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An der Stadtgrenze Bielefeld/Oerlinghausen sollen Bäume gefällt und ein Mountainbike-Parcours beseitigt werden

Klima und Radsport setzen dem Wald zu

Bielefeld/Oerling...

Rücksichtslosigkeit im Kleinen ist schlimm genug. Es gibt aber auch Menschen, die keine Skrupel davor haben, sich gleich die ganze Gesellschaft und selbst die Natur aus Eigennutz zu unterwerfen – wie zum Beispiel die Mountainbiker, die gerne durch den Grenzwald zwischen Stieghorst, Sennestadt und Oerlinghausen rasen. Ihrem Treiben auf Kosten der Allgemeinheit will das Regionalforstamt OWL nun ein Ende setzen.

Markus Poch

2,5 Hektar alter Buchen- und Fichtenwald, ausgebaut mit Steilkurven und Rampen wie ein Rennparcours: Oerlinghausens Revierförster Niels Niemann (rechts) und Bielefelds Waldranger Aaron Gellern haben wenig Verständnis für diese Art rücksichtsloser Auswüchse unternehmungslustiger Mountainbiker. Foto: Markus Poch

Es geht um eine illegale, semiprofessionell angelegte Radsportstrecke, die das erweiterte Naturschutzgebiet Menkhauser Bach gefährdet und verschandelt. Unter Anleitung des Revierförsters Niels Niemann und des Bielefelder Rangers Aaron Gellern soll der Parcours in den kommenden Tagen zusammengeschoben werden, „damit sich das Gelände seiner ursprünglichen Topografie wieder annähern kann“, erklärt Gellern.

Zudem seien bereits 50 kränkelnde Bäume zur Abholzung markiert worden. Die künftig größere Lichtausbeute am Waldboden soll das derzeit blockierte Nachwachsen kleinerer Gehölze fördern. Der Waldeigentümer muss für dieses Maßnahmenpaket etliche tausend Euro hinblättern. Und warum? Weil irgendwelche Mountainbiker ohne jede Genehmigung oder Rücksicht auf die wertvolle Natur dort ein 2,5 Hektar großes, privates Waldgrundstück für sich beanspruchen. An einem Hang unterhalb der Lämershagener Straße, der überwiegend mit 80 bis 120 Jahre alten Buchen bewachsen ist, haben sie unter Einbeziehung des hügeligen Geländereliefs einen Geschicklichkeitsparcours angelegt.

Aus dem lehmigen Boden modellierten sie Rampen, Sprungschanzen, Steilkurven und andere Schikanen, die das Herz des Radsportlers höher schlagen lassen. „Deshalb ist diese Strecke wahrscheinlich so beliebt“, vermutet Aaron Gellern. „An manchen Wochenenden tummeln sich dort hunderte von Mountainbikern.“ An den Autokennzeichen könne man es erkennen: „Viele kommen extra aus Niedersachsen und Holland.“

Revierförster Niels Niemann

Die zwischen den Bäumen gebauten Rampen sind steil und manches Mal mehrere Meter hoch. Der lehmige Boden ist dazu stark verdichtet worden und jetzt fest wie Beton. In einigen ausgekofferten Senken liegen sogar Drainagerohre, damit sich die Rinnen zwischen den Schikanen auch bei feuchter Witterung gut befahren lassen.

Leidtragender dieser illegalen Sportanlage ist der durch das trockene Klima der vergangenen Jahre sowieso schon geschwächte Naturhaushalt. Die Förster bemängeln: Auf verdichteten Böden könnten junge Bäume nicht mehr nachwachsen. Auf den vielen Erosionsflächen würden zudem die Wurzeln alter Bäume frei gespült. Außerdem kämen die Wildbestände der Gegend nicht mehr zur Ruhe, weil die Mountainbiker gerne auch nachts im Schein starker Lampen ihre Runden drehten.

Sogar mit Drainagerohr: Die Rampen und Sprungschanzen der Mountainbike-Strecke wirken professionell angelegt. Foto: Markus Poch

Eigentlich seien sie beim Forstamt ja verständnisvoll und kooperativ, betont der Oerlinghauser Revierförster Niels Niemann. „Wir freuen uns sogar darüber, wenn die Menschen im Wald Erholung suchen“, sagt er. Aber es gebe nun einmal Regeln, und in diesem Waldstück am Schopketal sei das Fass übergelaufen. „Es musste etwas passieren.“

Der bisherige Waldeigentümer hatte das verbotene Treiben der Mountainbiker jahrelang geduldet. Das tun seine Nachkommen jetzt nicht mehr – schon aus Gründen der ungeklärten Verkehrssicherungspflicht: Wer trägt die Verantwortung, wenn einer der Sportler sich verletzt? Wer zahlt die teure Bergung?

Besonders dreist: Der Mountainbike-Parcours befindet sich direkt neben dem beschilderten Naturschutzgebiet Menkhauser Bach. Foto: Markus Poch

Solchen Fragen wollen sich weder die aktuellen Besitzer noch die zuständigen Förster stellen. Sie sagen klipp und klar: „E-Mountainbikes, die schneller als 25 km/h fahren, haben im Wald nichts verloren.“ Andere Zweiräder seien gestattet, aber nur auf befestigten Wegen. Einzige legale Mountainbike-Strecke Bielefelds ist der Monte Scherbelino (Brückenstraße).

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