1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. OWL
  4. >
  5. Bielefeld
  6. >
  7. Komfortable Alternativeauf der Kurzstrecke

  8. >

In Quelle öffnet Bielefelds erster Verleih von Elektro-Autos

Komfortable Alternativeauf der Kurzstrecke

Bielefeld (WB). Wer innerstädtisch viel unterwegs ist, aber öffentliche Verkehrsmittel und die Anschaffung eines eigenen Pkw ablehnt, hat künftig eine komfortable Alternative zu Fahrrad und Taxi: Von Quelle aus bietet seit diesem Dienstag die Firma »Cityca E-Carsharing«, Bielefelds erster Verleih von Elektro-Autos, ihre Dienste an.

Markus Poch

Als Experte für Heizungs- und Sanitäranlagen hat der Unternehmer Hans Rost seit Jahren mit Energietechnik und Photovoltaik zu tun. Heute eröffnet der 65-Jährige in Quelle die Firma »Cityca«, einen Verleih ausschließlich von Elektro-Autos. Foto: Markus Poch

»Die Zukunft ist elektrisch – nicht nur in Deutschland, sondern in der ganzen Welt. Wenn der Staat in diese Richtung nichts ins Rollen bringt, dann muss man es eben selbst tun«, sagt Unternehmer Hans Rost. Der 65-jähige Bielefelder, der in Brackwede schon die Firmen Rost Haustechnik und »Rost – Die Badgestalter« führt, eröffnet heute mit »Cityca E-Carsharing« sein erstes Büro an der Kreuzung Café Sport, Carl-Seve­ring-Straße 55a.

Der Verkehrsknotenpunkt mit günstiger Anbindung sowohl an die Autobahnen als auch an die Innenstadt ist die Basis für acht Elektro-Autos der Marke Smart, die für Kurzstrecken mietbar sind. Nutzer zahlen zwölf Euro pro Stunde. Das ist die kleinste Mieteinheit. Sie schließt zehn Freikilometer und die Ladekosten ein. Jeder weitere gefahrene Kilometer kostet 28 Cent. Jede weitere Stunde werde im Viertelstundentakt abgerechnet. Hans Rost rechnet damit, dass die Mehrzahl der Buchungen, Anfragen und auch der Nachweis eines Führerscheins über das Internet oder eine Handy-App abgewickelt wird.

Diese App zeige zudem die Verfügbarkeit der Autos an und die Standorte geeigneter Ladestationen. Sie öffnet sogar den Wagen. Das Bezahlen erfolgt über Kreditkarte. Nach dem Ausleihen muss das Fahrzeug je nach Ladezustand seiner Batterie entweder im Umkreis von 300 Metern der nächsten Ladestation abgestellt oder bei einer Energiereserve von nur noch 20 Prozent und weniger direkt an dieser aufgetankt werden.

Stadtwerke wollen mehr Ladesäulen anbieten

Den Ladezustand der Batterie erfährt der kommende Nutzer bei der Buchung. Ist der Akku voll, hat der E-Smart eine Reichweite von bis zu 110 Kilometer. Laut Hans Rost sorgt der Cityca-Service dafür, dass die verfügbaren Fahrzeuge in jedem Fall fahrbereit sind.

Eigene Schnellladesäulen, Ladedauer maximal 45 Minuten, betreibt Cityca derzeit an der Dunlopstraße 4 in Sennestadt, an der Kammerichstraße 25 in Brackwede, an der Carl-Severing-Straße 55a in Quelle sowie in Herford. Bis zum Jahresende sollen im Stadtgebiet 17 weitere Säulen mit Strom aus regenerativen Quellen ihren Betrieb aufnehmen. Hans Rost verweist Elektro-Auto-Kunden außerdem auf momentan 35 private Ladesäulen in der Region sowie 30 weitere, die die Stadtwerke kostenpflichtig (39 Cent pro Kilowattstunde) betreiben. Laut Stadtwerke-Sprecherin Yvonne Liebold soll deren Ladesäulen-Angebot bis Ende 2019 auf 55 Stationen anwachsen.

»Die Vorzüge der neuen E-Mobilität einmal ausprobieren wollen«

Als Zielgruppe seines Geschäftes sieht Rost »Menschen zwischen 20 und 40 Jahren, die keinen Pkw als Statussymbol brauchen und sowieso alles teilen«. Außerdem zählt er auf Kunden, die nur selten ein Auto benötigen und andere, »die die Vorzüge der neuen E-Mobilität einmal ausprobieren wollen«. Abhängig von der Nachfrage, will der Unternehmer seinen mietbaren Fuhrpark bis zum Jahresende um bis zu 16 zusätzliche Fahrzeuge vergrößern, darunter auch Vier- und Siebensitzer für längere Fahrten sowie Elektro-Lkw.

Was den geübten Leihwagennutzer möglicherweise irritiert: Ein Cityca-Auto lässt sich nicht länger im Voraus buchen, sondern immer nur im Augenblick. Das heißt: Der Buchungszeitraum beginnt direkt bei Abschluss der Buchung. »Vieles bei uns ist sicherlich noch nicht ausgereift«, entschuldigt sich Hans Rost. »Wir lernen jeden Tag dazu.«

Sobald die Bielefelder Stadtbezirke mit Ladesäulen eingedeckt sind, will er angrenzende Gemeinden versorgen. Bei seinen Bemühungen vermisst er die Unterstützung der Stadt Bielefeld. Rost: »Andere Städte freuen sich, wenn Elektromobilität gelebt wird. In Bielefeld ist das leider nicht so.« Dennoch strebe er eine Kooperation mit dem ÖPNV (Mobiel) an.

Startseite
ANZEIGE