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Ummelner Gasturbine samt Grundstück sucht neuen Besitzer

Kraftwerk zu verkaufen

Bielefeld (WB). Wer dieses Ummelner Grundstück kauft, muss sich um seine Stromversorgung keine Sorgen machen. Kernstück des Gebäudes, das derzeit auf dem Immobilienmarkt angeboten wird, ist eine Gasturbine zur Stromerzeugung mit einer Leistung von 55 Megawatt.

Peter Bollig

Keine gewöhnliche Immobilie: An der Umlostraße 54 b, ganz in der Nähe des Schulbauernhofes, steht das Ummelner Gasturbinenkraftwerk. Jetzt soll es verkauft werden. Foto: Markus Poch

Diese Menge an Strom entspricht rund einem Sechstel der durchschnittlichen Bielefelder Stromlast, rechnet Stadtwerkesprecherin Yvonne Liebold vor. Dass das Gasturbinenkraftwerk tatsächlich noch einmal Strom ins Bielefelder Netz speist, ist aber eher unwahrscheinlich. Seit 2015 ist es außer Betrieb.

Die Gasturbine wurde 1973 gebaut

Zum Verkauf steht das 20.000 Quadratmeter große Grundstück an der Umlostraße, etwas versteckt hinter dem Schulbauernhof in einem Wäldchen gelegen. Bäume und Sträucher verbergen die massiven Gebäude: 18 Meter hoch ist das Turbinengebäude, der Unterbau des Schornsteins misst gut 20 Meter, der Schornstein selbst mündet in einer Höhe von 38 Metern. Laut Exposé kann die Gasturbine aus dem Jahr 1973 auch separat erworben werden. Der Rest an Gebäude und Fläche eigne sich, um dort Gewerbe unterzubringen. Der Kaufpreis? Den erfahren Interessenten auf Anfrage beim Verkäufer.

So richtig wirtschaftlich ist der Betrieb einer Gasturbine dieser Größenordnung nicht, sagt Yvonne Liebold. Zur Produktion einer Grundlast sei diese auch nie eingesetzt worden. Anlagen dieser Art würden dann eingeschaltet, wenn Spitzenlasten entstehen, also plötzlich zusätzlicher Strom gebraucht wird, den andere Kraftwerke nicht liefern können. »Der Vorteil dieser Turbine war, dass sie nur fünf Minuten nach dem Start Strom liefert, nach weiteren fünf Minuten unter Volllast fährt.« Strom mit Gas zu erzeugen, sei aber vergleichsweise teuer. Für die 1970er Jahre sei das eine große Anlage gewesen, heutige Gasturbinenkraftwerke seien »bis zu fünf Mal so groß«.

Der Betrieb wurde unwirtschaftlich

Gemeinsam mit Eon haben die Stadtwerke Bielefeld das Kraftwerk in Ummeln bis 2015 betrieben. Das Aus hing zusammen mit dem Ende des Kohlekraftwerks in Veltheim. Zusammen mit Eon hatten die Stadtwerke auch das Kraftwerk an der Weser betrieben. Das Ummelner Gasturbinenkraftwerk war Teil der Kraftwerksgesellschaft und wurde von Veltheim aus ferngesteuert. Am Ende wurde die Stromproduktion in Veltheim unrentabel. Früher als geplant, schaltete das Unternehmen beide Anlagen ab. Bei den Stadtwerken habe man nur kurz überlegt, die Anlage an der Umlostraße als Reserve weiter vorzuhalten, sagt Yvonne Liebold. Aber es sei »nicht mehr systemrelevant«: Durch den Ausbau des Umspannwerkes in Bechterdissen würden Stromspitzen inzwischen kostengünstiger aufgefangen.

Die Betreibergesellschaft aus Eon (66 Prozent) und Stadtwerke Bielefeld (33 Prozent) unter dem Namen Interargem verkaufte das Kraftwerk in Veltheim mit dem Anhängsel in Ummeln. Heutiger Eigentümer ist die Entwicklungsgesellschaft Gemeinschaftskraftwerk Veltheim, die die Anlage nun zu Geld machen möchte. Welche Perspektiven sie für die Immobilie sieht, dazu wollte sich das Unternehmen auf Anfrage nicht äußern.

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