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EKD-Ratsvorsitzende und Bielefelder Präses warnt in Brüssel vor einfachen Positionierungen zum Ukraine-Krieg

Kurschus: "Ich habe Waffenlieferungen nie begrüßt"

Bielefeld/Brüssel

Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Annette Kurschus, warnt vor einfachen Positionierungen zum Ukraine-Krieg. Sie könne Krieg nicht grundsätzlich gutheißen, „auch keine Waffenlieferungen, das habe ich nie begrüßt, auch wenn mir das bisweilen so in den Mund gelegt wird“, sagte sie am Dienstag in Brüssel vor EU-Abgeordneten und weiteren Gästen eines Empfangs der EKD.

Annette Kurschus, Chefin der Evangelischen Kirche in Deutschland. Foto: Friso Gentsch/dpa/Archivbild

Annette Kurschus vertritt als Ratsvorsitzende der EKD etwa 20 Millionen Christen. Sie ist seit Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW).

Es gebe in dieser Frage kein eindeutiges Richtig oder Falsch. Die oberste Repräsentantin der deutschen Protestanten hatte Waffenlieferungen in Interviews als vertretbar anerkannt. „Viele möchten einfache Antworten, am besten im Ja-Nein-Schema“, sagte die westfälische Präses. „Ich mache da nicht mit.“

Auch die Kirche müsse Antworten geben, aber anders als die Politik. „Wir verfügen nicht über ein Wissen christlicherseits, das es uns erlauben würde, einzelne politische Optionen direkt aus der Bibel abzuleiten.“ Wer politisches Handeln zum Willen Gottes erkläre, begebe sich auf gefährliches Terrain. In diesem Zusammenhang warf sie dem Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche, Patriarch Kyrill, erneut Gotteslästerung vor, weil dieser den Angriffskrieg als gottgewolltes Mittel darstelle.

Die EKD komme zu dem Schluss, dass es für und gegen Waffenlieferungen jeweils gute Gründe gebe. Dilemmata müssten benannt werden. „Es ist nicht immer hilflos, wenn man sagt: Ich weiß es nicht. Das ist manchmal das einzig angebrachte“, sagte Kurschus. Auch die Bibel würde offensichtliche Widersprüche nebeneinander stehen lassen und in einer größeren Wahrheit aufheben.

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