für das vergangene Corona-Jahr.

Jens Heinze

Amtsgerichtsdirektor Jens Gnisa Foto:

Die Zahl der im Handelsregister eingetragenen Firmen ist gestiegen. Am kräftigsten war der Zuwachs bei den Gesellschaften mit beschränkter Haftung (GmbH): von 5920 Einträgen im Jahr 2019 auf 6116 im vergangenen Jahr. In den anderen Bereichen blieben die Zahlen stabil.

Gab es trotz Corona 2020 in Bielefeld einen kleinen Gründerboom? Das kann Jörg Deibert, Sprecher der Industrie- und Handelskammer (IHK) Ostwestfalen zu Bielefeld, auch nicht aus dem Stegreif beantworten. Die IHK sei dabei, die Zahlen zusammen zu tragen und für den demnächst erscheinenden Gründungsreport zu analysieren, sagte Deibert.

Begeisterung für „Betongold“

Die Begeisterung für das „Betongold“ hielt vergangenes Jahr in der Großstadt an. Für den Bereich Grundbuchsachen verzeichnete das Amtsgericht 20.447 eingereichte Urkunden (2019: 20.871) und 3471 sonstige Grundbuchsachen (3028). „Der Grundstücksmarkt ist weitgehend unbeeindruckt von Corona“, sagte Amtsgerichtsdirektor Jens Gnisa.

In Sachen Insolvenzen zeigte die Kurve in Bielefeld deutlich nach unten. Die sogenannten Regelinsolvenzverfahren für Unternehmen oder Selbstständige gingen von 953 Anträgen im Jahr 2019 auf 673 im vergangenen Jahr zurück. Der Grund dafür ist nach Meinung von Amtsgerichtsdirektor Jens Gnisa die bis zum 30. April ausgesetzte Insolvenzantragspflicht für Unternehmen und Selbstständige, bei denen die Auszahlung der seit dem 1. November 2020 vorgesehenen staatlichen Corona-Hilfeleistungen noch ausstand.

Ebenfalls deutlich rückläufig waren die Anträge auf Verbraucherinsolvenzen in Bielefeld (2019: 892 Anträge, 2020: 674). Das liegt offenbar an der seit dem 1. Oktober 2020 geltenden Verkürzung des Restschuld-Befreiungsverfahrens. Das dauert nicht mehr sechs, sondern nur noch drei Jahre. „Offenbar haben Verbraucher mit ihrem Insolvenzantrag bis zum 1. Oktober 2020 gewartet“, sagte Amtsgerichtsdirektor Gnisa. „Dieses Jahr wird da in Sachen Handelsregistereinträge und Insolvenzen ein Stück weit spannender“, prognostizierte der Jurist eine Trendwende.

Startseite