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Der Bielefelder Ernst Heiner Hüser entdeckt mit der Bildhauerei eine neue Leidenschaft – mit Video

Kunst und Natur im Einklang

Bielefeld (WB). Viereinhalb Jahrzehnte widmete sich Ernst Heiner Hüser mit großer Leidenschaft der Kochkunst. Als sich der Eigentümer des Museumshofs Senne vor drei Jahren aus dem Beruf zurückzog, erlag er einer neuen Passion: der Bildhauerei.

Uta Jostwerner

Skulpturengruppe »Verbundenheit«. Mit einer Carving-Kettensäge arbeitet Ernst Heiner Hüser die Form aus dem Baumstamm heraus. Foto: Bernhard Pierel

Die beeindruckenden Ergebnisse seiner neuen kreativen Tätigkeit sind jetzt in den Bauerngärten des Museumshofs für Jedermann sichtbar. Etwa drei lebensgroße Holzfiguren, die Mutter-Kind-Beziehungen in der Interaktion darstellen. Momente inniger Zuwendung, für immer festgehalten im Rohstoff Holz.

»Baumgeist« aus Akazienholz

»Das Material hat mich seit meiner Kindheit fasziniert«, erzählt Hüser, der sich mit 55 Jahren einen Traum erfüllte und im benachbarten Hof eine Tischlerwerkstatt einrichtete. »Gearbeitet habe ich überwiegend nachts, denn ich brauche wenig Schlaf«, erzählt der 66-Jähre. Nach und nach wurde nicht nur das passende Werkzeug zum Sägen, Drechseln oder Schnitzen angeschafft, Hüser belegte auch Bildhauer- und Carving-Workshops. Unter Carving versteht man das Schnitzen mit einer speziellen Kettensäge.

Während andere Kursteilnehmer Engel und Tannenbäume aus dem Rohmaterial herausschnitzten, wollte Ernst Heiner Hüser frei arbeiten. So entstand als eine seiner ersten künstlerischen Arbeiten eine Grotte aus Kirschbaumholz, herausgearbeitet aus einer dicken Kirschbaumscheibe. »Ohne vorherigen Plan oder Zeichnung habe ich ungefähr zwölf Stunden an dieser Skulptur gearbeitet«, erzählt der Künstler.

Doch Holz, das noch nicht richtig getrocknet oder Witterungseinflüssen ausgeliefert ist, ist auch unberechenbar. Das schöne Objekt entwickelte Risse. »Zunächst war ich sehr verärgert und enttäuscht darüber. Doch nach einigen Monaten fand ich einen neuen Zugang und konnte die Arbeit fortsetzen«, berichtet Hüser. Nach weiteren 20 Stunden, die mit Schleifen und Polieren vergingen, erstrahlt die Kirschbaum-Grotte in neuem Glanz und präsentiert sich als organisches Objekt, das seinen Ursprung nicht verleugnet, jedoch einer harmonischen künstlerischen Form zuführt.

Überhaupt ist es manchmal ohnehin die Natur selbst, die die schönsten Formen hervorbringt. Die von Hüser geschaffene Skulptur »Der Baumgeist«, eine Stele aus Akazienholz, ist das beste Beispiel dafür. »Der Baumstamm war nach einem heftigen Sturm in unserem Wald umgefallen und wurde dort über 30 Jahre hin langsam morsch«, berichtet der Bildhauer. Er unterzog den verwitterten und knorrigen Stamm einer gründlichen Reinigung unter Hochdruck. Übrig blieb eine bizarre Schönheit, die stolz empor strebt.

Dreiteilige Arbeit

Zur bildhauerisch-gestalterischen Herausforderung wurde dann die Umsetzung des Mutter-Kind-Themas. Die dreiteilige Arbeit trägt den Namen »Verbundenheit« und beruht auf drei eisengeschmiedeten Figuren von 20 bis 30 Zentimeter Länge, die Hüser als 17-jähriger Schüler im Kunstunterricht gefertigt hatte. Die Modelle wurden mit einem 3D-Zeichenprogramm erfasst und aufs große Format hochgerechnet. Anschließend wurden die Maße auf ausgesuchte Baumstämme übertragen und die Formen aus dem Holz herausgeschnitzt. Nach der Oberflächenbehandlung und Fixierung der Skulpturen auf stabilen Sockeln erfolgte die Aufstellung im Kräutergarten des Museumshofs.

Man darf gespannt sein, wie es weiter geht. »Als nächstes werden ich mich an die Gestaltung eines Kopfes begeben«, kündigt Hüser an. Und schließlich soll nach und nach auf dem Nachbarhof, wo sich auch seine Werkstatt befindet, ein Skulpturengarten entstehen.

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