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Beim Bielefelder Unternehmen Marcant gehören Hunde zum Arbeitsalltag – Vierbeiner im Büro liegen im Trend

Kollegen zum Kuscheln

Bielefeld (WB)

Pointer Piccolo hat es gut: Wenn sein Herrchen Thorsten Hojas zur Arbeit geht, muss Piccolo nicht Zuhause bleiben und auf die Rückkehr warten. Er darf nämlich mit ins Büro.

Kerstin Sewöster

Thorsten Hojas und Piccolo sind ein eingespieltes Team. Der Pointer darf sein Herrchen ins Büro begleiten, ein Privileg, das der Marcant-Vorstandsvorsitzende auch den Vierbeinern seiner Mitarbeiter zugesteht. Bürohunde liegen im Trend. Foto: Andreas Ferber

Die Schäferhunde Major und Champ sind aktuell sicher die wohl berühmtesten Bürohunde der Welt, seit sie an der Seite von Joe Biden ins Weiße Haus gezogen sind und damit die lange Liste der vierbeinigen US-Präsidenten-Begleiter fortsetzen. Auch Bielefeld hat einen First Dog: Scotty, der Labrador von OB Pit Clausen, schlummert regelmäßig im Bürgermeisterbüro. Ihren Platz haben Hunde aber längst nicht nur in den Chefetagen. Glaubt man dem 2014 gegründeten Bundesverband Bürohund, steigt stetig die Zahl der Unternehmen, die es den Mitarbeitern erlauben, ihre Hunde zur Arbeit mitzubringen.

Dass Hunde sich positiv Menschen und auf das Betriebsklima auswirken, wurde mit Studien belegt. Demnach wird beim Streicheln der Vierbeiner die Produktion von Oxytocin, besser bekannt als Kuschelhormon, angeregt. Zudem haben Hunde immer gute Laune, und Mobbing ist ihnen fremd.

Vorbeugung gegen Burnout

Der Verband Bürohund sieht sich denn auch als „Interessengemeinschaft, die dem dramatischen Anstieg von psychischen Erkrankungen und Burnout im Arbeitsleben mithilfe der Eingliederung von Hunden im Büro entgegenwirken will“. Im Februar gibt es gar die europaweit erste offizielle Ausbildung zum zertifizierten Bürohund-Experten für Unternehmen.

Dieses Expertenwissen benötigt Thorsten Hojas nicht. Der Vorstandsvorsitzende des Bielefelder IT-Dienstleisters Marcant brachte erstmals 2008 seinen Pointer-Dogge-Mix Porthos mit ins Unternehmen – zunächst ins eigene Büro. Doch Porthos eroberte schnell die Herzen der Mitarbeiter – auch der skeptischen, wie Hojas versichert. „Porthos war ein unglaublich souveräner, ruhiger Hund, er hat alle in kürzester Zeit überzeugt“, betont er. Als er mit neun Jahren starb, seien Tränen auch im Büro geflossen, erinnert sich der 56-Jährige.

Mittlerweile hat sich Nachfolger Piccolo seinen Platz im Unternehmen erobert, er stammt wie Porthos aus einer spanischen Tötungsstation.

Der Hund muss menschenfreundlich sein

Gesetzlich ist festgelegt, dass der Arbeitgeberdas letzte Wort hat, ob ein Mitarbeiter seinen Hund mitbringen darf. Stimmt er zu, gilt der Grundsatz der Gleichbehandlung: Dann darf auch anderen Kollegen der Bürohund nicht verwehrt werden. Da macht Vorstandsvorsitzender Thorsten Hojas für sich keine Ausnahme. „Wir haben schon bis zu fünf Hunde im Unternehmen gehabt“, erzählt er. Die Hunde seien sowohl in Einzelbüros als auch im Großraumbüro untergebracht. Das funktioniert, weil es Regeln gibt. „Die Hunde müssen menschenfreundlich und sozial verträglich sein. Und bei dieser Spielregel gibt es keine Toleranz“, betont der Firmenchef.

Er sieht nur Vorteile. Laut Hojas lockern die Vierbeiner das Büroklima deutlich auf. „Ein Hund will grundsätzlich gestreichelt werden, egal von wem“, sagt Hojas, der schon erlebt hat, dass anfänglich sehr steife, vorsichtige Gespräche dank Hund auf eine viel persönlichere Ebene gehoben wurden. Hojas: „Es ist unglaublich, wie schnell mit Hund das Eis taut.“

Indes hat nicht jeder Hundebesitzer einen Arbeitgeber, der Haustiere toleriert. Dabei dürfte der Bedarf an hundefreundlichen Arbeitsplätzen drastisch zunehmen, nutzten doch viele Tierfreunde den coronabedingten Lockdown und das damit verbundene Homeoffice für die Anschaffung eines Hundes.

2020: Dreimal so viel Hunde angemeldet wie 2019

Im Ordnungsamt wurden 2020 dreimal so viel neue Hunde angemeldet wie im Vorjahr. Das bekam auch Mira von der Heide zu spüren, die im Dorf Sentana den Tierbereich leitet und somit auch für die Huta, die Hundetagesstätte zuständig ist. „Nach dem ersten Lockdown hatten wir verstärkt Nachfragen nach einer Hundebetreuung“, erklärt sie. Einige der Interessenten seien sogar mit Welpen vorstellig geworden, wundert sie sich. Im Moment herrsche jedoch gähnende Leere in der Huta, weil die meisten Frauchen und Herrchen wieder im Homeoffice sind.

Geht es nach dem Bundesverband Bürohund, steigt künftig die Zahl der vierbeinigen Kollegen. Der Verband bietet sogar ein Jobportal für Firmen, die Mitarbeiter mit Hund suchen.

Wer einmal mit Bello im Büro probearbeiten möchte, hat dazuam 25. Juni Gelegenheit, dann ist der Internationale Bürohundetag. Aber Achtung: Auch diesem Praxistest muss der Arbeitgeber ausdrücklich zustimmen.

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