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Nur Mut: Versuchen wir es doch einfach mal

Kommentar: Wie gehen wir am besten mit der Krise um

Trotz aller Kritik, trotz aller Fehler, trotz aller Ungeduld. In Deutschland und auch in Bielefeld läuft bei der Bewältigung der aktuellen Situation vieles deutlich besser als in anderen Ländern – das darf nicht vergessen werden in den manchmal zu wenig sachlich geführten Diskussionen. Ein Kommentar.

André Best

Die Maske als Sinnbild für die Pandemie. Ein bisschen mehr Zuversicht wünschte man sich den Menschen. Foto: Kay Nietfeld/dpa

Nachdem der Sturm im Wasserglas mit den Forderungen nach Rücktritt oder Rausschmiss des Bielefelder Krisenstabsleiters vorbei ist, tun alle gut daran, den Blick nach vorne zu richten.

Zuletzt ist im Zusammenhang mit der Bewältigung der Pandemie vieles nicht gut gelaufen. Sei es das Corona-Meldechaos der Stadt Bielefeld, die Wartezeiten und PC-Abstürze bei den Impfterminen oder auch manche Entscheidung der Politik, die noch immer nicht nachvollziehbar sein mag. Die Kritik ist berechtigt. Und die Belastungen, denen alle Menschen seit Wochen und Monaten ausgesetzt sind, steigen von Tag zu Tag.

Aber richtig ist auch, was NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann gesagt hat. Es seien zwar ärgerliche Pannen bei der Terminvergabe passiert. Aber es sind in ganz NRW in nur zweieinhalb Tagen 390.000 Ersttermine vergeben worden. Das bedeutet, dass mehr als ein Drittel der Berechtigten nach fast drei Tagen einen Impftermin bekommen hat.

In Bielefeld waren es bis Donnerstag 14.625, darunter 9000 Ersttermine. Mittlerweile sind allein in Westfalen-Lippe 479.000 Termine für die Erst- und Zweitimpfung vergeben worden. Das betrifft fast zwei Drittel der 350.000 Menschen über 80 Jahren.

In Deutschland läuft vieles deutlich besser als in anderen Ländern – das darf nicht vergessen werden in den manchmal zu wenig sachlich geführten Diskussionen.

Die Pandemie hängt den Menschen zum Halse heraus. Und bei vielen liegen die Nerven blank, privat wie beruflich – verständlicherweise.

Aber wir dürfen jetzt nicht die Nerven verlieren. So denn alles klappt, nimmt das Impfzentrum in Bielefeld am Montag in einer Woche den Betrieb auf. Die Coronazahlen gehen langsam zurück. Der Inzidenzwert ist unter 100 gesunken. Selbst ein Wert von weniger als 50 scheint in Bielefeld wieder machbar, weil die Kontaktnachverfolgung zunehmend wieder besser möglich ist.

Wenn wir von dem mutierten Virus einigermaßen verschont bleiben, dann wird die Anzahl der Infizierten und der Verstorbenen hoffentlich rasant zurückgehen können. Dass die britische Mutation des Coronavirus nun auch in Bielefeld nachgewiesen wurde, war zu erwarten. Wir sollten deshalb um so mehr auf uns und andere Acht geben und die AHA-Regeln einhalten. Aber es gibt keinen Grund, jetzt in Panik zu verfallen.

Die Aussichten sind nicht schlecht. Sie sollten uns zuversichtlich stimmen – auch wenn manche Situation auch noch so dramatisch sein mag, existenziell oder gesundheitlich. Versuchen wir dennoch, etwas optimistischer in die Zukunft zu blicken. Probieren wir es wenigstens. Sprechen wir darüber, was wir geschafft haben. Freuen wir uns auf das Ende der Pandemie. Denken wir positiver und sehen nicht nur, was misslingt, sondern was funktioniert. Politiker – ja, und auch einige Medien – können dazu einen Beitrag leisten.

Fangen wir am besten gleich heute damit an. Mehr Mut tut Not – und tut uns allen gut.

„Denken wir positiver und sehen nicht nur, was misslingt, sondern was alles gut funktioniert.“ André Best, Leiter der Bielefelder Lokalredaktion. Foto: WB
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